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Affenpocken bei Kindern - das sollten Eltern jetzt wissen

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Schulkinder mit Schulrucksäcken auf dem Weg zur Schule.
Ansteckungsgefahr mit Affenpocken im neuen Schuljahr? © Peter Kneffel / dpa / picture alliance

Da bald die Schule wieder losgeht, stellt sich die Frage, wie es mit der Ansteckungsgefahr von Affenpocken für Kinder aussieht.

Da die Zahl der Menschen mit Affenpocken weiter zunimmt, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor kurzem die Affenpocken zu einem internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Sorge besteht besonders um Menschen, die ein hohes Risiko auf einen schweren Verlauf haben - darunter Kinder, Schwangere und immungeschwächte Personen.

Doch trotz dieser Neuigkeiten, betonen Expert:innen des öffentlichen Gesundheitswesens immer wieder, dass die überwiegende Mehrheit der Infektionen nach wie vor bei Männern auftritt, die Sex mit Männern haben.  Zumindest im Moment sagen sie, dass diese Menschen mehr Aufmerksamkeit und Zugang zu Impfstoffen und Tests benötigen.

Von den beiden Kindern mit Affenpocken, die vom Centers for Disease Control and Prevention (CDC, Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums) gemeldet wurden, ist eines ein Kleinkind in Kalifornien, und das andere ein Säugling aus Großbritannien, das für einen Besuch mit in die USA genommen wurde und derzeit in Washington DC behandelt wird. Beide werden mit dem Medikament TPOXX (Tecovirimat) behandelt, das derzeit nur über eine Sondergenehmigung erhältlich ist.

Menschen auf Twitter machen sich Sorgen um das neue Schuljahr

Da der Sommer fast vorbei ist und die Schule bald wieder beginnt, machen sich die Menschen, die sich auf Twitter über die Affenpocken austauschen, Gedanken.

Eltern und Lehrer:innen sind besorgt darüber, wie sicher es ist, wieder zur Schule zu gehen. Andere befürchten, dass ein großflächiger pädiatrischer Ausbruch eine ausgewachsene Pandemie auslösen oder zu Personalengpässen führen könnte. Und am häufigsten wird die Sorge hinsichtlich der LGBTQIA+-Community geäußert, dass sie dem Risiko einer weiteren gesellschaftlichen Ächtung aussetzt werden, wenn Behörden andauernd den Fokus auf queere Männer lenken. Insbesondere diejenigen, die mit Kindern arbeiten, können davon benachteiligt sein.

Laut Jennifer McQuiston, die bei der CDC für die Bekämpfung der Affenpocken zuständig ist, untersuchen die Expert:innen alle Möglichkeiten, wie sich das Virus verbreiten könnte, einschließlich Schulen, Kindertagesstätten und Ferienlager. Auf der Grundlage der bisher gesammelten Daten glaubt McQuiston jedoch nicht, dass Schulen potenzielle Affenpocken-Hotspots werden können.„Darüber machen wir uns keine großen Sorgen“, sagt sie. „Gelegentlich kommt es zu Übertragungen in der Familie, aber es gibt keine Anzeichen für eine Ausbreitung unter Kindern“.

Zahlen zu Affenpocken-Fälle weltweit

Bei dem derzeitigen weltweiten Ausbruch der Affenpocken wurden bis zum 28. Juli 2022 21.148 Fälle aus 78 Ländern gemeldet, darunter 20.804 Fälle in 71 Ländern, in denen die Krankheit in der Vergangenheit normalerweise nicht beobachtet wurde. Davon sind 4907 Fälle aus den USA – mehr als doppelt so viele wie noch vor einer Woche. Die ersten pädiatrischen Fälle, die in den USA gemeldet wurden, sind nicht die ersten dieses Ausbruchs. Nach Angaben der WHO sind bisher weltweit 84 Kinder unter 18 Jahren (davon 24 unter 5 Jahren) betroffen. Auch in Großbritannien und in Spanien gibt es Fälle. Sechs Erwachsenen sind bereits gestorben, drei davon aus Nigeria, zwei in der Zentralafrikanischen Republik und einer aus Brasilien.

Im Folgenden geht es nun um Affenpocken bei Kindern, wie die Krankheit Zuhause übertragen werden kann, wie die Familie geschützt werden kann und was die Schulen tun, um die Kinder zu schützen.

