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Wieder ein Mega-Erdbeben in Japan: Kann so etwas auch bei uns passieren? Ein Seismologe wägt ab

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Von: Helena Dimmel

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Erdbeben seismograph
Erdbeben sind scary - aber betreffen sie uns in Österreich auch? © IMAGO / Design Pics Editorial/ agefotostock

Ein starkes Erdbeben hat am Mittwochabend den Nordosten Japans erschüttert. Die Stromversorgung von rund zwei Millionen Haushalten wurde unterbrochen. Gibt es so etwas in Österreich auch und wie können wir uns schützen?

Ein Erdbeben der Stärke 7,3 traf gestern die japanische Region Sendai. Dort hatten zuletzt 2011 ein schweres Beben und ein nachfolgender Tsunami die Nuklearkatastrophe von Fukushima ausgelöst. Die japanischen Behörden berichten von vier Verstorbenen und rund neunzig Verletzten. Videos auf Social Media zeigen ruckelnde Möbel, flackernde Lichter und umgestürzte Supermarktregale. In einigen Stadtteilen Tokios fiel der Strom aus. Die Regierung warnt davor, dass es in den nächsten Tagen zu starken Nachbeben kommen könnte. Eine Tsunami-Warnung wurde ebenfalls ausgesprochen, inzwischen aber wieder aufgehoben.

Wie entstehen eigentlich Erdbeben?

Um die Frage zu beantworten, ob so ein schweres Beben auch in Österreich möglich ist, muss man zuerst verstehen, wie Erdbeben ausgelöst werden. Grundlegende Ursache ist das Aufeinanderstoßen von Kontinenten, im Falle von Österreich des eurasischen und des afrikanischen Kontinents. Allein deswegen sind zum Beispiel die Alpen überhaupt entstanden. Beim Aufeinanderstoßen wird Spannung aufgebaut. Das führt zu Verschiebungen entlang der Bruchflächen in der Erdkruste, von denen es viele tausende in Europa gibt, bei denen sich die Spannung wieder entlädt. Plötzliche Verschiebungen lösen seismische Wellen aus, die sich als Schallwellen im Gestein ausbreiten. Das nehmen wir dann an der Erdoberfläche als Erdbeben wahr. Es gibt allerdings auch künstlich durch Menschen verursachte Erdbeben, beispielsweise ausgelöst durch Bergbau oder Geothermie-Projekte.

Sind wir in Österreich erdbebengefährdet?

In Österreich liegt eine „moderate“ Erdbebengefährdung vor. Wir sind ein Stück weit von der Kontinentalgrenze entfernt, die im Mittelmeer zum Beispiel auf der Höhe von Sizilien verläuft. In Europa gibt es deshalb mitunter in Süditalien, Griechenland und der Türkei die stärksten Beben. Je weiter man nach Norden geht, desto schwächer werden sie. Rund 50 Beben im Jahr sind in Österreich spürbar. „Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass man als junger Mensch noch nie ein Erdbeben erlebt hat“, sagt Anton Vogelmann, ein Seismologe des österreichischen Erdbebeninstituts.

„Stärkere Erdbeben in Österreich sind durchaus sehr selten und kommen rund alle drei, vierhundert Jahre vor.“ Am 16. April 1972 gab es das letzte mal ein Beben mit starken Gebäudeschäden, mit einer Magnitude von 5.3, südlich von Wiener Neustadt. „Da hatte man Glück, dass es keine Toten gab. Es war nämlich ein verregneter Sonntag, also waren wenige Personen auf der Straße unterwegs. Montagvormittag hätte es schon wieder anders ausgeschaut.“ Bis nach Wien konnte man das Erdbeben damals spüren: Hunderte Rauchfänge brachen von den Dächern herunter und flogen auf die Straßen.

Was kann man bei einem Erdbeben tun?

„Alles was man machen kann, ist sich gut vorzubereiten“, sagt Vogelmann. Sobald man spürt, dass ein Erdbeben kommt, sollte man sich sofort unter einem stabilen Tisch verstecken und sich an den Tischbeinen festhalten. „Auf keinen Fall rauslaufen. Wer draußen ist, bleibt draußen. Wer drinnen ist, bleibt drinnen. Außerdem sollte man immer Abstand halten von Häusern. Wien als große Stadt hat natürlich mitunter sehr enge Gassen, da kann man sich in einen Hauseingang stellen, damit einem nix auf den Schädel fällt.“ Selbst ein starkes Beben ist in Österreich nach circa 10-15 Sekunden vorbei, die Devise heißt also: Ruhe bewahren. Baunormen geben zusätzlich vor, wie Gebäude konstruiert werden sollen, um im Falle eines Erdbebens den maximal erwartbaren Bodenerschütterungen ohne große Schäden Stand halten zu können. Diese sind allerdings keine Gesetze, sondern Leitlinien. „Es ist nicht verboten, anders zu bauen, aber wenn man verklagt wird, hat man bei Gericht schlechte Karten, sollte ein Schaden durch Erdbeben entstanden sein.“

Könnte uns so ein Beben wie in Japan auch treffen?

Erdbeben finden in Japan im Gegensatz zu Österreich meist gar nicht im Landesinneren, sondern schon vor der Küste statt, dort wo die pazifische Platte unter den asiatischen Kontinent abtaucht. Die japanische Inselkette, die man auch als japanische Alpen bezeichnen kann, ist ähnlich wie die hiesigen Alpen erst durch den Zusammenstoß von Kontinent und ozeanischer Platte entstanden.

Trotzdem besteht kein Grund zur Sorge: „So ein Erdbeben wie vorgestern in Japan ist in Österreich nicht möglich, weil die aufgestaute Kraft in der Erdkruste diese Größenordnung gar nicht erreichen kann“, erklärt der Seismologe. Tsunamis könne man in Österreich ebenfalls ausschließen, nicht aber im Mittelmeer. „Tsunamis hat es gegeben und wird es in Europa geben, zuletzt 1908 in Sizilien bei einem Erdbeben. Die rund 20.000 Toten waren damals hauptsächlich auf den Tsunami zurückzuführen.“ Die Riesen-Wellen breiten sich mit einer Geschwindigkeit von 500 km/h aus. „Wenn sich das Meer schnell vom Strand zurück zieht, dann heißt es laufen laufen laufen, möglichst an einen hoch gelegenen Ort, oder in ein Stahlbeton-Gebäude.“

Von Japan kann Österreich dennoch einiges lernen: Die wenigen Sekunden, bis das Erdbeben die Küste erreicht hat, nützt man für ein nationales Warn-System per SMS. Atomkraftwerke können im besten Fall abgeschalten, Hochgeschwindigkeitszüge angehalten werden. Auch die Aufzüge in Hochhäusern könne man so rechtzeitig abstellen. „In Planung ist, dass so ein ähnliches System auch nach Österreich kommt. Das befindet sich allerdings noch in der Entwicklung.“

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