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„Ich bin der verdammte Präsident“ – Trump soll bei Kapitolsturm Wutanfall gehabt haben, so Hutchinson

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Öffentliche Anhörung zu Kapitol-Attacke
Cassidy Hutchinson sagt vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses aus. © Andrew Harnik/AP Pool/dpa

Cassidy Hutchinson, Beraterin im Weißen Haus erhebt schwere Vorwürfe gegen Donald Trump. Er habe die Gefahr beim Kapitolsturm wissentlich in Kauf genommen.

In dem Wissen, dass sie bewaffnet und gefährlich waren, wollte sich Ex-Präsident Donald Trump seinen Anhänger:innen anschließen, als sie am 6. Januar 2021 auf das Kapitol zumarschierten. Als die Agent:innen des Secret Service ihn daran hinderten, soll er in einem Wutanfall versucht haben, das Lenkrad seiner Präsidentenlimousine zu greifen und einen Sicherheitsmitarbeiter zu attackieren, wie eine ehemalige Spitzenberaterin des Weißen Hauses am Dienstag, dem 28. Juni 2022, vor dem Kongress aussagte.

Cassidy Hutchinson, 25, arbeitete als Top-Assistentin des ehemaligen Stabschefs von Trump, Mark Meadows, und hatte einen Sitz in der ersten Reihe. So bekam sie mit, wie die Verwaltung vor, während und nach dem Angriff auf das Kapitol handelte. In einer brisanten vereidigten Aussage erinnerte sich Hutchinson daran, dass sie in der Nähe des Präsidenten war, als dieser sich darauf vorbereitete, vor Anhänger:innen in der Nähe der Ellipse eine Rede zu halten, bevor der Kongress Joe Bidens Wahlsieg für 2020 bestätigen sollte.

Auch diese Frau sagt bei der Anhörung zum Kapitolsturm aus. Sie ist Wahlhelferin und beschreibt, wie Trumps Lügen ihr Leben zerstörten.

Hutchinson zu Trumps Verhalten beim Kapitolsturm: „Es ist mir egal, dass sie Waffen haben“

Trump wäre wütend gewesen, dass die Menge vor den Kameras nur halb so voll aussah, sagte sie in einer zuvor aufgezeichneten Aussage. Einige seiner Anhänger:innen durften nicht durch die Magnetometer-Sicherheitskontrollen kommen, da sie bewaffnet waren. „Er war wütend, dass wir bewaffnete Leute nicht durch die Sicherheitskontrolle ließen“, so Hutchinson.

Als sie in einem Zelt in der Nähe des Präsidenten stand, sagte Hutchinson, sie habe Trump sagen hören: „Es ist mir egal, dass sie Waffen haben. Sie sind nicht hier, um mich zu verletzen. Nehmt die [verdammten] Mags weg. Lasst meine Leute rein. Sie können von hier aus zum Kapitol marschieren. Lasst die Leute rein. Nehmt die [verdammten] Mags weg.“ [Anm. der Red.: Mags = Magnet-Sicherheitskontrollen]

Nach ihren Aussagen, habe der damalige stellvertretende Stabschef Anthony Ornato ihr und Meadows am Morgen mitgeteilt, Trump darüber informiert zu haben, dass einige der Anhänger:innen, die sich an diesem Tag versammelten, bewaffnet waren. Trump sei von Anwält:innen davon abgeraten worden, in seiner Rede zu erwähnen, dass er ins Kapitol gehe, Mike Pence für die Überwachung der Wahlzertifizierung kritisiere oder die Menschen zum Kampf ermutige, sagte sie. Er habe es trotzdem getan. Oppositionsführer Kevin McCarthy rief sie während Trumps Rede an, wütend über seine Ankündigung, ins Kapitol zu gehen. „Kommen Sie nicht hierher“, habe McCarthy ihr angeblich gesagt und dann aufgelegt.

Szenen des sogenannten Kapitolsturms am 6. Januar 2021.
Szenen des sogenannten Kapitolsturms am 6. Januar 2021. © Joel Marklund/imago images

Laut Hutchinson seien Wutanfälle von Donald Trump keine Seltenheit gewesen

Als Hutchinson ins Weiße Haus zurückkehrte, traf sie auf Ornato, der sie zusammen mit Trumps Sicherheitschef Robert Engel in sein Büro mitgenommen und ihr erzählt haben soll, was in der „Bestie“, der Präsidentenlimousine, geschehen sei. Ornato berichtete, dass Trump, als die Agent:innen des Secret Service ihm sagten, dass es zu unsicher sei, zum Kapitol zu fahren, in einem Wutanfall „Ich bin der verdammte Präsident“ geschrien und nach dem Lenkrad gegriffen habe. „Mr. Trump stürzte sich dann mit seiner freien Hand auf Bobby Engel, und als Mr. Ornato mir diese Geschichte erzählte, deutete er auf seine Schlüsselbeine“, sagte Hutchinson. Sie sagte, Engel habe Ornato zugehört und nichts an seiner Geschichte korrigiert.

Sie beschrieb auch einen Vorfall vom Dezember 2020, bei dem Trump so wütend wurde, dass er sein Mittagessen gegen die Wand des Weißen Hauses warf. Der damalige Generalstaatsanwalt Bill Barr der Associated Press teilte ihm damals mit, dass das Justizministerium keine weit verbreiteten Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen festgestellt habe. Ein solcher Wutanfall sei nicht der einzige gewesen, sagte sie. „Während meiner Amtszeit mit dem Stabschef habe ich mehrmals erlebt, dass er entweder mit Geschirr geworfen oder das Tischtuch gezogen hat, sodass der gesamte Inhalt des Tisches auf den Boden fiel und wahrscheinlich zerbrach oder überall hinflog“, sagte Hutchinson.

