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„Tradition ist keine Ausrede“: Blackfacing-Aussage von Laura Sachslehner empört die Black Community

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Von: Johannes Pressler

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Links im Bild die ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner, rechts Noomi Anyanwu, die Sprecherin des Black Voices Volksbegehrens.
ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner (links) und Noomi Anyanwu, Sprecherin des Black Voices Volksbegehren. (Fotomontage) © Garima Smesnik/Minitta Kandlbauer/BuzzFeed Austria

Für Laura Sachslehner sollte man aus der Debatte rund um das Gesichtsschwärzen „kein Politikum“ machen. Noomi Anyanwu vom Black Voices Volksbegehren hat ein ernsthaftes Problem damit.

Seit erst etwas mehr als einem Monat ist Laura Sachslehner neue Generalsekretärin der ÖVP. Das ist der Posten, den von 2018 bis 2020 der nunmehrige Bundeskanzler Karl Nehammer innehatte. Jetzt soll Sachslehner gemeinsam mit Bundesgeschäftsführer Alexander Pröll die internen Geschicke der Volkspartei leiten.

In den ersten Wochen seit der Ankündigung, dass Sachslehner neue ÖVP-Generalsekretärin werden würde, blieb es noch relativ ruhig um die Wienerin. Doch am Dienstag (11. Jänner) machte Sachslehner nun erstmals eine ordentliche Interview-Runde durch die österreichische Presse. Dabei sorgte die 27-Jährige mit einer bestimmten Aussage gleich für besonders viel Aufregung.

ÖVP-Generalsekretärin Sachslehner: Aus Blackfacing sollte man „kein Politikum“ machen

Im Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“ wurde Sachslehner gefragt, ob das Gesichtsschwärzen von Sternsinger:innen aus ihrer Sicht Blackfacing oder Tradition sei. Die ÖVP-Generalsekretärin antwortete: „Ich will aus der Frage kein Politikum machen. Das sind Kinder und Jugendliche, die einer Tradition nachgehen.“

Jemand, der mit dieser Aussage „viele Probleme“ hat, ist Noomi Anyanwu vom Black Voices Volksbegehren. „Gerade von einer jungen Generalsekretärin, die vor Kurzem erst diese Position erhalten hat, hätten sich viele mehr erwartet“, so Anyanwu zu BuzzFeed Austria, die als Sprecherin des ersten österreichischen Anti-Rassismus-Volksbegehrens fungiert.

Für Anyanwu, die Romanistik und Afrikawissenschaften studiert, sei Blackfacing immer eine politische Angelegenheit. „Das kann nicht nicht politisch sein“, sagt die 21-Jährige. Mit dem Argument, dass es eben nur Tradition wäre, würde man die Problematik, so wie bei vielen Rassismus-Debatten, nur auf die Seite schieben. Doch für Anyanwu ist klar: „Tradition ist keine Ausrede. Wenn Sachslehner Blackfacing als Tradition abspricht, dann nimmt sie Rassismus nicht ernst.“

Früher, aber auch heute noch: Warum Blackfacing so problematisch ist

Um zu verstehen, warum Blackfacing nicht als „Tradition“ abgetan werden sollte, muss man nur einen kurzen Blick in die Geschichte der USA werfen. Das Gesichtsschwärzen stammt nämlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert, als bei Theateraufführungen („Minstrel Shows“) Schwarze Figuren von weißen Schauspieler:innen verkörpert wurden. Dazu beschmierten sie ihr Gesicht mit schwarzer Schuhpaste.

Das besonders Problematische daran: Bei diesen Theaterstücken wurden die Schwarzen Charaktere immer als lächerlich dargestellt, man machte sich über sie lustig. In Österreich sieht man Blackfacing bei Faschingsfeiern und zu Halloween, aber vor allem bei den Sternsänger:innen im Winter, wo viele Kinder, die den dunkelhäutigen Melchior verkörpern, immer noch schwarze Farbe im Gesicht tragen.

„Die heutige Diskussion über Blackfacing kann man daher nicht von der Geschichte loslösen“, sagt uns Anyanwu vom Black Voices Volksbegehren, die sich mit ihrer Kampagne gegen das Blackfacing von Sternsinger:innen auch direkt an Bundespräsident Alexander Van der Bellen wendet.

Seit „Black Lives Matter“: Das erste Anti-Rassismus-Volksbegehren

Gegründet wurde das Black Voices Volksbegehren nach den österreichweiten „Black Lives Matter“-Demonstrationen im Sommer 2020. „Dabei setzen wir uns in verschiedenen Lebensbereichen wie beim Arbeitsmarkt und Bildung, aber auch bei Polizeigewalt für mehr Gleichberechtigung ein“, sagt Sprecherin Anyanwu. Zu den prominentesten Unterstützer:innen des Volksbegehrens gehören Tom Neuwirth alias Conchita alias WURST, die Influencerin DariaDaria, aber auch Musik-Acts wie Bilderbuch oder Meydo.

Das Ziel des Anti-Rassismus-Volksbegehrens, das sich für die Rechte aller People of Color einsetzt, sind 100.000 Unterschriften. Dann muss sich der österreichische Nationalrat mit den Forderungen des Volksbegehrens auseinandersetzen. „Derzeit liegen wir bei rund 30.000 Unterschriften“, sagt Anyanwu. Zeit, das Black Voices Volksbegehren zu unterschreiben, ist noch bis Anfang Mai 2022.

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