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Ukraine-Krieg: Gräueltaten in Butscha werden auf der ganzen Welt verurteilt

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Schwarze Leichensäcke liegen in einem Massengrab. In der ukrainischen Stadt Butscha, 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kiew, bietet sich nach dem Rückzug der russischen Armee ein Bild des Grauens.
In der ukrainischen Stadt Butscha hat sich ein Massengrab gebildet. © picture alliance/dpa/AP | Rodrigo Abd

Führende Politiker:innen in den USA und Europa fordern, dass alle, die Kriegsverbrechen begangen haben, vor Gericht gestellt werden.

Nach Berichten über ein angebliches Massengrab und Bilder, die Tötungen von Zivilpersonen in Butscha dokumentieren, einem Vorort von Kiew, verurteilten führende internationale Politiker:innen am Sonntag die russischen Streitkräfte.

Russische Truppen zogen sich in der vergangenen Woche nach wochenlanger Besetzung aus dem Gebiet bei Kiew zurück. Als die ukrainischen Soldat:innen die Kontrolle wiedererlangten, verbreiteten ukrainische Politiker:innen Bilder von Menschen, die mit auf dem Rücken gefesselten Händen erschossen wurden und inmitten von Trümmern auf der Straße in Butscha liegen. Auch Journalist:innen berichteten von Gräueltaten und veröffentlichten Fotos von getöteten Zivilpersonen.

„Unbeschreibliche“ Bilder von Gräueltaten aus Butscha

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba erklärte am Sonntag (3. April 2022) live auf Twitter, die Bilder aus Butscha seien „unbeschreiblich“ und verheerend für die Ukrainer:innen.

„Wir alle haben in den vergangenen Wochen seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion viele schreckliche Videos und Bilder gesehen, aber nichts ist mit dem zu vergleichen, was wir aus Butscha gesehen haben“, sagt Kuleba.

Die Bilder, die Kuleba auf Twitter teilte, zeigen blutige Leichen, von denen einige mit weißen Stoffresten auf dem Rücken gefesselt und deren Gesichter halb im Schmutz vergraben sind. Auf einem anderen Foto ist die Leiche einer Person zu sehen, die auf ihrem Fahrrad mitten auf der Straße umgestürzt ist.

Der Leichnam eines Zivilisten liegt neben seinem Fahrrad auf einer Straße in der Nähe von Kiew.
Fast 300 Zivilisten wurden entlang der Straße zwischen Zhytomyr und Kiew in der Nähe von Butscha getötet. © picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Press Wire | Mykhaylo Palinchak

Journalist:innen der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichteten, sie hätten die Leichen von mindestens 21 Menschen an verschiedenen Orten in der Umgebung von Butscha gesehen. Eine Gruppe von neun Personen, die alle Zivilkleidung trugen, lag an einem Ort verteilt, der nach Angaben von Anwohner:innen während der Besetzung von russischen Truppen als Stützpunkt genutzt worden war, so AP. Mindestens zwei von ihnen hatten die Hände auf dem Rücken gefesselt, einem von ihnen wurde in den Kopf geschossen, einer anderen Person waren die Beine gefesselt.

Ein CNN-Team am Ort des Massengrabs berichtete, dass die Menschen weinten, als sie am Sonntag versuchten, die Leichen ihrer Angehörigen auf dem Gelände der Kirche St. Andrew und Pyervozvannoho All Saints zu finden. Anwohner:innen erzählten CNN, dass die Leichen in den ersten Kriegstagen in das Grab geworfen wurden und dass sie glauben, dass Dutzende von Menschen, viele von ihnen Zivilpersonen, an diesem Ort begraben wurden.

Russland leugnet russische Kriegsverbrechen in Butscha

Die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Venediktova erklärte, dass im Rahmen von Ermittlungen zu Kriegsverbrechen 410 zivile Leichen aus Gebieten rund um Kiew geborgen wurden, die erst kürzlich von russischen Soldaten zurückerobert wurden.

Trotz der Fotos und mehrerer unabhängiger Berichte erklärte das russische Verteidigungsministerium auf Telegramm, es sei falsch, dass das russische Militär eine große Zahl von Zivilpersonen in Butscha getötet habe und dass während der Zeit, in der das Gebiet unter der Kontrolle der russischen Streitkräfte stand, kein:e einzig:e Anwohner:in Opfer von Gewalttaten geworden sei.

Russland versuchte, die Echtheit der Fotos in Zweifel zu ziehen und bezeichnete die Berichte als eine inszenierte Medienkampagne. Das russische Verteidigungsministerium deutete an, dass der Artilleriebeschuss der ukrainischen Streitkräfte nach dem Abzug der russischen Truppen zu Opfern unter der Zivilbevölkerung geführt haben könnte.

Der 70-jährige Konstyantyn steht rauchend auf einer Straße, die übersät ist von zerstörten russischen Panzern.
In Butscha bietet sich nach dem Rückzug der russischen Armee ein Bild des Grauens. © picture alliance/dpa/AP | Rodrigo Abd

US-Außenminister Antony Blinken sagte gegenüber CNN, die Bilder seien ein Schlag in die Magengrube.

