1. BuzzFeed.at
  2. News

Der älteste Mensch der Welt ist 119 und Japanerin - das ist keine Überraschung

Erstellt:

Von: Helena Dimmel

Kommentare

Die 102-Jährige Kamada Nakazato zeigt in die Kamera
Über 100 Jahre alt werden muss man erst mal schaffen. © Imago/David McLain

Mit Hundert noch in der Hängematte liegen und in den Sonnenuntergang schauen - a Traum. Was für die meisten von uns wahrscheinlich ein unerreichbares Ziel bleiben wird, ist in Japan bereits für viele die Realität.

Happy Birthday! Schon seit 2019 ist Kane Tanaka der älteste Mensch der Welt, vor kurzem wurde sie 119 Jahre alt. Die in Fukuoka geborene Japanerin lebt mittlerweile in einem Pflegeheim. Sprechen kann sie zwar nicht mehr, aber dennoch kommuniziert sie durch Gesten mit dem Pflegepersonal.

Dass der älteste Mensch der Welt aus Japan kommt, ist wenig überraschend - denn die traditionelle, japanische Lebensweise hat viele Aspekte, die gesundheitlich wertvoll sind (und von denen sich die westlichen Industriestaaten gerne auch mal was abschauen könnten). Während du jetzt herzhaft in deine Leberkäsesemmel beißt und das ganze genüsslich mit einem Cola runterspülst, haben wir ein bisschen für dich recherchiert, wie das mit dem 100 Jahre alt werden in Japan geht.

Die Insel der ältesten Menschen der Welt

Die japanische Gesellschaft gehört zu den ältesten der Welt. So haben Japaner:innen zum Beispiel die höchste Lebenserwartung unter den G7-Staaten. Viele Faktoren sollen zur Langlebigkeit im Land der aufgehenden Sonne beitragen, unter anderem die Ernährung und die japanische Kultur, insbesondere aber auch der Zen-Buddhismus. Auf jeden Fall gibt es in Japan eine ganze Publishing-Industrie, die sich mit dem Vertreiben von stolzen Selbsthilfebüchern beschäftigt, welche den heimischen Lebensstil in den höchsten Tönen loben und ihn gekonnt vom Westen abzugrenzen wissen.

Die höhere Lebenserwartung der Japaner:innen ist allerdings tatsächlich darauf zurückzuführen, dass es weniger Todesfälle durch Herzkrankheiten, Herzinfarkte und Krebs gibt. Erklärt wird das unter anderem dadurch, dass Japan eine sehr geringe Fettleibigkeitsrate aufweist.

Traditionell wird außerdem wenig rotes Fleisch, dafür aber umso mehr Fisch und pflanzliche Lebensmittel gegessen. Stress dürfte natürlich ebenfalls einen Beitrag zur Sterblichkeit leisten. Ob der Zen-Buddhismus oder die traditionell „bedächtigen“ Kulturkünste wie die Teezeremonie einen Einfluss haben, hängt wohl aber eher vom Individuum ab.

Okinawa, das Paradies der Hundertjährigen

Auf Okinawa werden die Menschen jedenfalls besonders alt. Dreimal so viele Hundertjährige wie auf dem Festland soll es dort geben. Die Inselgruppe südlich der japanischen Hauptinseln grenzt an Taiwan und hat ein subtropisches Klima (was bedeutet, dass die Temperaturen selten unter 15 Grad fallen). Sie wird auch als das japanische Hawaii bezeichnet. Ogimi, ein okinawaianischer Ort mit rund 3000 Einwohner:innen, ist auch bekannt als das „Dorf der Hundertjährigen“. Mit der „Okinawa Diät“ wurde eine Ernährungsform bekannt, die sich nach dem Essverhalten der Bewohner:innen richtet: Gemüse, Obst, Algen, frischer Fisch, Reis und viele Sojaprodukte stehen auf dem Speiseplan.

Aber auch was die Lebensqualität im Allgemeinen anbelangt, wird den Bewohner:innen von Okinawa oft Weisheit und Glückseligkeit zugesprochen. „Ikigai“ heißt die Lehre, die in Europa und den USA oft als „japanisches Geheimnis für ein glückliches und langes Leben“ vermarktet wird. Auch sie kommt aus Okinawa und kann als „Sinn des Lebens“ übersetzt werden. Im Wesentlichen wird die Formel des Glücks daran festgemacht, dass man etwas tut, das man kann, das die Welt braucht, das man liebt und für das man bezahlt werden kann. Viele Kulturwissenschafter:innen bemängeln allerdings, dass es verschiedene Auslegungen von „Ikigai“ gibt.

Regionale und sozioökonomische Unterschiede sind relevant

Explizit gilt es allerdings anzumerken, dass es den „japanischen“ Lebensstil als solchen natürlich nicht gibt. Auch in Japan schießt die Zahl der kontemporären Erkrankungen des 21. Jahrhunderts nach oben. Depressionen, Angststörungen, Bewegungsmangel, zu viel Fleischgenuss und Burn-Out sind nur einige der Probleme, mit denen das japanische Gesundheitssystem konfrontiert ist. Und natürlich schaut der Alltag von einem 60 Stunden in hautengem Anzug arbeitenden Business-Man in Tokyo anders aus als der einer Bio-Bäuerin in den Bergen von Kyoto. Von der okinawaianischen Lebensweise kann man jedenfalls viel lernen, wenn man 100 Jahre alt werden will - und auf einer subtropischen Insel zu wohnen schadet wahrscheinlich auch nicht.

Auch interessant

Kommentare