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Hass-Nachrichten: Frauen werden auf Instagram massiv beleidigt, aber die Plattform handelt so gut wie nie

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Von: Jana Stäbener

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Fotomontage von links der Schauspielerin Amber Heard und rechts einem Smartphone im Dunkeln mit dem Instagram-Logo.
Beleidigende Direktnachrichten erhalten Schauspielerin Amber Heard und viele weitere Frauen auf Instagram andauernd. ©  Yui Mok/PA/APA-PictureDesk/xonw-imagesx/xMariusxBullingx/Imago/BuzzFeed Austria

Ein Bericht zum Thema „Hass im Netz“ hat ergeben, dass Instagram gegen 90 Prozent aller beleidigenden Direktnachrichten nichts unternimmt. 

Was vielen von uns schon längst klar war, hat nun ein Bericht des Center for Countering Digital Hate (CCDH) aus den USA bewiesen: Frauen erleben in den Direktnachrichten auf Instagram eine „Epidemie an sexistischen Beleidigungen“, wie es die Organisation CCDH gegenüber der „Washington Post“ ausdrückt. In ihrem Bericht hat sie über 8000 Direktnachrichten von fünf prominenten Frauen analysiert und kam zu dem Schluss, dass Instagram in 90 Prozent der Missbrauchsfälle überhaupt nicht reagiert.

Direktnachrichten auf Instagram: Belästigung von Frauen schon lange ein Problem

Erst 2020, so schreibt es die „Washington Post“, ergab eine Umfrage der Frauenrechtsorganisation Plan International, dass Online-Missbrauch viele weiblich gelesene Menschen dazu veranlasst, soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter zu meiden. Laut den Ergebnissen der Umfragen seien fast 60 Prozent aller Umfrageteilnehmerinnen schon einmal belästigt worden. Vor allem Schwarze Frauen, LGBTQIA+-Personen und andere marginalisierte Gruppen sind besonders häufig von diesen Online-Angriffen betroffen. Wie die Ampel queere Menschen in Zukunft schützen will, berichten wir hier.

Cindy Southworth, Leiterin für Frauensicherheit bei Facebook, äußert sich gegenüber der „Washington Post“ folgendermaßen: „Auch wenn wir mit vielen der Schlussfolgerungen des CCDH nicht einverstanden sind, stimmen wir zu, dass die Belästigung von Frauen inakzeptabel ist. Deshalb lassen wir keinen geschlechtsspezifischen Hass oder die Androhung sexueller Gewalt zu und haben im letzten Jahr einen stärkeren Schutz für weibliche Personen des öffentlichen Lebens angekündigt.“

Filter gegen Hate-Speech auf Instagram funktioniert nicht richtig

Eigentlich sollte es, seit es auf Instagram einen Filter gegen Hate-Speech gibt, keine Probleme mehr in den Direktnachrichten geben. Bereits im April 2021 hatte die App diesen eingeführt. Er soll DM-Anfragen mit beleidigenden Wörtern, Phrasen und Emojis automatisch aussortieren. Das Problem: So gut funktioniert diese Filter-Funktion nicht. Beleidigende Nachrichten können schließlich auch als Bilder oder Sprachnachrichten gesendet werden.

Eine der Promis, die mit dem Centre for Countering Digital Hate zusammenarbeitete, ist die Schauspielerin Amber Heard. Sie spielte in Filmen wie „Aquaman“, „Zombieland“ oder „Three Days to Kill“ mit. Laut einem Artikel der Washington Post werden ihr regelmäßig Sprachnachrichten wie diese hier geschickt: „Ich mag dich nicht, du bist ein schlechter Mensch. Stirb! Stirb! Stirb! Stirb! STIRB!“ Das Problem an Sprachnachrichten ist dabei, dass sie von Bots nicht als Hass-Nachricht erkannt werden. Die Untersuchung der CCDH zeigte: Eine von sieben Sprachnotizen, die die befragten Frauen auf Instagram erhielten, war beleidigend.

Besonders perfide: Viele Internettrolle geben sich zuerst als harmlose Unterstützer aus und beginnen erst danach mit ihren beleidigenden Angriffen. Instagram gab gegenüber der „Washington Post“ an, dass bei der Sperrung solch eines Angreifers alle neuen Konten präventiv gesperrt würden. Diese Funktion funktioniere jedoch oft nicht – viele der Täter meldeten sich auf einem neuen Gerät an und machten einfach weiter.

Werden alle Nachrichtenanfragen auf Instagram blockiert, verlieren Userinnen ihr Geschäft

Doch was wäre eine Lösung für das Problem? Würden alle Nachrichtenanfragen blockiert, würden viele Frauen einen wertvollen Kanal für Geschäftsanfragen und Networking verlieren. „Soziale Medien sind ein wichtiger Weg, um Marken zu etablieren, Beziehungen zu pflegen und Handel zu treiben“, sagte Imran Ahmed, Geschäftsführer des CCDH, gegenüber der „Washington Post“. „Ist der Preis für Frauen, die das tun, dieses Maß an Missbrauch?“

Laut dem Experten für Hate-Speech im Netz müsse Instagram in Zukunft besser auf gemeldete Nutzer reagieren. Instagram habe dazu beigetragen, „eine Kultur zu schaffen, in der Missbrauchstäter keine Konsequenzen zu erwarten haben – was Frauen die Würde und die Möglichkeit nimmt, digitale Räume ohne Belästigung zu nutzen.“

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