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Immer mehr wollen sich von Impfungen befreien lassen, weil sie Allergien befürchten

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Von: Christian Kisler

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Montage: eine junge Frau schnäuzt sich in einer Wiese, ein Mädchen wird auf Allergien getestet
Immer mehr Menschen leiden im Frühling unter Allergien. Gegen die COVID-19-Impfung sind allergische Reaktionen aber sehr unwahrscheinlich. © GARO/Phanie/APA-PictureDesk/Bernd Friedel/Imago/BuzzFeed Austria

Kaum Regen, warmes Wetter: Beste Bedingungen für Pollen aller Art, die jede Menge Allergien auslösen können. Manche meinen, darin einen Vorwand für eine Impfbefreiung zu sehen.

Allergien gegen Birken-, Erlen- und Gräserpollen, im Volksmund Heuschnupfen genannt, sind wieder in aller Munde. Die Nasen laufen, die Augen tränen. In den Allergieambulanzen ist der Zustrom stetig, schließlich kann man auf so ziemlich alles allergisch sein. In den letzten Jahren haben immer mehr Menschen Überempfindlichkeiten entwickelt, durch Umwelteinflüsse und eingeschleppte Arten wie zum Beispiel Ragweed.

Was in der Pandemie durch die Maskenpflicht und die inzwischen wieder ausgesetzte Impfpflicht neu in den Allergieambulatorien ist: Anfragen wegen allergischer Reaktionen auf die Impfungen gegen COVID-19, zu Unverträglichkeiten aufgrund des Tragens von FFP2-Masken oder der Antigen-Teststäbchen. Wer wirklich Angst hat: die Wahrscheinlichkeit, eine tatsächlich schwere und potenziell tödliche allergische Reaktion auf die Impfung zu haben, steht bei sieben zu einer Million, ist also verschwindend gering.

Eine Immuntherapie zahlt sich gegen Allergien aus

Ein Besuch in einem Allergieambulatorium ist aber prinzipiell nicht verkehrt. Denn Nasensprays und Tabletten helfen vielleicht vorübergehend, lösen aber das Problem nich.. Deswegen kann man gegen Allergien etwa auf Gräser- und Birkenpollen, aber auch Insektenstiche eine Desensibilisierungskur, die sogenannte allergen-spezifische Immuntherapie (AIT) in Anspruch nehmen. Dabei werden außerhalb der Pollensaison Allergene injiziert, damit der Körper entsprechend darauf reagieren kann. Ähnlich wie bei einer Impfung also. Zwei Dinge sind Voraussetzung: 1. Man darf keine Angst vor Spritzen haben. 2. Man darf nicht Impfgegner:in sein. Schließlich bekommt man im Verlauf von ein paar Jahren nicht weniger als 30 „Impfungen“.

Bei mir, der ich selbst als Teenager in der Pollensaison sehr gelitten habe, hat das super geholfen. Diese Therapie hält zwar nicht ewig, aber für ein paar Jahrzehnte ist Ruhe im Frühling - das ist tatsächlich sehr, sehr leiwand und trägt ungemein zur Lebensqualität bei. Allerdings sollte man das in möglichst jungen Jahren machen, ab einem gewissen Alter bringt das wenig bis gar nichts. Auch heuer nehmen wieder einige Menschen das Angebot in Anspruch, allerdings immer noch weniger als vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie. Vor allem zu Beginn der Pandemie kam die AIT deutlich weniger zum Einsatz als davor.

Wegen der Pandemie gibt es weniger Injektionskuren gegen Allergien

„Die AIT ist jedoch die einzige Behandlungsform, die ursächlich wirkt und das Potenzial hat, die Entstehung weiterer Allergien oder Folgeerkrankungen wie Asthma zu verhindern“, erklärt Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) in einer Aussendung. Nur eine:r von zehn Ärzt:innen konnte die Kur wie gewohnt verabreichen, wie eine EU-weite Befragung von Mediziner:innen zeigt. Dabei gaben auch fast 60 Prozent an, dass sie gezwungen waren, den Beginn der Therapie auf einen Zeitpunkt nach der Pandemie zu verschieben - wann auch immer der sein mag.

„Inzwischen hat sich die Lage zwar gebessert, aber den entstandenen Rückstau spüren Behandler:nnen und Patient:nnen nach wie vor“, so Wolfram Hötzenecker, Vorstand der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Kepler Universitätsklinikum Linz und ÖGAI-Vizepräsident. „Allergiker:innen müssen deutlich länger als üblich auf Termine in spezialisierten Zentren warten. Dazu kommen die Ausfälle des Gesundheitspersonals durch die aktuelle hochansteckende Omikron-Variante.“

Allergiker:innen können die nächsten Tage durchschnaufen

Natürlich kann man so gut wie auf alles allergisch, im wahrsten Wortsinn überempfindlich reagieren. Heuschnupfen ist aber ungemein wahrscheinlicher als eine allergische Impfreaktion - nicht zu verwechseln mit Nebenwirkungen übrigens. Wer jedenfalls unter Gräserpollen und anderem Zeug leidet, das durch die Luft wirbelt, kann die nächsten Tage ein bisschen durchschnaufen. Nachdem der März bis jetzt viel zu trocken gewesen ist, gibt es zum Monatsende endlich den lange ersehnten Niederschlag. Dadurch wird der Flug der Pollen eingebremst, auch wenn es dann ab nächster Woche mit der Birke wieder zwei Wochen lang weiter gehen wird. Zumindest ist der vorübergehende Wintereinbruch für irgendetwas gut.

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