Sind Affenpocken gefährlich für Kinder?

Man geht zwar davon aus, dass Kinder schwerer an Affenpocken erkranken können als Erwachsene. Diese Annahmen beruhen jedoch hauptsächlich auf einem gefährlicheren Typ des Virus und nicht dem, der sich derzeit in den USA und anderen Ländern verbreitet. Die ersten beiden von der CDC gemeldeten pädiatrischen Fälle in den USA sollen relativ mild verlaufen sein. Die CDC hat klinische Leitlinien veröffentlicht, die Ärzt:innen bei der Erkennung und Behandlung von Affenpocken bei Kindern helfen sollen. Darin heißt es, dass Kinder unter acht Jahren schwerere Symptome haben können, ebenso wie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder mit bestimmten Hautkrankheiten wie Ekzemen, Verbrennungen oder schwerer Akne. Aber auch diese Informationen beziehen sich auf die gefährlichere Variante des Virus. Von der Variante, die sich derzeit weltweit ausbreitet, liegen nur begrenzte Daten vor, die allerdings gerade zusammengetragen werden.

„Die erkrankten Kinder in den Vereinigten Staaten, von denen wir wissen, waren zwar krank, aber nicht schwer krank, und es scheint ihnen gutzugehen. Ich denke und hoffe, dass die Zahl der Fälle bei Kindern niedrig bleiben wird“, sagt McQuiston. Bei Kindern sind die häufigsten Symptome der Affenpocken im Wesentlichen die gleichen wie bei Erwachsenen – sie umfassen Fieber, Kopfschmerzen, Muskelkater und Unwohlsein, gefolgt von einem Ausschlag, der sich zu pockenartigen Läsionen entwickelt, die wie Pickel oder Blasen aussehen können. Es kann auch zu Läsionen im Mund kommen, die mit einem Mundgeschwür verwechselt werden könnten.

Gibt es Behandlungsmöglichkeiten für Affenpocken bei Kindern?

Es gibt zwar Medikamente und Impfstoffe für Kinder, die an Affenpocken erkrankt oder ihnen ausgesetzt sind, aber es kann schwierig sein, an sie ranzukommen. Sowohl das Baby als auch das Kleinkind, die in den USA positiv auf das Virus getestet wurden, haben den Wirkstoff TPOXX bekommen, um das Risiko einer schweren Erkrankung zu mindern. Das Medikament ist in den USA derzeit nur über eine spezielle Sondergenehmigung erhältlich. Der oder die Patient:in muss diese beantragen und eine Reihe von Arztbesuchen und Gesundheitsuntersuchungen absolvieren.

Bestehende Impfstoffe gegen Pocken (Affenpocken gehören zur gleichen Familie) haben sich bei der Verhinderung der Übertragung als mindestens 85% wirksam erwiesen. Sie können auch zur Linderung der Symptome des Virus beitragen, wenn sie nach dem Kontakt verabreicht werden – idealerweise innerhalb von vier Tagen. Die Vorräte des bevorzugten Jynneos-Impfstoffs sind in den USA nach wie vor begrenzt, aber es werden vorrangig Personen behandelt, die Affenpocken ausgesetzt waren (inklusive Kinder).

Einige Aktivist:innen sind der Meinung, dass Kinder vor den Affenpocken nicht ausreichend geschützt werden, wenn erst bei Ansteckungsgefahr reagiert wird. Zu ihnen gehört Fatima Khan, Mitbegründerin von „Protect Their Future“, einer Organisation, die sich dafür einsetzt, dass Kinder in der öffentlichen Gesundheitspolitik der USA Vorrang haben. Die Organisation führte auch den Kampf um die Zulassung von Corona-Impfstoffen für Kinder unter fünf Jahren an. Am 28. Juli 2022 veröffentlichte sie eine Erklärung, in der sie die Behörden aufforderte, Kinder und schwangere Menschen bei den Affenpocken zu priorisieren. „Wir müssen sicherstellen, dass die Kinder nicht schon wieder hinten angestellt werden“, sagte Khan. „Die amerikanische Regierung muss sofort einen Plan vorlegen, wie sie es möglich machen will, Kindern eine Möglichkeit zu Impfung mit dem Jynneos-Impfstoff zu verschaffen.“

Was müssen schwangere Frauen über Affenpocken wissen?

