1. BuzzFeed.at
  2. Buzz
  3. Popkultur

Das Waves Festival unterstützt die ukrainische Musikszene und setzt auf Crowd-Funding

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Kisler

Kommentare

Montage: Publikum bei einem Konzert des Waves Vienna Festivals, The Hanged Man aus Schweden
Neben drei noch zu ermittelnden ukrainischen Acts werden noch zig andere Künstler:innen beim Waves Vienna zu sehen sein, etwa The Hanged Man aus Schweden. © Patrick Münnich/Per Kristiansen/BuzzFeed Austria

Aus dem Einheitsbrei an Festivals sticht das Waves Vienna heraus. In Clubs und ungewöhnlichen Spielorten gibt es viel zu entdecken. Heuer auch aus der Ukraine.

Festivals gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, sei es Frequency Festival, das Donauinselfest, das Donaufestival oder von mir aus auch das Bezirks- oder Feuerwehrfest in deinem Ort. Bedient wird dabei jeder Geschmack, von sogenannter Alternative, massentauglich bis Avantgarde, meistens regiert aber der Einheitsbrei. Bei manchen Festivals fühlt man sich überhaupt 20, 25 Jahre in der Zeit zurückversetzt, wenn man sich das Line-up ansieht - bestes Beispiel Nova Rock. Ganz ehrlich, da muss ich ja auch nicht hingehen. Wo man allerdings sehr wohl hingehen sollte, wenn man Neues und Spannendes in teils ungewöhnlichem Rahmen entdecken möchte: das Waves Vienna. Seit 2011 gibt es das Club- und Showcase-Festival, wobei Letzteres bedeutet, dass vor allem weniger oder nur regional bekannten Künstler:innen die Chance auf ein größeres Publikum geboten werden soll.

Das Waves Vienna findet an verschiedenen Orten statt

Festivalzentrum ist dabei das Wiener WUK mit seinen Bühnen in der Halle, im Foyer und im Beisl. In mehr oder weniger nahe gelegenen Cafés wie dem Clash dem Café Weimar oder dem Grand Café Alsergrund wird es weitere Auftritte geben. Fast schon konventionelle Austragungsorte wie das Chelsea, das Loft oder der Weberknecht sind auch dabei. Jedes Jahr gibt es ein anderes Gastland, diesmal etwa Kanada. Der Grundgedanke, „East meets West“, schlägt sich heuer weniger im Line-up nieder, sondern in der begleitenden Conference.

Unter den mittlerweile 35 bekanntgegebenen Künstler:innen jemanden herauszupicken, fällt schwer. Ich persönlich lege die Deutschbritin Christin Nichols ans Herz, ebenso The Hanged Man aus Schweden, Nalan und Plattenbau aus Deutschland, aus England Girli, Nuha Ruby Ra und Finley Quaye, außerdem a/lpaca aus Italien, Jessy Lanza aus Kanada und Ultraflex aus Island. Österreich hat auch einiges zu bieten, und zwar etwa Berglind, Farce, Oskar Haag, Doppelfinger, Bipolar Feminin, Bibiza und Zack Zack Zack, allesamt nicht zu verachten.

Eine Besonderheit 2022: Das Waves bietet auch Musiker:innen aus der Ukraine eine Bühne. BuzzFeed Austria hat Gründer und Festivaldirektor Thomas Heher dazu befragt.

Thomas, wie kam es zu der Idee, ukrainische Künstler:innen einzuladen und ihnen eine Bühne zu bieten?

Wir hatten schon in den vergangenen Jahren immer wieder ukrainische Künstler:innen am Festival und in Zusammenarbeit mit dem Ukrainischen Kulturinstitut und dem Ukrainischen Musik Export Networkings und Panels organisiert. Wir stehen mit unseren Partner:innen das Jahr über immer im Austausch und hatten auch nach Beginn der Invasion durch Russland regen Kontakt mit dem Institut und dem Export. Im Zuge eines Gesprächs über die Situation der Musiker:innen und der Branche in der Ukraine allgemein, hatten wir vor dem Hintergrund, dass natürlich alle Fördertöpfe eingefroren sind, die Idee die Kooperation mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne fortzusetzen.