„Das Wichtigste ist, dass wir uns nicht daran gewöhnen, wir können das nicht normalisieren“, sagte Blinken. „Das ist die Realität dessen, was jeden einzelnen Tag passiert, solange Russlands Brutalität gegen die Ukraine anhält. Deshalb muss das ein Ende haben.“

Human Rights Watch dokumentiert Kriegsverbrechen in der Ukraine

Die USA werden die mutmaßlichen Kriegsverbrechen untersuchen und dokumentieren, um sicherzustellen, dass die zuständigen Institutionen, einschließlich des Außenministeriums, über alle erforderlichen Informationen verfügen, so Blinken. „Es muss eine Rechenschaftspflicht geben“, sagte Blinken.

Zusätzlich zu den Ereignissen in Butscha veröffentlichte Human Rights Watch am Sonntag einen Bericht, der mehrere Fälle dokumentiert, in denen russische Streitkräfte zwischen dem 27. Februar und dem 14. März mutmaßliche Kriegsverbrechen gegen Zivilpersonen in der Ukraine begangen haben. Darunter war auch eine Hinrichtung im Schnellverfahren in Butscha.

Am 4. März trieben russische Soldat:innen in Butscha fünf Männer zusammen, zwangen sie, am Straßenrand zu knien, zogen ihnen die Hemden über den Kopf und schossen einem von ihnen in den Hinterkopf, so ein:e Zeug:in gegenüber Human Rights Watch.

Häufung von Menschenrechtsverletzungen im Ukraine-Krieg

Eine Frau berichtete der Organisation außerdem, dass ein russischer Soldat sie am 13. März in einer Schule in der Region Charkiw, wo sie und ihre Familie Zuflucht gefunden hatten, wiederholt vergewaltigt habe. Sie sagte, der Soldat habe sie geschlagen und ihr mit einem Messer ins Gesicht, in den Nacken und in die Haare geschnitten. Am nächsten Tag floh sie nach Charkiw, wo sie ärztliche Hilfe und andere Dienstleistungen in Anspruch nehmen konnte. Human Rights Watch prüfte zwei Fotos, die die Frau mitteilte und die ihre Gesichtsverletzungen zeigen.

Am 6. März warfen russische Soldat:innen in dem Dorf Worsel, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Kiew, eine Rauchgranate in einen Keller und erschossen dann eine Frau und einen 14-Jährigen, als sie aus ihrem Unterschlupf kamen, so der Bericht weiter. Ein Mann, der mit ihr nach dem Angriff Schutz suchte, sagte Human Rights Watch, dass die Frau zwei Tage später in demselben Keller an ihren Verletzungen starb. Der 14-Jährige sei sofort tot gewesen.

In dem Dorf Staryi Bykiv in der Region Tschernihiw haben die russischen Streitkräfte am 27. Februar mindestens sechs Männer festgenommen und später hingerichtet, wie die Mutter eines der Männer gegenüber Human Rights Watch erklärte. Sie war in der Nähe, als ihr Sohn und ein weiterer Mann festgenommen wurden und sah später die Leichen aller sechs Männer.

Eine Frau läuft inmitten zerstörter russischer Panzer in Butscha am Stadtrand von Kiew umher.
Eine Frau läuft inmitten zerstörter russischer Panzer in Butscha am Stadtrand von Kiew umher. © Rodrigo Abd / AP

Politiker:innen auf der ganzen Welt verurteilen Gräueltaten in Butscha

Führende Politiker:innen in Europa schlossen sich am Sonntag Blinken an und verurteilten die berichteten Kriegsverbrechen. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, sagte, sie sei entsetzt über die Berichte über unaussprechliche Gräueltaten in den Gebieten, aus denen sich Russland zurückzieht.

„Eine unabhängige Untersuchung ist dringend notwendig“, so Von der Leyen auf Twitter. „Die Täter von Kriegsverbrechen werden zur Rechenschaft gezogen.“

Bundeskanzler Olaf Scholz forderte ebenfalls eine Untersuchung der mutmaßlichen Kriegsverbrechen Russlands und sagte, die Täter:innen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Annalena Baerbock, die deutsche Außenministerin, sagte, die Bilder seien unerträglich und die Gewalt des russischen Präsidenten Wladimir Putin lösche unschuldige Familien aus und kenne keine Grenzen. Deutschland werde die Ukraine noch stärker bei ihrer Verteidigung unterstützen und die Sanktionen gegen Russland verschärfen.

„Die Verantwortlichen für diese Kriegsverbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, so Baerbock auf Twitter.

„Dies ist kein Schlachtfeld, sondern ein Tatort“ – Kaja Kallas über Massenmorde in Butscha

Die Premierministerin von Estland, Kaja Kallas, verglich die Tötung von Zivilpersonen in Butscha mit den Massenmorden der Sowjetunion und der Nazis. „Dies ist kein Schlachtfeld, sondern ein Tatort“, schrieb sie auf Twitter. „Massenmorde an ukrainischen Zivilpersonen durch #Russland sind klare Kriegsverbrechen“.

Boris Johnson will „Putins Kriegsmaschine aushungern“

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, sagte, Russlands abscheuliche Angriffe auf unschuldige Zivilpersonen in Butscha seien ein weiterer Beweis dafür, dass Putin und seine Armee in der Ukraine Kriegsverbrechen begingen.

„Keine Leugnung oder Desinformation seitens des Kremls kann verbergen, was wir alle als Wahrheit kennen - Putin ist verzweifelt, seine Invasion scheitert, und die Entschlossenheit der Ukraine war noch nie so stark“, so Johnson auf Twitter. „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um Putins Kriegsmaschinerie auszuhungern.“

Autor ist Adolfo Flores. Der Artikel erschien am 03. April 2022 auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Mine Hacibekiroglu.

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