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„Das Geschlecht sollte beim Auflegen nicht im Fokus stehen“: Eine DJ erzählt von ihren Erfahrungen

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Von: Sophie Marie Unger

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Ein DJ Mischpult in einem Club und DJ Violetta hinter den Decks im Vienna City Beach Club
Female DJ Violetta erobert die Wiener Clubs. © Violetta Marth

Männerdomäne Deejaying? Nein, aber leider doch irgendwie ja. Zumindest in kommerziellen Clubs in Wien werden Frauen faktisch weniger gebucht als Männer. Wir haben mit female DJ Violetta übers Auflegen gesprochen.

Sieht man sich die Top 100 DJs des renommierten DJ Mag an, so waren im vergangenen Jahr nur 10 Frauen darunter. Ich glaube, dazu braucht man auch nicht mehr viel sagen. Auch in der österreichischen Nachtszene gestaltet es sich ähnlich. Zugegeben, seit einigen Jahren vollzieht sich langsam ein Wandel, welcher sich aber vor allem in der Underground und Techno-Szene abspielt. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass auch kommerzielle Clubs Frauen hinter die Decks holen. Wir haben am Welt-DJ-Tag mit einer weiblichen DJ darüber gesprochen.

Violetta, du bist eine der wenigen Frauen in Wien, die vor allem in kommerziellen Clubs auflegt. Wie bist du überhaupt dazu gekommen?

Musik hat mich schon immer beschäftigt und irgendwie hatte ich auch immer Berührungspunkte damit. Sei es durch Freunde, die Veranstaltungen machen oder DJs sind oder durch meine umtriebige Art, die Nacht zum Tag zu machen. Ohne Musik kann ich mir ein Leben nicht vorstellen. Durch einen lieben und langjährigen Freund, Martin Oelz, den ich nicht nur als Mensch, sondern auch als Künstler sehr schätze, habe ich inmitten der Pandemie begonnen, mich hinter die Decks zu begeben. Er hat mir nicht nur alles beigebracht und mir Mut zugesprochen, sondern war und ist auch immer sehr kritisch. Dadurch habe ich viel gelernt und lerne natürlich noch immer. Ich bin sehr dankbar für seine Unterstützung. Sei es durch seine ehrliche Meinung oder dadurch, dass er mich gerade in der ersten Zeit begleitet hat.

Welche Musik spielst du? Wie fühlst du dich damit?

Mein Stil ist gar nicht so einfach zu charakterisieren. Ich liebe Progressive House mit tropisch angehauchten Vocals. Im Moment fokussiere ich mich jedoch sehr auf House bzw. Funky-House. Wichtig ist, dass es stets eine Freude für die Beine und die Ohren ist.

Hast du das Gefühl, du musstest dich mehr durchkämpfen als männliche DJs oder ist eher das Gegenteil der Fall?

Diskriminiert wurde ich noch nie, aber sicherlich auch nicht gleich bewertet. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich das Gefühl habe, Frauen werden „belächelt“, aber sie werden einfach sehr schnell unterschätzt. Vor allem im ersten Moment. An sich hatte ich bis jetzt positives Feedback und auch positive Gigs – mit und ohne der Jungs. Ich würde definitiv sagen, dass ich durch meine Community gepusht werde und es ist auch sehr schön, dass wir uns immer untereinander austauschen können, da viele sehr erfahrene DJs dabei sind. Ich fühle mich wohl und meiner Meinung nach sollte hier nicht das Geschlecht im Fokus stehen. Denn uns alle verbindet die Leidenschaft zur Musik und wir wollen die Leute für den Moment glücklich machen. Das ist das Einzige, das zählt.

Wie hast du die Pandemie als Künstlerin empfunden?

Dadurch, dass ich im Sommer der ersten Pandemie begonnen habe, war es für mich ein Auf und Ab. Zuerst ging es sehr rasch und ich durfte innerhalb kürzester Zeit bereits in angesagten Clubs wie den VCBC, Flex,.. spielen. Dann war wieder Lockdown. Sprich: eine sehr lange Pause, welche ich gerade in meiner Anfangsphase als „Rückschlag“ empfunden habe. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich musste wieder bei 0 beginnen. Aber ich muss gestehen, dass es sich für mich nach der Pandemie mehr als positiv entwickelt hat. Ich konnte direkt in einem neuen Club mit cooler Community Fuß fassen und dies freut mich sehr.

Das Opening-Wochenende ist vorbei. Du durftest Teil davon sein. Wie ist es dir ergangen?

Das Nachtleben ist zurück und ich bin mega happy, dass ich direkt am „Comeback- Wochenende“ dabei sein durfte - gleich zusammen mit einem DJ aus Ibiza. Mir war an diesem Abend wichtig, dass ich der angestauten Partylaune Raum geben konnte. „Tanzen bis zum Morgengrauen“ war die Devise – endlich ohne Stress. So habe ich nämlich die Situation davor empfunden: die Zeit zum Party machen fehlte und dies führte wahrlich zu Stress unter den Gästen. Aber auch bei mir. Es musste einfach alles „kurz und knackig“ verpackt werden. Aber auch dies war eine Erfahrung.

Was sind deine nächsten Auftritte und worauf freust du dich ganz besonders?

Spielen werde ich die nächste Zeit im Hidden Club und Sechser. Wenn alles klappt, auch in Madrid. Ich freue mich auf eine musikalisch weit-gefächerte Zukunft, in der ich mein DJ-Dasein in vollen Zügen ausleben kann– hoffentlich ohne weitere Pause durch Lockdowns!

Auch Ann arbeitet in einer Männerdomäne. Sie betreibt mit zwei Kolleginnen den ersten feministischen Radshop.

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