Was soll und kann damit bewirkt werden? Wie läuft das im Detail ab?

Aktuell sind viele Musiker:innen und auch Veranstalter:innen, Label-Leute und so weiter entweder in der Armee oder in ganz Europa verstreut und versuchen irgendwie über die Runden zu kommen. Damit Künstler:innen weiterhin an ihrer Musik arbeiten können, brauchen sie aber Live-Engagements, da natürlich Auszahlungen über Streamings oder Online-Verkäufe über die Rechteverwertungsgesellschaften ins Stocken geraten. Der Sinn dieses Showcases ist es, drei Acts einen Auftritt zu verschaffen und ihnen sowie anderen Menschen aus der ukrainischen Branche Sichtbarkeit zu verschaffen. Das heißt, dass andere Veranstalter, Labels, Agencys und so weiter sie nicht aus den Augen verlieren, eventuell neue Zusammenarbeiten entstehen und die Lage, in der sich diese Menschen befinden, klarer wird. Dafür wollen wir etwa auch ein Panel machen, wo Protagonist:innen über ihr aktuelles Leben erzählen und wie sie damit umgehen.

Wieso muss das Waves auf eine Crowd-Funding-Kampagne zurückgreifen? Warum gibt es keine Förderungen?

Das Festival selbst wird gefördert und unterstützt, aber die Kosten solcher Showcases tragen immer Organisationen des jeweiligen Landes, sei es nun die Botschaft, ein Kulturinstitut oder auch eine Exportorganisation. Aber aktuell sind natürlich alle Mittel in der Ukraine auf den Widerstand gegen die Invasoren fokussiert.

Konkret soll es drei ukrainischen Künstler:innen oder Bands ermöglicht werden, nach Wien zu kommen. Wie werden diese ausgewählt?

Die Auswahl erfolgt wie sonst auch immer. In Zusammenarbeit mit dem Ukrainischen Kulturinstitut und dem Ukrainischen Musik Export schauen wir, für welche Artists der Showcase am meisten Sinn macht und wie dieser dann gut ins Programm des Festivals passt.

Wie wurde die Idee in der ukrainischen Musik-Szene aufgenommen?

Sehr gut, die Idee haben wir ja vorher abgesprochen und gemeinsam entwickelt. Die Szene ist extrem dankbar und ich glaube auch sehr froh, einen Funken von Normalität im Leben zu haben.

Wie setzt sich das restliche Programm zusammen?

Wir haben unser bislang geltendes Motto „East meets West“, also dem Aufbau einer Netzwerk-Plattform für die ost- und westeuropäischen Musikszenen mehr auf unseren Business-Teil, also der Conference, fokussiert. Und wir werden mit diesem Jahr ein neues Generalthema, Diversity, für das ganze Festival einführen. Dabei stellen wir im ersten Jahr das Subthema „Micro Activism“ in den Vordergrund. Das wird sich einerseits in der Programmierung des Festivals wiederfinden, aber auch in einem neu geschaffenen Diskurs-Programm, das bei freiem Eintritt stattfinden wird, und in vielen anderen Aspekten des Festivals, die wir gerade noch ausarbeiten.
Gastland wird in diesem Jahr Kanada sein, dessen Musikszenen und -markt wir im Rahmen der Conference näher beleuchten. Aber auch im Hinblick auf unser neues Generalthema wollen wir schauen, wie da die Situation in der Musikszene ist. So wird etwa Mark Campbell von der University of Toronto eine Keynote zum Thema kulturelle Aneignung im Hip-Hop halten.

In den elf Jahren seit dem ersten Waves Festival 2011 ist es das erste Mal, dass Künstler:innen aus einem Kriegsgebiet auftreten. Ich hoffe sehr, dass dieser sehr bald ein Ende hat. Aber wird es so etwas in Zukunft auch geben?

Ja, wir sehen uns als Festival auch verpflichtet, gesellschaftspolitische Themen zu behandeln und darüber hinaus auch zu Themen Stellung zu beziehen. Wenn es möglich ist, das auch in eine Aktion wie jetzt für die Ukraine umzumünzen, dann werden wir das auch in Zukunft wahrnehmen.

Das Waves Vienna 2022 findet von 9. bis 10. September statt.

Auch interessant

Kommentare