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Karriere als DJ, aber was kommt danach? Wiens erfolgreiche DJ Anna Ullrich gibt Antworten darauf

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Dj Anna Ullrich an den Turntables in Wiener Clubs.
DJ Anna Ullrich bringt jungen Mädls nun das Auflegen bei. © Instagram/Anna Ullrich

Anna Ullrich ist seit Jahren als weibliche DJ in ganz Österreich unterwegs. Aufhören möchte sie noch nicht, sie hat aber schon Ideen, was danach kommen könnte.

Nächstes Jahr feiert Anna Ullrich ihr 10. Arbeitsjubiläum. Der klassische Schreibtisch dient bei ihr höchstens als DJ-Pult und ihr größtes Ziel ist es, die Leute zum Tanzen und Spaß haben zu bewegen. Als erfolgreiche weibliche DJ in Österreich unterscheidet sich ihr Arbeitsalltag somit wohl schon sehr von klassischen Berufen und den darin bestehenden Rollenverteilungen. BuzzFeed Austria hat nachgefragt, wie man zum Auflegen kommt, was zukünftig geplant ist und wie es um die weibliche DJ-Szene steht.

Liebe Anna, du bist seit Jahren in der heimischen DJ-Szene unterwegs. Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen?

Ich hab mich schon immer für Musik interessiert und hab damals auf YouTube unendlich viele Playlists gesammelt. Bei Partys hab ich eigentlich immer die Musik für die anderen gemacht. Viele meinten da, dass ich einen guten Musikgeschmack hab, was mich natürlich sehr gefreut und motiviert hat. Immer wieder kam, dass ich das mit dem Auflegen doch einfach mal probieren soll. Mein bester Freund hat zeitgleich Veranstaltungen im Sass organisiert und der hat mir dann angeboten, dass er mir das Ganze beibringt. Das Sass war es dann auch, das mir wöchentlich untertags aufgesperrt hat, damit ich dort üben kann. Einen Monat später, als ich’s dann schon bissl drauf gehabt hab, hat mein bester Freund mich für seinen Geburtstag gebucht. Das hat denen total gefallen, sodass ich dann recht bald eine eigene Veranstaltung im Sass, das „Puppenhouse“, bekommen habe. Bald haben wir das auch ganz österreichweit organisiert.

Wie war das für dich in einer männlich-dominierten Szene anzufangen? 

Als ich angefangen hab, gab es absolut keine Mädels in der Szene. Wie ich mit der Veranstaltung „Puppenhouse“ angefangen habe, wollte ich, dass nur Mädels spielen und ich hab nach zwei Monaten nicht mehr gewusst, wen ich buchen soll - es gab niemanden. Dann haben halt wieder Jungs aufgelegt. Mittlerweile ist es aber so, dass es wirklich ein gutes Angebot an Mädels gibt, die auflegen - das ist gar kein Vergleich zu damals. 

Wie hast du dich mit deinen männlichen Kollegen verstanden?

Damals war es schon nicht leicht mich da durchzusetzen, es haben mir viele Männer auf die Finger geschaut und mich genau beobachtet, ob ich eh alles richtig mach. Ich hab halt schon manchmal mitbekommen, dass sich Leute aufgeregt haben, warum gerade ich gebucht werde. Es gab schon viel Hate am Anfang. Das hat mich auf jeden Fall stärker gemacht, aber das gibt es in jeder Branche, und da muss man drüberstehen. Ich wollte mich auf keinen Fall unterkriegen lassen und wollte mein Ding weitermachen und deshalb war‘s mir egal. Ich hab mich halt immer gefragt, warum man so sein muss, gerade jetzt in der Zeit sollten wir alle zusammenhalten.

Gibt es Dinge, die dich bewegen?

Ich werd 31 und ich muss sagen, ich hab echt schon Angst, dass ich auch bald zu den Alten gehöre. Es kommen so viele junge Mädels nach, die ur viel Power haben und Motivation und ich muss schauen, dass ich einen nächsten Sprung schaffe. Gut ist auf jeden Fall, dass mir auch immer neue Musik taugt. Ich spiele halt gerne etwas, wo die Leute mitsingen und tanzen und das macht mir einfach riesigen Spaß.

Was ist zukünftig geplant?

Jetzt kommen meine ersten offiziellen Releases, also so schnell kann ich eh nicht in DJ-Pension gehen und jetzt nach Corona bin ich auch gut gebucht - es geht jetzt richtig los. Ich plane auch, dass ich europaweit noch einiges erreichen kann und auch aus Österreich rauskomm.

Und dann?

Ja, ich lege jetzt schon seit 9 Jahren auf, das ist schon eine lange Zeit. Doch als ich ein Angebot von BACARDÍ  bekommen habe, gemeinsam mit ihnen DJ-Workshops abzuhalten, hab ich erstmals darüber nachgedacht, dass das gar keine schlechte Idee für die Zukunft ist. Und wenn ich damit auch noch junge Mädels fördern kann, ist es ja doppelt sinnvoll. Der Workshop, der insgesamt dreimal stattfindet, soll darauf abzielen, dass Gleichberechtigung in der DJ-Szene vorhanden ist. Und dass schlussendlich auch viele Mädels motivierter sind und sich mehr trauen, DJ zu werden.

Wie war das für dich, dein Wissen an junge Frauen weiterzugeben?

Es war sehr lustig, ich war aber auch so nervös und hab das davor ja eigentlich noch nie gemacht. Dann stand ich da und dachte mir „Oh Gott, was sag ich jetzt?“, obwohl ich mich natürlich gut vorbereitet habe. Als dann die Mädels reinkamen und eine gleich gesagt hat, dass sie der totale Fan von mir ist, hat sich die Situation schnell aufgelockert. Die Mädels waren um die 20, der Workshop wurde verlost und insgesamt waren wir sechs Leute. Das Ganze fand im Sass statt, es war schön zu sehen, dass ich es dort machen konnte, wo auch ich das Auflegen gelernt habe. Am Ende haben sie sich auch sehr bedankt. Jede durfte dann auch zwei Übergänge machen am Schluss, und da war ich richtig stolz.

Immer mehr Frauen spielen nun auch in kommerziellen Wiener Clubs, so auch Violetta.

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