1. BuzzFeed.at
  2. News

7 Dinge, die zeigen, dass Wien fix nicht für alle die lebenswerteste Stadt der Welt ist

Erstellt:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Die Karlskirche am Karlsplatz in Wien und das Camp der Initiative Lobau bleibt
Wir lieben Wien. Da und dort gibt‘s dann aber schon Verbesserungspotential. © APA Picturedesk/Instagram Stadt Wien

Wien ist wieder die lebenswerteste Stadt der Welt. Doch wer profitiert eigentlich davon und für wen sieht‘s nicht ganz so rosig aus?

Ja, wir in Wien haben‘s schon schön. In dem neuen Index der britischen „Economist“-Gruppe holte sich Österreichs Hauptstadt erstmals seit Beginn der Coronapandemie den obersten Stockerlplatz zurück. Natürlich hat die Stadt einiges zu bieten und in vielen Fällen ist die Platzierung sicherlich berechtigt. Doch man muss schon auch beachten, welche Rahmenbedingungen hinsichtlich der Studie herrschen und für wen sie hauptsächlich gemacht wird. Laut eigenen Angaben soll die Studie nämlich vor allem Unternehmen - sprich Manager:innen - helfen, Standorte zu erschließen. Die Wiener:innen selbst stehen da nicht so ganz im Fokus. Deshalb wollen wir ihr Sichtweisen miteinbeziehen und natürlich auch ein bissl sudern.

1. Wiens Infrastruktur ist super.

Ja, der Ausbau der Öffis verlief in den vergangenen Jahren sehr fortschrittlich. Von fahrerloser U-Bahn der Wiener Linien, über eine Bim, die bald bis NÖ fährt, bis hin zur geplanten Radwegoffensive: Wien ist definitiv gut vernetzt.

Bewohner:innen von insbesondere neuen Wohnbauprojekten sehen das anders.

Neue Wohnbauprojekte wie Wildgarten, Seestadt und Sonnwendviertel sollen Herr über das Bevölkerungswachstum in der Stadt werden. Doch scheinbar werden die Projekte oft realisiert, ohne dabei konkret auf die Anbindung einzugehen. Laut Website des Wohnbauprojekts seien die S-Bahn-Stationen Hetzendorf und Atzgersdorf Optionen für die Anwohner:innen. Beide sind aber fußläufig über 20 Minuten entfernt. Nicht gerade ein Katzensprung.

2. Wien ist so sozial.

Erst vor Kurzem feierten die Wiener Sozialdienste ihr 75-jähriges Bestehen im Festsaal des Wiener Rathauses. Danke an dieser Stelle an alle Organisationen, die Senior:innen, Menschen mit Behinderungen, gesundheitlich eingeschränkte sowie sozial gefährdete Menschen und ihre Familien oftmals auch ehrenamtlich unterstützen. Ihr seid goldwert.

Soziales Miteinander, najo.

Und dann gibt es halt noch den Wiener Grant. Die Grenze zwischen Charme und Unfreundlichkeit ist fließend.

3. Parteiintern is ois stabil.

Wiens strengere, aber konsequente Corona-Politik bescheren Bürgermeister Michael Ludwig auch im Rest des Landes ungeahnte Zustimmungswerte. Generell hat er sich als Nachfolger von Michael Häupl öfter sogar als „besser als erwartet“ hervorgetan. Ganz große Konflikte innerhalb der Wiener SPÖ gibt es ja eigentlich nicht.

Dafür kriselt es aber ordentlich in der Stadtpolitik.

Grund dafür ist der Lobautunnel und die Stadtstraße. Obwohl Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) basierend auf Expert:innenmeinungen entschieden hat, das Straßenbauprojekt nicht durchzuführen, hält Ludwig am Projekt fest. Das Betonierer-Image bringt er so nicht mehr weg. Klimaaktivist:innen fühlen sich von der Stadt deshalb auch im Stich gelassen. Ihnen wurde sogar mit Klagen gedroht.

4. Es lebe die Hochkultur!

Ja fein, in Wien wird dir wirklich nicht so schnell fad. Die Auswahl an tollen Kunstprojekten ist immens. Dafür steht auch ein Budget in Millionenhöhe zur Verfügung, wovon viele Städte nur träumen können.

Das alles geht auf‘s Börserl.

Schön, dass man jeden Tag Theater, Oper oder eine Ausstellung besuchen kann, aber die Preise hierfür sind nicht gerade billig. Vor allem in Zeiten wie diesen können sich viele dieses Freizeitvergnügen einfach nicht mehr leisten. Dass die Konzentration auf Hochkultur der Historie der Stadt geschuldet ist, ist klar, aber trotzdem keine Ausrede.

5. Oh du grünes Wien!

Die Stadt Wien ist beim Klimaschutz schon ganz gut unterwegs. In einem vorbildhaften Akt arbeitet das Wiener Rathaus an einem Treibhausgasbudget samt Reduktionspfaden. Bis zum Jahr 2040 dürfen demnach laut Smart-City-Strategie in der Hauptstadt nur noch 60 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen werden. „Die anderen Bundesländer sollten es Wien gleichtun“, fordert Simon Tschannett, Stadtklimaexperte für Meteorologie.

Greenwashing ist auch in Wien ein gängiges Konzept.

So sinnvoll viele Maßnahmen auch sein mögen, einige fallen klar unter die PR-Maßnahme des Greenwashings. Unter dem Titel „Aktuelle Maßnahmen gegen die Klimakrise“ lässt sich die Gemeinde auf ihrer Website wegen der „Nebelduschen im öffentlichen Raum“ selbst hochleben. Doch, dass jene eigentlich nur als Symptom-Bekämpfer fungieren, scheint noch nicht durchgedrungen.

6. Gesundheitssystem in ganz Österreich top

Österreichs Gesundheitssystem gilt als Vorbild für viele andere Länder. Ja, es ist in Zeiten wie diesen wirklich eine nicht zu unterschätzende Leistung unseres Staates. Auch die Pflegereform soll diesbezüglich bestehende Probleme und Anspannungen lösen.

Pflegereform mit Tücken und Wahlärzteschaft, die keiner braucht.

Sieht man sich die Reform genauer an, so zeigt eine erste Begutachtung der Gesetze, dass nur drei Prozent der Angehörigen den geplanten Pflegebonus auch wirklich erhalten. Die Stadt Wien sucht außerdem in den kommenden Jahren weiterhin dringend Pflegepersonal: 9.121 zusätzliche Fachkräfte brauche es bis 2030 allein in der Langzeitpflege. Auch die Stimmung ist aufgrund der Pandemie bei Pflegekräften nicht gerade top. Zudem kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Österreich zu einem Zwei-Klassen-System in der Medizin wird.

7. Österreich performt mit Bildungssystem solide.

Ähnlich verhält es sich mit unserem Bildungssystem. In der Bildungspolitik liegt Österreich relativ konstant über die letzten 15 Jahren hinweg auf einem guten Platz in den Top 15 und damit in Reichweite einer Top-Ten-Platzierung.

In Wien herrscht Lehrer:innenmangel

In den Wiener Bundesschulen gibt es aktuell laut der Wiener Bildungsdirektion mit 2.500 Bewerbungen um 1.000 weniger als im langjährigen Schnitt. Es könnte im September daher zu Engpässen kommen. In Volksschulen sei die Lage besonders angespannt. Dies führt oft zu Überlastung und Burnouts.

Auch interessant

Kommentare