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„Rechenschaft für sinnlosen Tod“: US-Polizistin nach Tötung eines Schwarzen schuldig gesprochen

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Von: Emily Erhold

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Bildmontage: Demonstrant:innen zeigen den Mittelfinger und Kim Potter.
Kim Potter ist im Fall Daunte Wright schuldig gesprochen worden. © Kerem Yucel/AFP/AP/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Während eines Einsatzes im April 2021 im US-Bundesstaat Minnesota erschoss eine weiße Polizistin den 20-jährigen Schwarzen Daunte Wright. Der Fall führte zu massiven Protesten. Die Beamtin wurde nun für schuldig befunden.

Wie ihre Strafe ausfallen wird, ist noch nicht geklärt. Sie muss mit mehreren Jahren Gefängnis rechnen. Das Urteil wird am 18. Februar 2022 verkündet.

Ex-Polizistin Kim Potter im Fall Daunte Wright schuldig gesprochen

Zwölf Geschworene sprachen die weiße Ex-Polizistin Kim Potter am 23. Dezember 2021 in Minneapolis schuldig. Die 49-Jährige war wegen Totschlags angeklagt, nachdem sie bei einem Einsatz im April den 20-jährigen Schwarzen Daunte Wright erschossen hatte. Laut ihren eigenen Aussagen hatte sie irrtümlich statt eines Elektroschockers ihre Pistole gezogen. Wright starb an einem Schuss in die Brust.

Potter wurde nun des Totschlags ersten und zweiten Grades schuldig befunden. Totschlags ersten Grades in den USA entspricht auch in Österreich dem Delikt des Totschlags. Totschlag zweiten Grades dürfte eher einer fahrlässigen Tötung gleichkommen.

„Rechenschaft für sinnlosen Tod“: Familie von Wright erleichtert über den Schuldspruch

Die Familie von Daunte Wright äußerte sich in einer Stellungnahme zu dem Schuldspruch. Sie zeigte sich erleichtert und erklärte, dass die Entscheidung ein „gewisses Maß an Rechenschaft für den sinnlosen Tod“ des 20-Jährigen bringe.

Bei Polizeieinsatz erschossen

Daunte Wright wurde am 14. April 2021 von Polizisten angehalten, weil die Prüfplakette seines Autos abgelaufen war. Bei einer Überprüfung seiner Daten stellten die Beamten fest, dass gegen den jungen Afroamerikaner ein Haftbefehl vorlag, da er nicht zu einem Gerichtstermin wegen unerlaubtem Waffenbesitz erschienen war.

Die Polizistin Kim Potter wollte Wright daraufhin Handschellen anlegen. Als er versuchte, sich loszureißen, erschoss die Polizistin ihn mit ihrer Dienstwaffe. Die Beamtin behauptete vor Gericht, dass sie eigentlich einen Elektroschocker (Taser) ziehen wollte. Ihr Anwalt betonte, dass es sich bei dem Vorfall um einen bedauerlichen Fehler, nicht aber um ein Verbrechen handelte.

Proteste gegen Polizeigewalt: Der Fall von Daunte Wright erinnert an George Floyd

Der Tod von Daunte Wright ereignete sich nur wenige Kilometer entfernt vom Verhandlungssaal, in dem der Prozess um den Tod von George Floyd stattgefunden hatte. Floyd war am 25. Mai 2020 gestorben, nachdem der weiße Polizist Derek Chauvin über neun Minuten lang auf seinem Hals gekniet war und ihm die Atemluft abgedrückt hatte. Kurz danach kam es in den USA zu einer Welle an heftigen Protesten gegen Polizeigewalt. Die Bewegung „Black Lives Matter“, die sich gegen Gewalt an Schwarzen einsetzt, erfuhr daraufhin starken Aufwind. Auch außerhalb der USA kam es zu Demonstrationen gegen Rassismus.

Auch nach der Tötung von Daunte Wright kam es zu Protesten. Noch am selben Nachmittag versammelten sich Menschen an der Stelle, wo Wright erschossen wurde. Die Mutter des 20-Jährigen hielt eine kurze Ansprache und gab der Polizei die Schuld am Tod ihres Sohnes. Später kam es zu Demonstrationen vor der Polizeizentrale.

Polizeigewalt in den USA

Seit Jahren kommt es in den USA immer wieder zu schweren Fällen von Polizeigewalt, vor allem gegen Schwarze. Der Tod von George Floyd im Jahr 2020 führte zu massiven Demonstrationen gegen die US-amerikanische Polizei und gegen Rassismus. Laut der Washington Post wurden seit 2015 36 Schwarze pro Million Einwohner von US-Polizist:innen getötet. Im gleichen Zeitraum starben hingegen nur 15 Weiße pro Million Einwohner durch die Hand eines oder einer Polizist:in.

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