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2022 wünsche ich mir von der Politik viel mehr Langeweile

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Von: Johannes Pressler

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Links im Bild der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer, rechts der US-Präsident Joe Biden.
Was ich mir von Karl Nehammer (links), Joe Biden & Co. im Jahr 2022 wünsche: mehr Langeweile. (Fotomontage) © Kupec Petr/CTK/Nicholas Kamm/AFP/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Was auf den ersten Blick vielleicht etwas komisch klingt, könnte uns in Wahrheit verdammt gut tun. Meine 2Cents zu mehr Langeweile in der Politik.

2021 war wild. Richtig, richtig wild. Ich erspare dir jetzt eine Liste aller Skandale, Affären oder Chat-Leaks, die es in Österreich im letzten Jahr gab, sonst würde ich 2025 noch daran schreiben. Nehmen wir nur den 20. Dezember als Beispiel. Da deckte die Wochenzeitung „Der Falter“ auf, dass der ehemalige Generalsekretär des Finanzministeriums, Thomas Schmid, den Investor Sigi Wolf von 630.000 Euro Steuerschuld befreit haben soll. Eine Affäre, die in vielen europäischen Ländern zu einer Sondersendung nach der anderen geführt hätte. In Österreich nur ein gemütlicher Montagabend. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt, für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Zwei Dinge, die du im letzten Jahr viel zu oft lesen musstest.

2021 war wild. So wild, dass sich solche Skandale wie der eben genannte nur mehr wie Randnotizen anfühlen. Im Sommer 2020 bezeichnete Ex-Kanzler und jetzt „Globales Strategie-Genie“ Sebastian Kurz die südlichen EU-Länder noch als „Staaten, die in ihren Systemen kaputt sind“. Nach drei österreichischen Bundeskanzlern in einem Jahr können Italien & Co. nun gerne fragen, welches Land tatsächlich kaputt ist. Doch genug über die Vergangenheit gejammert. Was ich mir von der Politik für das neue Jahr wünsche, ist etwas ganz Simples: Langeweile.

Immer weniger Vertrauen in die Politik: Es braucht Langeweile

Die Zahlen sprechen für sich: Das Vertrauen in die österreichische Politik befindet sich auf dem absteigenden Ast. Während laut Statista im Jahr 2020 noch 52 Prozent behaupteten, der Politik zu vertrauen, waren es 2021 nur mehr 37 Prozent. Also ein Drop von beachtlichen 15 Prozent. Fast ein Viertel der Befragten gab sogar an, „gar kein“ Vertrauen mehr in die Politik zu haben. Dieses Vertrauen zurückzugewinnen, das wird die schwierigste Aufgabe des seit rund einem Monat neuen Bundeskanzlers und ÖVP-Chefs Karl Nehammer.

Die ersten Wochen im Amt des Regierungschefs konnten sich durchaus blicken lassen. Im Vergleich zu seiner Zeit als Innenminister und Generalsekretär wählte Nehammer einen milderen Ton, bei manchen Punkten fiel er sogar besonders positiv auf. „Er wirkt ein bissl fad. Und die Leute wollen das auch“, analysierte Petra Stuiber von der Tageszeitung „Der Standard“ sehr treffend. Genau, nicht mehr Türkis ist das neue Schwarz. Vielmehr sollte eine gewisse Farblosigkeit das neue Schwarz werden.

Dazu reicht ein schneller Blick in die USA. Seit fast zwölf Monaten regiert dort der Demokrat Joe Biden. Ja, natürlich hat auch Biden in seinem ersten Jahr als Präsident einige Fehler gemacht. Insbesondere die Entscheidung, sich aus Afghanistan zurückzuziehen und das Zepter voll und ganz der terroristischen Taliban zu überlassen, war ein immenser außenpolitischer Fehltritt.

Doch zumindest ist Biden im Vergleich zu seinem Vorgänger, dessen Name ich hier nicht mehr erwähnen möchte, um einiges langweiliger. Und sind wir uns ehrlich: Bei all den schlimmen Nachrichten im letzten Jahr tat es zumindest gut, nicht jeden Tag mit einer Headline über einen verrückten Präsidenten mit einem roten Atombombenknopf in seinem Büro aufwachen zu müssen.

Meine große Bitte: Mehr Sachpolitik

Doch wie erreichen wir diese Langeweile? Dazu braucht es weniger Lärm und mehr Sachpolitik. So richtig staubtrockene Sachpolitik, dass selbst ein:e Politikstudierende:r beim Lesen der Zeitung in ein Schläfchen versinkt. Also liebe Politik, ich hätte da ein paar Ideen:

Das Christkind habe ich mit diesen Wünschen zwar verpasst, aber man darf ja noch träumen. Damit die Liste aller Skandale, Affären, Chat-Leaks und des ähnlichen im neuen Jahr nicht mehr ganz so lang ist und wir dafür mit folgendem Fazit auf das Politikjahr 2022 zurückblicken können: Hey, das war gut. Langweilig, aber gut.

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