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Zur Corona-Test-Strategie ab April gibt es viel zu viele offene Fragen

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Von: Christian Kisler

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Ein Corona-Test Set ,,Lead Horizon“ aus einer Bipa Filiale
Die neue Verordnung zu den Corona-Tests wirft ein paar Fragen auf. © Tobias Steinmaurer/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Nicht zuletzt wegen Sparmaßnahmen fährt die Bundesregierung das Corona-Test-Angebot ab April deutlich zurück. Antigen- und PCR-Tests werden begrenzt verfügbar sein, Ausnahmen gibt es dennoch. Das macht die Sache nicht einfacher.

Lebt man so wie ich in Wien, ist man verwöhnt, was das Testangebot anbelangt. Erinnern wir uns zurück, was in der nun scheinbar ewig währenden COVID-19-Pandemie und seit dem ersten Lockdown im März 2020 passiert ist: Zuerst gar nichts, man hat darauf gehofft, dass man das Virus nicht weitergibt, wenn man nur daheimbleibt und möglichst viel Abstand zu den Mitmenschen hält - Stichwort Baby-Elefant. Dann kam der Antigen-Test auf, bei dem dir jemand mittels Stäbchen Proben aus dem Rachen oder Nase entnahm - wenn du Pech hattest, fuhr man damit bis zum Kleinhirn. Der Vorteil: Nach nur zehn bis fünfzehn Minuten gibt es ein Ergebnis. Der Nachteil: Es ist nur bedingt zuverlässig.

Dazu gab zunächst Teststraßen, dann auch die Apotheke ums Eck. Der Goldstandard war und ist der PCR-Test, bei dem meist gegurgelt wird. In Wien etwa gibt es mit „Alles gurgelt“ ein extrem niederschwelliges Angebot. Acht kleine Schachteln mit einem Set zum Selbsttesten konnte man bis dato bei Bipa-Filialen holen - pro Woche. Daheim gurgeln, bei einer Filiale des Rewe-Konzerns in einer entsprechenden Box einwerfen, 24 Stunden später gibt es das Ergebnis. So leicht kann es gehen.

Corona-Tests sind teuer, sehr teuer sogar

Getestet wird natürlich, um positive Corona Fälle ohne Symptome möglichst bald aus dem Verkehr zu ziehen und so weitere Ansteckungen zu verhindern. Dass das Angebot gut von der Bevölkerung angenommen wird, liegt freilich auch daran, dass die Tests gratis sind. Und das kostet. Und nicht wenig. 2,6 Milliarden pro Jahr, um genau zu sein. Ein einzelner PCR-Test beläuft sich dabei zwischen sechs und 25 Euro, je nachdem, ob du selbst gurgelst oder Apothekenpersonal den Test vornimmt. In Einzelfällen sollen gar 50 Euro verrechnet worden sein.

Kein Wunder, dass Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) kurz nach Amtsantritt auf die Notbremse gestiegen ist. Das Testangebot wird mit 1. April stark zurückgefahren. Aber, wie so oft im Leben, Ausnahmen bestätigen die Regel. Das hat schon im Vorfeld für gehörige Verwirrung gesorgt, wirft aber immer noch Fragen auf. War ja bei der letzten COVID-19-Verordnung nicht anders.

Wie viele Tests gibt es denn nun für jede:n?

Ein bisschen mehr als 25 Stunden vor Inkrafttreten wird Licht ins Dunkel gebracht und eine entsprechende, richtig, Verordnung präsentiert, die jetzt einmal bis Juni das Test-Geschehen regelt. Prinzipiell gilt: Pro Person gibt es monatlich fünf PCR- und fünf Antigen-Tests, also bedeutend weniger als bisher. Wir erinnern uns: Bisher waren es acht PCR-Tests - pro Woche! Das erste große „Aber“ kommt zugleich: Wer etwa Tests gehortet hat, kann die zumindest noch im April in Anspruch nehmen, wenn auch nicht uneingeschränkt. Zusätzlich darf man weitere fünf dieser Tests verwenden, macht in Summe also zehn. Immerhin. Ab Mai muss man schließlich mit den fünf zugewiesenen Tests das Auslangen finden.

Wer bekommt in den Genuss von weiteren Gratis-Tests?

Allerdings kann auch in weiteren Bereichen nach wie vor kostenlos getestet werden. In Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Krankenanstalten und Kurhäusern wird Bewohner:innen beziehungsweise Patient:innen und Mitarbeiter:innen, aber auch Besucher:innen der Test gratis ermöglicht. Ausgenommen von den Einschränkungen sind auch 24-Stunden-Pfleger:innen und persönliche Assistent:innen von Behinderten sowie Mitarbeiter:innen von Rettungsdiensten. Dass Betreuer:innen in Flüchtlingsheimen und Kindergarten-Mitarbeiter:innen nach wie vor umsonst zu ihren Tests kommen sollten, sollte selbstverständlich sein - ist es zum Glück auch. Für die Schulen hingegen ist das Bildungsministerium zuständig, dazu steht in der Verordnung folgerichtig nichts.

Die Verordnung strotzt jedenfalls nur so vor Ausnahmen, eine nicht unwesentliche sorgt für den „No na“-Effekt: Wer Symptome verspürt, kommt nach wie vor gratis zu einem Test. Dafür hat die Verordnung wenigstens nicht geändert werden müssen. Laut Gesundheitsministerium ist für Umsetzung des Ganzen die Hotline 1450 zuständig. Wie das dann konkret vonstattengeht, das ist nicht vorgegeben und kann je Bundesland unterschiedlich ausfallen, in Wien zum Beispiel über „Alles gurgelt“ abgewickelt werden.

Wer organisiert die neue Teststrategie?

Allgemein ist jedes Bundesland selbst dafür verantwortlich, wie es die neue Verordnung umsetzt. Infos gibt e erst aus zweien: In der Steiermark setzt man weiter auf die Apotheken, in Wien wie nicht anders zu erwarten auf „Alles gurgelt“. In der ORF-Sendung „Klartext“ erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, die Gratistests in Apotheken, die mit dem Bund direkt abgerechnet worden seien, werde es hingegen nicht mehr geben. Wie es mit den Gurgelboxen in der Stadt weitergehen soll, weiß derzeit noch niemand. Auch nicht, wie die Ausnahmen bei „Alle gurgelt“ eingegeben werden sollen, etwa über die dazugehörige App.

Hacker sprach von einem bürokratischen System, bei dem „hundert Kreuzerl“ zu machen seien. Wo, darüber schwieg er sich aus. Chaos ist jedenfalls einmal vorprogrammiert, bis Ostern sollte sich die neue Strategie eingegroovt haben. Allerdings ist das auch schon in zwei Wochen.

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