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Strom wegen Ukraine-Krieg so teuer? Das stimmt sicherlich nicht immer

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Von: Sophie Marie Unger

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Stecker und Geldscheine und Verbund Logo auf einem Haus
Strom wird teurer und oftmals wird damit der Ukraine-Krieg in Verbindung gebracht. © APA Picturedesk

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird als großer Teuerungsfaktor für Haushaltsenergie gesehen. Doch wie sich herausstellt, ist das oft nicht der alleinige Grund.

Im Euroraum ist die Inflation im April auf durchschnittlich 7,5 Prozent angestiegen. Preistreiber waren vor allem Gas, Sprit, Heizöl und Nahrungsmittel. Als Grund wird dabei oft der Ukraine-Krieg angeführt. Es gebe vermehrt Lieferengpässe und auch Unsicherheiten hinsichtlich der Energiestrategie - Russland hat zuletzt Gaslieferungen an Polen und Bulgarien gestoppt - haben Einfluss auf die Preise. Doch der Krieg alleine ist nicht in allen Fällen schuld an der Teuerung. Zuletzt geriet etwa Österreichs größtes Elektrizitätsversorgungsunternehmen Verbund in Kritik. Warum?

Strom wird bei Verbund um 21 Euro teurer

Auch der Verbund erhöhte die Preise. Stromkund:innen müssen mit einer Erhöhung von 21 Euro monatlich rechnen. Von seinen Gaskunden verlangt der Verbund im Schnitt sogar 75 Euro mehr pro Monat. Das ist wirklich ordentlich. Doch zumindest bei den Strompreisen ist es unzulässig, den Preisanstieg mit dem Ukraine-Krieg zu rechtfertigen. Denn: Laut eigenen Angaben bestehen 95 Prozent des Verbund-Stroms aus erneuerbaren Energien, vorrangig Wasserkraft, ergänzt um Windkraft. Wasser und Wind haben bislang nicht aufgehört, zu fließen. Wie kommt es dann zum Preisanstieg?

Es verdienen vor allem die Aktionäre

Verbund-Chef Strugl wurde im Interview „Der Standard“ zur Rede gestellt und rechtfertigt sich mit dem Aktienrecht – er dürfe den Strom nicht günstiger anbieten, sonst würde er die Aktionäre schädigen. Die meisten Anteile am Verbund hat mit 51 Prozent die Republik Österreich, 30 Prozent halten Landesgesellschaften wie EVN und Wien Energie. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Rekordgewinn von bis zu zwei Milliarden Euro. Davon wird eine fette Dividende von mehreren hundert Millionen Euro ausgeschüttet. Die Hälfte davon gehen mehreren Medienberichten zufolge an Finanzminister Magnus Brunner.

Verbund hat kein schlechtes Gewissen

Auf die Frage, ob man denn ein schlechtes Gewissen hätte, wenn viele einkommensschwache Haushalte den Strom nur noch schwer zahlen können, entgegnete Strugl nüchtern: „Ich mit meinem Team bin verantwortlich für Verbund, wir müssen im Sinne des Unternehmenswohls gut wirtschaften“. Man hätte sogar länger gewartet als andere, denn die CO2-Bepreisung und der Wirtschaftsaufschwung, die den Strom auf den Großhandelsmärkten verteuert haben, fanden schon im Vorjahr statt, hieß es von Verbund-Seiten.

Ökonom sieht keine klare Notwendigkeit

Laut Ökonom Philipp Hofbauer sei die Preisanpassung lediglich strategisch gewählt, um das Maximale an Profit für das Unternehmen rauszuholen. „Das zeigen Aussagen, die sich lediglich im Rahmen der Marktregeln und des Aktienrechts abspielen“. Der Zeitpunkt der Preissteigerung ist äußerst fraglich, denn wäre der Wirtschaftsaufschwung 2021 Schuld daran, müsse das bereits viel früher umgesetzt werden. „Bereits 2019 musste der Verbund seinen Kund:innen aufgrund von unzulässigen Preisanpassungen Geld zurückzahlen“, so Hofbauer.

Auch, dass hierbei rein gar nichts zu machen ist, stimmt so nicht ganz. Der Staat könnte den Verbund wieder von der Börse nehmen. Oder eine Steuer einführen, um die Krisen­gewinne abzuschöpfen und den Kund:innen zu geben. In Hinblick darauf, dass der Finanzminister beim bestehenden Modell enorm viel abcasht, wird das wohl nicht so schnell passieren. Und außerdem gibt es ja eh den tollen Energiebonus.

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