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„Um von der Schule zu fliegen“ – Übergriffiger TikTok-Prank „Arschbohrer“ verbreitet sich unter Kindern

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Von: Felicitas Breschendorf

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TikTok Screenshots
Auf TikTok pranken sich Jugendlichen gegenseitig mit dem „Arschbohrer“. © TikTok/ Screenshot/ @2themoon55

Auf TikTok stecken sich Jugendliche als Prank ihren Finger in den Po. Der „Arschbohrer“ verbreitet sich jetzt auch an Grundschulen.

An Grundschulen verbreitet sich ein übergriffiger Prank: Ein Kind steckt durch die Kleider hindurch einem anderen unbemerkt einen Stift oder Finger in den Po. Der Prank nennt sich „Arschbohrer“ oder auch „Bohrer“. Online kursiert der Prank auch als gefährlicher TikTok-Trend.

Die Welt berichtet von Berliner Grundschulen, an denen Lehrkräfte den Prank mitbekamen. Sie informierten daraufhin die Eltern. Diese haben laut Welt irritiert auf den Prank reagiert, der mitunter demütigend für das geprankte Kind sei. Auch klicksafe erreichten Berichte, dass sich unter Kindern und Jugendlichen der „Arschbohrer“ verbreite. Die EU-Initiative, die sich für mehr Sicherheit im Netz einsetzt, warnt vor dem Prank.

An einer Berliner Schule gibt es den „Arschbohrer“ geschlechterübergreifend

„Der Bohrer war in der Klasse allemal schon Gespräch und wurde im Klassenrat thematisiert“, sagt eine Mutter, deren Kind eine Evangelische Schule in Berlin-Mitte besucht, gegenüber der Welt. „Das alles findet auf dem Schulhof statt, wo es natürlich nicht immer die wachsamen Augen der Erzieher:innen und Lehrer:innen gibt.“ Der Prank finde geschlechterübergreifend statt.

Was können Lehrer:innen tun, wenn sie den „Arschbohrer“ in der Schule mitbekommen?

„Sollten Sie in der Klasse oder auf dem Pausenhof Schüler:innen bei diesen Übergriffen beobachten, sprechen Sie es umgehend an“, heißt es bei klicksafe. Das Kind sollte zudem aufgeklärt werden, dass es sich um einen körperlichen Übergriff und keinen Streich handele. Kinder, die Opfer der Angriffe geworden seien, sollen Hilfe von Vertrauenspersonen bekommen.

Was können Eltern tun?

Eltern sollten laut klicksafe über aktuelle Trends von Kindern und Jugendlichen, sowie Influencer:innen und Pranks informiert sein. Ihren Kindern sollten sie zudem beibringen, übergriffiges Verhalten zu erkennen. Aber auch, dass sie lernen, sich selbst Hilfe zu holen. „Bestärken Sie Kinder und Jugendliche darin, ‚Nein‘ zu sagen und dem Gruppendruck nicht nachzugeben“, heißt es bei klicksafe.

Ab wann sollten Kinder schon ein Smartphone bekommen? Hier antwortet eine Pädagogin.

Woher kommt eigentlich der „Arschbohrer“?

Lange vor TikTok spielte der „Arschbohrer“ in dem Anime Naruto eine Rolle: In dem Anime „Naruto“, der in Deutschland seit dem Jahr 2006 läuft, spielt der „Arschbohrer“ eine Rolle. In einer Szene der Serie verwendet der Charakter Kakashi diesen als einen witzig gemeinten Spezial-Angriff gegen den Protagonisten Naruto. Aber auch Montana Black, einer der bekanntesten Twitch-Streamer Deutschlands, kann laut klicksafe zu der Verbreitung des Arschbohrers beigetragen haben. In seinen Videos und Streams verwendet er den Begriff. Von ihm stammt zum Beispiel die Aussage „Arschbohrer kriegt jeder“.

Kinder machen den „Arschbohrer“ wegen TikTok-Videos nach

Auf TikTok und YouTube finden sich zahlreiche Videos über den „Arschbohrer“. „Ich gebe meiner Lehrerin einen ‚Arschbohrer‘, um von der Schule zu fliegen“, schreibt eine TikTokerin. Stattdessen sei sie einen Monat suspendiert worden. Meistens sind es aber Jugendliche, die andere Jugendliche damit pranken, ihnen einen Finger in den Po zu stecken. Die Videos heißen „Giving my cousins saftige Arschbohrer“ oder „diese eine Freundin, die mir immer Arschbohrer geben muss“. Der Kontext ist oft auch freundschaftlich.

Solche Videos können Kinder und Jugendliche laut klicksafe dazu inspirieren, den Prank nachzuahmen. Im Fall des „Arschbohrers“ führt das Nachmachen zu übergriffigem Verhalten. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Indiana verklagte TikTok unter anderem, weil die Plattform junge Menschen nicht vor unangemessenen Inhalten schützt.

TikTok-Videos verharmlosen „übergriffiges Verhalten als Satire“

klicksafe kritisiert die TikTok-Videos zum „Arschbohrer“. „Problematisch ist, dass übergriffiges Verhalten als Humor oder Satire verharmlost wird.“ Um das zu verhindern, fordert die Initiative mehr Aufklärung an Schulen: „Kinder und Jugendliche sollten darüber aufgeklärt werden, dass dies kein harmloser Scherz ist und sie die Grenzen Anderer nicht verletzen dürfen.“

Mit Sensibilisierungsschulungen in den Klassen könnten Kinder laut klicksafe lernen, ihre eigenen und fremde Grenzen kennenzulernen. Vielen Kindern und Jugendlichen sei außerdem nicht bewusst, dass das heimliche Filmen von Personen und Veröffentlichen der Videos nicht erlaubt sei und zu einer Anzeige bei der Polizei führen könne. Auch das könne Thema der Schulungen sein.

Auch TikTok-Videos zu anderen Trends können für Kinder gefährlich sein: Wegen der #blackoutchallenge kam es sogar zu Todesfällen.

Nicht in allen TikTok-Videos wird der „Arschbohrer“ als etwas Positives dargestellt: In einem Video sieht man zum Beispiel einen Jungen, der kurz davor zu sein scheint, einem anderen einen „Arschbohrer“ zu verpassen. Im nächsten Moment unterbricht er jedoch den Akt. Zusammen mit anderen Jungs, die aus der Toilette kommen, winkt er mit seinem Zeigefinger ab. Nach dem Motto: Lieber nicht!

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