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Amazon feuert vier Mitarbeiter, weil sie eine Gewerkschaft gründen wollten

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US-Mitarbeiter von Amazon
US-Mitarbeiter von Amazon wollten eine Gewerkschaft gründen (Symbolbild). © IMAGO/Martin Wagner

Vier ehemalige Mitarbeiter:innen von Amazon wurde angeblich unrechtmäßig gekündigt, weil sie gegen Arbeitsbedingungen protestierten.

Laut unabhängiger Arbeitergemeinschaft Amazonians United feuerte Amazon vier Angestellte, die bei einer Liefer-Station in Queens „eine Arbeitsorganisation unterstützten“ unrechtmäßig. Das geht aus einer Anzeige des National Labor Relations Board von vergangener Woche (11. bis 15. April 2022) hervor, in die nun auf Anfrage öffentlicher Einblick gewährt wurde. Die vier Mitarbeiter:innen, deren Namen im Dokument geschwärzt sind, wurden laut der Arbeitergemeinschaft aufgrund von „Protestbedingungen und Vorschriften der Beschäftigung“ gekündigt, um „von gewerkschaftlichen Aktivitäten abzuschrecken“.Auf eine Anfrage für eine Stellungnahme hat Amazon bis jetzt nicht reagiert.

Im März verließen Mitarbeiter:innen der „Woodside“- und „Long Island City“-Lieferstationen geschlossen ihren Arbeitsplatz, um für drei Dollar pro Stunde mehr und Pausen zu protestieren, wie Vice berichtete. Bereits im Dezember brachten Angestellte in mehreren Lagerhäusern eine Petition in Umlauf, die mehr Sicherheit am Arbeitsplatz forderte. Zuvor waren sechs Mitarbeitende des Konzerns bei einem Tornado in Kentucky ums Leben gekommen. Auch ein Anwalt der Amazonians United bezog, trotz Anfrage, bislang keine Stellung.

Gewerkschaften bei Amazon: Internet-Riese erhob Einwand

Die neue Anklage, eingereicht am 14. April 2022, wird von einer Basisgewerkschaft erhoben. Diese Gewerkschaft übt gemeinschaftlichen Druck auf einen Konzern aus, um Arbeitsbedingungen zu verbessern. Offizielle Gewerkschaftswahlen oder Vertragsverhandlungen gibt es dabei nicht. In vergangenen Jahren hatten Untergruppen von Amazonians United Änderungen der Arbeitsbedingungen in Sacramento und Gehaltserhöhungen in Chicago erreicht.

Frühere Anzeigen wegen unlauterer Betriebspraktiken, die Arbeiter:innen aus Queens und Amazonians United-Vorstand Jonathan Bailey erhoben hatten, sorgten dafür, dass das Arbeitsamt eine Beschwerde einreichte und Amazon dazu verpflichtete, ein Leitsystem für Arbeitsrechte zu implementieren. Immer schneller, immer billiger.

Die aktuelle Anklage folgt auf den Erfolg einer weiteren, unabhängigen Arbeitnden-Gruppe namens Amazon Labor Union. Diese hatte vergangenen Monat eine Gewerkschaftswahl in einem Lagerhaus in Staten Island gewonnen. Der Internet-Riese Amazon erhob Einwand gegen die Ergebnisse dieser Wahl, was nun vom National Labor Relations Board geprüft wird. An einem weiteren Standort in Staten Island versammelte die Amazon Labor Union ebenfalls Arbeiter:innen unter sich, wobei eine Wahl für Montag (25. April 2022) geplant ist.

Amazon verliert vor Gericht immer wieder gegen Gewerkschaften

Zu Beginn dieser Woche urteilte ein:e Richter:in, dass Amazon dem Mitarbeiter Gerald Brysoon im Frühling 2020 unrechtmäßig gekündigt hatte und forderte den Konzern auf, den Mann wieder am Standort in Staten Island anzustellen. Gerald Brysoon hatte sich erst vor kurzem gewerkschaftlich organisiert. Der Konzern hatte schon mehrere Anklagen wegen Rache-Kündigungen durch Vergleiche geregelt, unter anderem mit zwei Techniker:innen aus Seattle und einem Lagerhaus-Mitarbeitenden aus Pennsylvania.

Das Labor Board schaut sich auch die Ergebnisse einer Gewerkschaftswahl in Bessemer, Alabama an. Die Anzahl der angefochtenen Stimmzettel einer Wahl im März 2022 könnten eventuell Amazons Sieg gegen die Retail, Wholesale und Department Store Gewerkschaft kippen.

Gewerkschaften bei Amazon: Was Amazon macht, ist eigentlich illegal

Weil sich auch Starbucks Mitarbeiter überall in den USA zu Gewerkschaften zusammenschließen, sagten einige Expert:innen voraus, dass der Sieg der Amazon Labor Union in Staten Island den gleichen Effekt auf die Organisationsversuche an verschiedenen Amazon-Standorten haben wird. Ein Mittel, das Amazon und andere Arbeitgeber nutzen, um Arbeitnehmer von Gewerkschaftsbildungen abzuschrecken, nennt sich „capitve audience meetings“ oder Zwangsversammlungen. Diese Taktik ist laut Jennifer Abruzzo, Leiterin der Rechtsabteilung des Labor Boards, in den USA sogar illegal.

Amazonians United, die Gruppe, die die Anklage in Queens vorbrachte, vermeidet Gewerkschafts-Wahlen. Sie argumentieren: Jede Gruppe Arbeitnehmer:innen, die zusammenarbeiten, um ihren Arbeitsplatz zu verbessern, sei eine Gewerkschaft.
Das National Labour Relations Board wird die Anklage von Amazonians United überprüfen und feststellen, ob die Vorwürfe begründet sind.

Neben schlechter Arbeitsbedingungen geriet Amazon auch immer wieder aufgrund von Umweltthematiken in Kritik.

Autorin ist Caroline O‘Donovan. Der Artikel erschien am 22. April 2022 auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Friederike Hilz.

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