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Corona-Bonus nur für Schulleitung? Wir haben nachgefragt, ob Lehrkräfte und Schüler:innen das gerecht finden

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Von: Sophie Marie Unger

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Ein Lehrer und eine Schülerin in einem Klassenzimmer in Wien und Österreichs Bildungsminister Polaschek
Die Schulleitung bekommt einen Corona-Bonus, Lehrkräfte nicht - ist das fair? © APA-Picture-Desk

Schulleitungen sollen als „Belohnung“ für ihren Arbeitseinsatz in der Corona-Pandemie einen Bonus von 500 Euro bekommen. Lehrkräfte gehen demnach leer aus.

Der österreichische Bildungsminister Martin Polaschek kündigte einen Corona-Bonus in der Höhe von 500 Euro für Direktor:innen von Pflicht- und Bundesschulen sowie AHS und BMHS an. Auch Lehrer:innen hätten während der Pandemie unter massiven Mehrbelastungen gelitten, dafür gebühre ihnen ein „großes Dankeschön“. Das könne er sich - wenn es nach dem Obersten Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger geht - wohl getrost behalten. „Das gesamte pädagogische Personal sollte eine Coronaprämie bekommen“, so Kimberger. Doch die Meinungen gehen da auseinander, wir haben mit mehreren Lehrer:innen gesprochen.

„Direktor:innen verdienen einen Bonus“

Schulleiter:innen hatten seit Beginn der Pandemie deutlich mehr Aufwand durch die Corona-Sicherheitsmaßnahmen, das an den Schulen etablierte Testsystem und die coronabedingten Änderungen im Schulbetrieb - so die Begründung des Bildungsministeriums. Einige Lehrkräfte sehen das ähnlich.

Ich bekomme nicht alles mit, aber das ist absolut gerechtfertigt. Täglich Mails mit neuen Infos verfassen, Fragen zu sich wöchentlich ändernden Verordnungen beantworten, Kontakte melden etc. Ich finde aber, dass selbige Zahlung auch den Administrator:innen zustehen würde. Ständige Ausfälle, Supplierungen, Klassen im Distance Learning = organisatorischer Supergau.

Sophie

Direktor:innen haben es unglaublich schwer gehabt und verdienen einen Bonus. Den kann nicht jede:r kriegen, was schade ist, da so viele Lehrkräfte sehr viel extra arbeiten müssen, aber ich verstehe, wie unmöglich ihr Job in den letzten Jahren war.

Oli

Ich finde auch, dass das völlig berechtigt ist. In den letzten Monaten haben sie es echt nicht leicht gehabt und es ist nicht so einfach, alles zu koordinieren und sich ständig mit den administrativen und bürokratischen Kleinigkeiten zu beschäftigen. Vor allem, wenn sich laufend alles ändert. Dazu kommt noch, dass oft Lehrpersonen krankheitsbedingt ausfallen und das muss man ja auch spontan managen können.

Ioana

„Das ist schon sehr unfair“

Viele Lehrkräfte teilen aber auch die Meinung der Gewerkschaft. Das „Vergessen“ der Lehrer sei an den Schulen nicht überall gut angekommen.

Ich finde es schon sehr unfair. Direktor:innen haben in dieser Zeit sehr viel geleistet, aber wir Lehrer:innen haben das System ja auch aufrechterhalten. Wir haben doppelt und dreifach Pläne geschrieben, waren in der Betreuung, im Kontakttracing, ich bin zweimal am Samstag in die Arbeit gefahren, um Kontaktpersonen anzugeben. Die Schulleitung steht nicht mit FFP2-Maske in der Klasse ... es ist unfair.

Petra

Ich kann selbstverständlich nicht für alle Schulen sprechen, aber an unserer Schule wurden praktisch alle zusätzlichen Aufgaben aufs Lehrpersonal abgewälzt. Meldungen an die Gesundheitsbehörde, regelmäßiger Kontakt mit Kindern in Quarantäne, zusätzliche Lehrangebote online, Planung der Supplierungen für erkrankte Lehrpersonen, Führung von Listen über Anzahl der Testungen etc. Wir Lehrpersonen haben dafür gesorgt, dass der Schulbetrieb so weit wie möglich normal abgelaufen ist. Ich bin es in diesem Beruf ja schon gewohnt, wenig Anerkennung zu bekommen, aber diese Aktion ist echt der Gipfel. Dann lieber gar kein Bonus für niemanden.

Anonym

Mein Direktor findet es super ungerecht, dass die Lehrer:innen nach dem ganzen Chaos NICHTS bekommen. Sein Vorschlag: das Geld in etwas Sinnvolles für das Lehrerzimmer zu investieren oder auch ein großes Sektfrühstück für uns zu organisieren. Also er behält es nicht, sondern möchte es uns zur Verfügung stellen und das finde ich echt sehr korrekt von ihm.

Mona

 „Auch viele andere Berufsgruppen haben einen Coronabonus verdient“

Die Befragten zeigten sich aber auch solidarisch mit anderen Berufsgruppen. Vor allem im Gesundheitsbereich gebe es einiges aufzuholen. Während es in Deutschland bereits konkrete Pläne für einen Pflegebonus gibt, schaut es in Österreich zurzeit nicht danach aus.

Natürlich hat auch Lehrpersonal viel geleistet, allerdings gibt es noch viele Berufsgruppen im Gesundheitsberuf, die mehr Recht auf einen Coronabonus hätten (Rettungsdienst, Ordinationen, Heimkrankenpflege, ...). Ich bin hier schon der Meinung, dass, bevor sich Lehrpersonal an einem Bonus erfreut, lieber zuerst alle im Gesundheitssystem einen Bonus bekommen sollten.

Bernhard

Es werden hier nicht nur Lehrer:innen vergessen, die genauso das Recht auf einen Bonus hätten, sondern auch ganz viele andere Berufsgruppen und Branchen, welche ebenso unter Corona gelitten haben. Meiner Meinung nach versucht die Bundesregierung auf sehr ungeschickte Art und Weise und mit so wenigen finanziellen Mitteln wie möglich, die Direktor:innen zu beschwichtigen. Gleichzeitig versäumt die BD mehr Verwaltungspersonal einzustellen, Lehrpersonal und Direktor:innen für ihre Arbeit fair zu bezahlen und die Schulen sinnvoll zu reformieren.

Selina

„Ein Bonus reicht nichts aus und entlastet niemanden ernsthaft“

Die Pandemie hat aber auch aufgezeigt, wo die größten Herausforderungen im Schulsystem liegen. Deshalb sollte es nicht nur bei einem Bonus bleiben, sondern strukturell etwas verändert werden. Das teilt auch Schulsprecher Mati Randow.

Es ist grundsätzlich gut, dass es auch bei Schulen Corona-Boni gibt. Warum jetzt ausschließlich Direktor:innen 500€ bekommen, während Lehrer:innen und administratives Personal leer ausgehen, versteht nur der Minister selbst. Die unabhängige Lehrergewerkschaft empfindet, hier werde man gegeneinander ausgespielt, das teile ich. Eines muss aber auch klar sein: Nach zwei Jahren Dauer-Ausnahmezustand an Schulen ist ein Scheck für die Schulleitungen zwar nett, aber gleicht nichts aus und entlastet niemanden ernsthaft.

Mati Randow

Martin Polaschek hat in den vergangenen Monaten auch hinsichtlich der Corona-Maßnahmen einiges an Kritik einstecken müssen.

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