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„Es kommt immer ungefragt Feedback”: Wiener Musikerin ANTHEA zu Doja Cats Twitter-Streit mit Fans

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Von: Helena Dimmel

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Doja Cat während der 64. Grammy Verleihung und Wiener Musikerin ANTHEA
Die Wiener Musikerin ANTHEA äußert sich zu Doja Cats Twitter-Streit mit Fans. © Julian Lee Harather

Nach einem Streit mit Fans droht US-Popstar Doja Cat, ihre Karriere zu beenden. Wir haben mit der österreichischen Hyper Pop-Sängerin ANTHEA darüber gesprochen.

Seit drei Wochen hält die Musikwelt den Atem an: Wird sie wirklich aufhören? Oder war es doch nur ein spontaner Ausreißer, den Doja Cat am 25. März 2022 auf Twitter zum Besten gab? „Ich höre verdammt noch mal auf. Ich kann es kaum erwarten, abzuhauen. Ich brauche euch nicht mehr, um an mich zu glauben. Alles ist tot für mich, Musik ist tot, und ich bin eine verdammte Idiotin, weil ich überhaupt gedacht habe, dass ich dafür gemacht bin. Das ist ein verdammter Albtraum. Hört auf, mir auf Twitter zu folgen!” Die Worte der US-amerikanischen Pop-Ikone schlugen wie eine Bombe auf Social Media ein.

Darum will Doja Cat mit der Musik aufhören

Auslöser war ein Streitgespräch mit südamerikanischen Fans, das sich kurz zuvor ebenfalls auf Twitter zugetragen hatte. Nach der Absage eines Konzertes in Paraguay hatte Doja Cat wenige Tage später gewittert, sie habe andernorts in Brasilien keine gute Show abgeliefert. Daraufhin hagelte es heftige Kritik von paraguayischen Fans: Sie sei der Staatsfeind Nummer eins, schrieb ein Twitter-User. Die Sängerin antwortete darauf, dass sie ihre Karriere beenden werde. Seitdem heißt es Rätselraten für die Musikindustrie, aber auch für Millionen von Fans. Ihren Twitter-Account Namen änderte Doja Cat zwischenzeitlich zu „I quit” („Ich höre auf”), die Tweets über ihren Rückzug sind jedoch seit kurzem nicht mehr abrufbar. 

Doja Cats Tweet über ihr Karriere-Ende.
Doja Cats Tweet über ihr Karriere-Ende. © Twitter

Wie viel darf man Personen zumuten, die in der Öffentlichkeit stehen?

ANTHEA ist eine Wiener Singer-Songwriterin und seit rund zwei Jahren in der österreichischen Musikbranche tätig. Zuvor war sie als bildende Künstlerin aktiv, jetzt kreiert sie audiovisuelle Kunstwerke und Hyper Pop, eine „post-pandemische” Musikrichtung, die vor allem durch Charli XCX international Bekanntheit erlangt hat. Zuletzt wurde ANTHEA Anfang des Jahres für den Amadeus FM4 Award nominiert. Dass Doja Cat wirklich bald von den großen Pop-Bühnen der Welt verschwinden wird, glaubt die Wienerin nicht: „Ich weiß nicht, ob man es schafft, das durchzuziehen, wenn man so eine Passion für etwas hat. Es könnte alles passieren und ich könnte meine Musik trotzdem nicht loslassen, weil sie für mich so ein wichtiges Mittel ist, um mich auszudrücken.” 

Muss man für das Musikbusiness gemacht sein?

Zu einem gewissen Grad ja, sagt ANTHEA. „Es ist auf jeden Fall schwierig, im öffentlichen Raum zu stehen und die ganze Zeit mit Argumenten von außen zu kämpfen, egal ob negativ oder positiv. Es kommt einfach immer ungefragt Feedback zu deinem Charakter, deiner Musik und deinen Werten.” Cancel Culture, Psychohygiene, die Anonymität des Internets - all das sind Dinge, mit denen junge Popstars zu kämpfen haben, die auf Social Media aktiv sind. Eine Anleitung, wie man das handelt, gäbe es per se nicht: „Es ist viel harte Arbeit und Therapie, die da drinnen steckt”, sagt Anthea und lacht. Wichtig sei, dass man sich eine dicke Haut zulege und versuche, Grenzen zu setzen. Der direkte Austausch mit den eigenen Follower:innen, den Twitter & Co ermöglichen, verlange Künstler:innen ein gutes Gespür dafür ab, „wen man an sich heranlässt und mit wem man sich auseinandersetzt.”

Absurde Fan-Reaktion

Parasoziale Beziehungen nennen sich die Online-Interaktionen von Fans und ihren Stars, die wie im Falle von Doja Cat auf Twitter außer Kontrolle geraten sind - als Staatsfeindin Nummer Eins beschimpfte man sie wegen eines abgesagten Konzertes. Eine absurde Reaktion, findet auch ANTHEA. „Ich finde es furchtbar, dass sie für so etwas geshamed wird. Es war ja nicht ihre Schuld, dass ihr Auftritt gecancelt wurde. Aber, dass einen Fan so etwas auch so verletzen kann, ist schon verwunderlich. Wir reden hier ja nicht von einem großen Skandal. Also ich verstehe, warum sie genervt ist und ich finde es ist eigentlich ziemlich unfair von den Fans.”

Anstoß für Mental Health-Debatte im Musikbusiness

Trotz allem hat Doja Cats emotionale Reaktion auf Twitter etwas Gutes: Sie liefert den Anstoß für eine großflächige Diskussion darüber, wie Mental Health in der Musikbranche gehandhabt wird. „Ich denke schon, dass es von Jahr zu Jahr besser wird”, sagt ANTHEA. „Man muss sich nicht mehr schämen dafür, wenn es einem schlecht geht. Immer mehr Künstler:innen sagen offen, dass sie Therapie machen oder weinen und zeigen Verletzlichkeit in Interviews. Ich finde das super schön, dass sie ihre Menschlichkeit zeigen können.” Menschlichkeit - das ist es wahrscheinlich, was sich Doja Cat in ihrem Streitgespräch mit paraguayischen Fans gewünscht hätte. 

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