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Aufgrund weniger Corona-Impfungen: Impfdosen müssen weggeschmissen werden

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Von: Johannes Pressler

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Spritzen zur Corona-Impfung.
Weil sich kaum noch jemand impfen lässt, müssen Corona-Impfdosen nun schon weggeworfen werden. © Georg Hochmuth/APA-PictureDesk

Immer weniger Menschen in Österreich lassen sich impfen. Dabei gäbe es noch Millionen an Impfdosen auf Lager. Diese drohen nun abzulaufen.

Es ist Frühling in Österreich und mit der wärmeren Jahreszeit gehen auch die COVID-19-Infektionszahlen wieder zurück. Am Mittwoch (13. April) gab es laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 9926 neue Corona-Fälle. Vor einer Woche am 6. April waren es mit 16.570 noch etwas mehr - und vor genau einem Monat am 13. März sogar 34.630. Das war wenige Tage nach der großen Öffnung am 5. März. Doch nicht nur die Infektionszahlen werden langsam weniger, auch Impfdosen gegen das Corona-Virus werden immer seltener benötigt - mit verheerenden Folgen für die Millionen Impfdosen, die in Österreich gelagert sind.

Immer weniger Corona-Impfungen in Österreich, Impfdosen werden weggeworfen

Derzeit haben 68,7 Prozent der Menschen in Österreich ein aktives Impfzertifikat, mehr als 6,8 Millionen Leute haben zumindest die erste Impfdosis beansprucht. Wirft man jedoch einen Blick auf die aktuellen Zahlen, wie viele Menschen sich derzeit eine Corona-Impfung abholen, ist klar zu sehen, dass wir in Österreich in eine Einbahnstraße fahren. In der letzten Woche holten sich im Schnitt nicht einmal 3000 Personen pro Tag ihre erste, zweite oder dritte Impfdosis. Nicht zu vergessen ist hier sicherlich der Faktor, dass aufgrund der hohen Infektionszahlen der letzten Monate viele Menschen momentan genesen sind und keine Impfung für die nächsten 180 Tage benötigen.

Doch insbesondere, wenn man sich die Impfzahlen der einzelnen Bundesländer ansieht, zeigt sich, wie wenige Impfdosen derzeit benötigt werden. Nehmen wir Oberösterreich als Beispiel. In diesem Bundesland leben rund 1,5 Millionen Menschen. In der vergangenen Woche wurden aber gerade mal 2639 Impfdosen verabreicht. Das Problem: Die Impfstofffläschchen sind nur in Mehrdosengebinden verpackt. Ist eine solche angebrochen, sind auch die restlichen Impfdosen nur wenige Stunden haltbar - sonst landen sie im Müll.

Wie viele Impfdosen befinden sich in Österreich und wer ist dafür verantwortlich?

Wie ORF Oberösterreich am Dienstag (12. April) berichtete, hat Österreich laut Aufzeichnungen schon 57 Millionen Impfstoffdosen eingekauft - im Wert von fast 246 Millionen Euro. Nach Österreich geliefert wurde davon bisher ein Drittel (24 Millionen), tatsächlich geimpft wurden bis dato rund 18 Millionen Dosen. Das heißt: Rund sechs Millionen Impfdosen befinden sich derzeit in Österreich auf Lager. Laut dem Gesundheitsministerium von Johannes Rauch (Grüne) hat man bewusst mehr Dosen gekauft, als vielleicht nötig wären, damit jene, die sich impfen lassen wollen, auch jederzeit die Möglichkeit dazu haben. Doch welche Rolle spielen hierbei die Bundesländer? Eine viel kleinere, als man im ersten Moment denken würde.

Bei den Corona-Schutzmaßnahmen sind die Länder immer wieder unterschiedliche Wege eingeschlagen - man denke nur an das vergleichsweise strengere Wien unter der Obhut von Landeshauptmann Michael Ludwig (SPÖ). Bei den Impfdosen an sich wird der Prozess jedoch vom Bund selbst geleitet, wie Stefan Spielbichler von der Impfkoordination Niederösterreich gegenüber BuzzFeed Austria sagt: „In allen Bundesländern ist es so, dass nur jene Impfstoffdosen aus dem Bundeskontingent abgerufen und in die Bundesländer geliefert werden, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit verimpft werden können. (...) Es gibt keine Lager in den Bundesländern.“

Schon im Jänner hatte das Gesundheitsministerium bestätigt, dass österreichweit bisher 280.000 Impfdosen abgelaufen sind, doch nicht in allen Bundesländern ist es bisher dazu gekommen. In Vorarlberg seien etwa keine größeren Mengen an Impfstoff gelagert, wie die Vorarlberger Landesregierung von Markus Wallner (ÖVP) gegenüber BuzzFeed Austria sagt: „Wir bekommen das, was wir fortlaufend bestellen. Somit sind in Vorarlberg bislang keine Dosen abgelaufen.“ Bleibt also nur zu hoffen, dass es in Zukunft zu keiner größeren Verschwendungen von Impfdosen kommt. Eine Option wäre eigentlich, diese jenen Nationen zu schicken, die nicht so reich wie Österreich sind. Doch selbst in Dritte-Welt-Ländern sei der Markt derzeit gesättigt.

Update vom 15. April: Nach Redaktionsschluss bekam BuzzFeed Austria noch eine Stellungnahme von der Landesregierung in Tirol, bestehend aus der ÖVP mit Landeshauptmann Günther Platter und den Grünen. So wie die Vorarlberger Landesregierung gegenüber BuzzFeed Austria schon sagte, würden auch in Tirol Impfdosen nur nach Bedarf bestellt werden. Zu den ablaufenden Impfdosen fügte die Tiroler Landesregierung die Funktion des ärztlichen Personals hinzu: „Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte können dem Land melden, wenn sie Impfdosen mit geringer Haltbarkeit in ihrer Praxis haben und ein Verbrauch innerhalb der Mindesthaltbarkeit nicht mehr zu erwarten ist.“ Diese Dosen würde dann zurück in die Impfzentren gebracht und idealerweise verbraucht werden, ansonsten „fachgerecht“ weggeschmissen.

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