McQuiston sagt, dass die CDC „eine Menge Bedenken“ in Bezug auf Affenpocken in Verbindung mit Schwangerschaft habe, insbesondere zum Zeitpunkt der Entbindung. Schwangere sollten zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um sich vor Affenpocken zu schützen, vor allem, wenn sie kurz vor ihrem Geburtstermin stehen. „Wir haben Bedenken, dass es zu ziemlich schweren Verläufen kommen könnte“, sagt sie.

Die WHO warnt davor, dass Affenpocken während der Schwangerschaft zu einer Ansteckung des Fötus mit dem Virus oder im schlimmsten Fall zu einer Totgeburt führen können. Eine 2017 im Journal of Infectious Diseases veröffentlichte Studie mit vier schwangeren Frauen, die an Affenpocken erkrankt waren, ergab, dass bei einer ein gesundes Kind zur Welt kam, bei zwei Frauen kam es zu frühen Fehlgeburten und bei einer zu einer Totgeburt. Glücklicherweise scheint es dem kürzlich in den USA geborenen Kind einer Affenpocken-positiven Mutter bisher gutzugehen. „Im Moment scheint das Kind gesund zu sein“, sagt McQuiston.

Können Affenpocken in Schulen übertragen werden?

Expert:innen gehen davon aus, dass sich die Affenpocken eher zu Hause als in der Schule verbreiten. Daher sollte jede Person, die das Virus in ihrem Haushalt vermutet, Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Bei der Untersuchung möglicher Übertragungswege konzentriert sich die CDC weiterhin auf längeren und persönlichen Kontakt, wie er bei Familien, die zusammen leben, üblich ist. Die bisher von der CDC bestätigten pädiatrischen Fälle in den USA wurden von einem Familienmitglied übertragen, das im selben Haushalt lebt.

„Wir wissen, dass sich Affenpocken durch engen Kontakt, also durch Kuscheln, Küssen und das gemeinsame Benutzen von Dingen verbreiten können“, sagt McQuiston. „Deshalb empfehlen wir, dass Personen, bei denen Affenpocken diagnostiziert wurden und die mit anderen Menschen zusammenleben, sich isolieren sollten.“

Jedem Menschen, der glaubt an Affenpocken erkrankt zu sein, wird geraten, engen Kontakt mit anderen zu vermeiden -– insbesondere mit Kindern. Wenn wie im Falle der Kinderbetreuung der Kontakt unvermeidlich ist, rät die CDC, dass die betreuenden Familienmitglieder Handschuhe und Masken tragen. In einem Haushalt mit einem mutmaßlichen Fall von Affenpocken empfiehlt die Behörde das Tragen von Masken für alle Personen über zwei Jahren.

Was tun die Schulen, um sich auf Affenpocken vorzubereiten?

Auch wenn die Gesundheitsbehörden sagen, dass Schulen nicht das Hauptproblem für die Verbreitung von Affenpocken sind, wird sich in Amerika auf die Möglichkeit vorbereitet. Während die Sommerhitze nachlässt und die Schule wieder beginnt, befürchtet Khan von Protect Their Future, dass Kinder zu den Hauptüberträger:innen dieser Krankheit werden. „Sobald sich die Affenpocken in Schulen und Kindertagesstätten ausbreiten, könnten die Auswirkungen verheerend sein“, sagt sie.

Das New York City Department of Education ist der größte Schulbezirk der USA mit über einer Million Schüler:innenn in 1851 Schulen, verteilt auf die fünf Stadtbezirke New Yorks. Die meisten von ihnen werden am 13. September wieder öffnen. Kaliris Salas-Ramirez gehört zu dem Gremium für Bildungspolitik des Ministeriums, das sich aus 15 Mitgliedern zusammensetzt. Diese werden vom Bürgermeister und den fünf gewählten Bezirksvorsitzenden der Stadt ernannt. Salas-Ramirez ist der Meinung, dass das Gremium unbedingt darüber sprechen muss, wie man Kinder vor Affenpocken schützen kann.

„Wir brauchen einen Plan, denn wir befinden uns im Moment in einer Anstiegsphase, und wer weiß, wie die Situation im Herbst aussehen wird“, sagt sie. „Wir müssen damit beginnen, unsere Kinder über die Affenpocken aufzuklären und darüber, was sie tun müssen, um sich zu schützen.“

Schulverwaltungen müssen auf Affenpocken sensibilisiert werden

Salas-Ramirez, die auch Professorin an der medizinischen Fakultät der City University of New York ist, sagte, dass Corona den Kindern viel darüber beigebracht hat, wie sie sich und ihre Umgebung vor Viren schützen können. „Wir versuchen wir, die schulischen Verwaltungen daran zu erinnern, dass dies eine Lernmöglichkeit für Kinder ist“, sagt sie.