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Sturm auf das Kapitol: Laut Hutchinson soll Donald Trump tatenlos zugesehen haben

Hutchinson war bereits eine zentrale Zeugin bei den Anhörungen hinter den Kulissen des Sonderausschusses zur Untersuchung des Anschlags auf das Kapitol der Vereinigten Staaten vom 6. Januar 2021. Einige Auszüge ihrer Aussage wurden bei den jüngsten öffentlichen Anhörungen vorgespielt. In einer aufgezeichneten Aussage schilderte sie, wie sechs Republikaner:innen des Repräsentantenhauses um pauschale Begnadigungen gebeten hatten, wie npr berichtete. Nach Angaben von Politico und CNN Politics, sagte sie auch aus, gesehen zu haben, wie Meadows nach einem Treffen in den Wochen nach dem Wahltag 2020 Dokumente verbrannte und Trump zustimmend auf Rufe von Kapitol-Randalierer:innen reagiert habe, die forderten, Vizepräsidenten Mike Pence zu hängen.

In weiteren Auszügen aus diesen Aussagen, die während der öffentlichen Anhörung am Dienstag gezeigt wurden, beschrieb Hutchinson, was im Weißen Haus vor sich ging, als die Randalierer:innen auf das Kapitol zustürmten. Einmal sei sie in das Büro von Meadows gegangen, um nachzusehen, was dort vor sich ging. Ihr Chef sei auf der Couch gesessen und habe auf seinem Handy herumgescrollt. „Ich erinnere mich nur daran, dass ich in diesem Moment dachte, Mark muss sich zusammenreißen, und ich weiß nicht, wie er sich zusammenreißen kann, aber er muss sich darum kümmern“, sagte Hutchinson.

Minuten später sei der Berater des Weißen Hauses, Pat Cipollone, „den Flur entlang gerannt“ und habe Meadows, gesagt, dass die Randalierer:innen das Kapitol erreicht hätten und dass sie mit dem Präsidenten sprechen müssten. Hutchinson sagte, Meadows habe geantwortet, der Präsident wolle „nichts tun“. „Pat sagte etwas in der Art von … ‚Mark, es muss etwas getan werden, oder Menschen werden sterben und das Blut wird an deinen verdammten Händen kleben‘“, berichtete Hutchinson. Die beiden Männer seien dann gegangen, um mit Trump zu sprechen.

Ein Bild des ehemaligen Präsidenten Donald Trump und seiner Familie wird während der dritten Anhörung des Sonderausschusses des Repräsentantenhauses zur Untersuchung des Angriffs auf das US-Kapitol vom 6. Januar im Cannon House Office Building am 16. Juni 2022 in Washington, DC gezeigt.
WASHINGTON, DC - 16. JUNI: Ein Bild des ehemaligen Präsidenten Donald Trump und seiner Familie wird während der dritten Anhörung des Sonderausschusses des Repräsentantenhauses zur Untersuchung des Angriffs auf das US-Kapitol vom 6. Januar im Cannon House Office Building am 16. Juni 2022 in Washington, DC gezeigt. © Pool via CNP /MediaPunch/IMAGO

Ex-Präsident Donald Trump bestreitet Hutchinsons Vorwürfe vehement

In einem anderen Ausschnitt aus einer Befragung sagte Hutchinson, dass Trump in einer Rede am 7. Januar die Begnadigung der Randalierer:innen erwähnen wollte. Die Anwält:innen des Weißen Hauses hätten ihn jedoch davon abgehalten. Hutchinson sagte auch aus, dass sowohl Meadows als auch Trumps damaliger persönlicher Anwalt Rudy Giuliani später Begnadigungen im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 6. Januar beantragt hätten.

In einer Reihe von Beiträgen im sozialen Netzwerk „Truth Social“, das Trump aufgebaut hatte, nachdem er wegen der Ereignisse vom 6. Januar von Twitter gesperrt worden war, bezeichnete Trump Hutchinsons Geschichte als „Fake“. Er sagte, er wisse kaum, wer sie sei. In ihrer Rede am Dienstag, dem 28. Juni, sagte Hutchinson, sie sei von den Ereignissen dieses Tages angewidert gewesen. „Ich erinnere mich, dass ich frustriert und enttäuscht war, und es fühlte sich wirklich persönlich an“, sagte sie. „Ich war wirklich traurig. Als Amerikanerin war ich angewidert. Es war unpatriotisch. Es war unamerikanisch. Wir sahen zu, wie das Kapitol wegen einer Lüge verunstaltet wurde.“ In einer Reaktion auf Twitter bezeichnete der ehemalige Stabschef von Trump, Mick Mulvaney, die Anhörung als „überwältigende zwei Stunden“.

„Das ist ein sehr, sehr schlechter Tag für Trump“, schrieb Mulvaney. Hutchinsons Auftritt bei der öffentlichen Anhörung am Dienstag war von Intrigen überschattet, da die überraschende Anhörung selbst erst 24 Stunden zuvor angekündigt wurde. Zuvor hatte der Ausschuss erklärt, er werde erst im Juli eine weitere öffentliche Anhörung abhalten. „In den vergangenen Tagen hat der Sonderausschuss neue Informationen über die Vorgänge im Weißen Haus erhalten“, sagte der Vorsitzende Bennie Thompson zu Beginn der Anhörung am Dienstag. „Es ist wichtig, dass das amerikanische Volk diese Informationen sofort erhält.“

Autor:innen sind David Mack und Stephanie K. Baer. Dieser Artikel erschien am 28. Juni 2022 zunächst auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Aranza Maier.

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