Aber sie rechnet mit einem harten Kampf. Mehr als 40 Kinder, die in New York City zur Schule gingen, starben an den Folgen einer Corona-Erkrankung. Trotz dieser Tatsache benötigte das Gremium länger als vier Monate, um ein Termin mit dem Gesundheitsamt der Stadt für das kommende Schuljahr zu bekommen. Dieses Treffen findet am 4. August statt und wird wahrscheinlich eine Diskussion über Affenpocken beinhalten. Salas-Ramirez hofft, dass das Gesundheitsamt ihre Bedenken anhören wird.

Erster Affenpocken-Fall bei einem Kind in New York könnte bevorstehen

„Ein Kind kann keine optimale Leistung erbringen, wenn es sich nicht wohlfühlt und nicht alle seine Bedürfnisse erfüllt werden, aber wir führen diese Gespräche immer einzeln“, sagt sie. „Wir sprechen nicht über ähnliche Situationen. Meine Sorge ist, dass wir die gleichen Fehler machen, die wir bei Covid-19 gemacht haben und die Gemeinden nicht miteinbeziehen.“

Auch Mark Levine, der Salas-Ramirez als Bezirkspräsident von Manhattan in das Gremium berufen hat, stimmt der Aussage zu, dass die Stadt auf alle Möglichkeiten vorbereitet sein muss. Levine glaubt, dass der erste pädiatrische Fall von Affenpocken in New York unmittelbar bevorstehen könnte. „Wir müssen uns auf die sehr reale Möglichkeit vorbereiten, dass ein Kind oder mehrere Kinder in New York City an Affenpocken erkranken werden“, sagte er.

Eine Ansteckung in Schulen wird für unwahrscheinlich gehalten

Auf die Frage nach möglichen Sicherheitsmaßnahmen für öffentliche Schulen im Zusammenhang mit den Affenpocken stimmte Levine der Gesundheitsbehörden zu, die eine solche Art der Virusverbreitung für unwahrscheinlich halten „Gesundheitsexpert:innen sagen, dass eine Übertragung auf Kinder eher Zuhause möglich und in Schulen weniger wahrscheinlich ist“, sagt er. „Ich habe bisher mit keinen Expert:innen gesprochen, die drastische Maßnahmen in Schulen fordern.“

Abgesehen von den so genannten drastischen Maßnahmen wäre Levine für eine Aufklärungskampagne über Affenpocken für alle, auch für Familien mit Kindern. Er würde auch dafür plädieren, Schulen als mögliche Testorte zu nutzen. „Ich denke, wir müssen die breite Öffentlichkeit verstärkt darüber aufklären, was Affenpocken sind und wie sie sich verbreiten“, sagte er. „Ich finde, Schulen sollten eine erste Anlaufstelle für eindeutige Informationen sein.“

„Ich bin besorgt, dass wir ein Stigma rund um die Affenpocken schaffen und implizieren“

Die öffentliche Berichterstattung konzentriert sich weiterhin auf queere Männer, auch wenn Fälle bei Kindern und Schwangeren bekannt werden. Salas-Ramirez befürchtet, dass viele diese Berichte nutzen werden, um ihre Vorurteile zu rechtfertigen (ein namhafter republikanischer Politiker hat die Gelegenheit bereits genutzt). Einige Familien ohne LGBTQIA+-Personen in ihrem Haushalt gehen auch davon aus, dass sie nicht anfällig für die Krankheit sind.

„Ich bin besorgt, dass wir ein Stigma rund um die Affenpocken schaffen und implizieren, dass nur schwule Männer dieses Virus bekommen können“, sagte Salas-Ramirez. „Diese Information kann auf eine potenziell gefährliche Art und Weise eingesetzt werden. Manche Berichte denken nicht wirklich über die gesundheitlichen Auswirkungen nach, die sich daraus für die Kinder ergeben können.

Autor ist Patrick Waechter. Der Artikel erschien am 29. Juli 2022 auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Lea Samira Maier.

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