1. BuzzFeed.at
  2. News

Fußball-WM in Katar: Die norwegische Verbandschefin kritisiert die FIFA scharf

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Johannes Pressler

Kommentare

Lise Klaveness hält eine Rede vor einem Pult mit der Aufschrift „FIFA“. Im Hintergrund unter anderem die Fahne von Katar.
Die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness hielt beim FIFA-Kongress eine leidenschaftliche Rede. © Hassan Ammar/AP/APA-PictureDesk

Am Freitag findet in Katar die Auslosung zur Fußball-WM 2022 statt. Im Vorfeld hielt die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness eine beeindruckende Rede und ging mit dem Fußball-Weltverband und Katar hart ins Gericht.

Es waren scharfe Worte, die man in den Kreisen der mächtigsten Menschen der Fußball-Welt nur selten zu hören bekommt. Anlässlich der am Freitag (1. April) stattfindenden Gruppenauslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren befindet sich derzeit das Who Is who des internationalen Fußballs in Doha, der Hauptstadt von Katar. Eine der wenigen anwesenden Frauen in der Runde nutzte am Donnerstag (31. März) die Gelegenheit, um den Fußball-Weltverband FIFA und den WM-Austragungsort zu kritisieren.

Norwegische Verbandschefin Lise Klaveness: Kritik an FIFA und Katar

Die Frau, um die sich alles seit Donnerstag dreht, ist die Norwegerin Lise Klaveness. Für Jahre spielte sie für das Frauen-Nationalteam. Nach ihrer Zeit als Anwältin und Richterin erhielt Klaveness 2018 den Job als Direktorin der Profifußballabteilung im norwegischen Fußballverband, vor nicht einmal einem Monat wurde die 40-Jährige zur Präsidentin des gesamten Verbands gewählt. In einem ihrer ersten öffentlichen Auftritte wandte sich Klaveness in Doha nun direkt an FIFA-Präsident Gianni Infantino und die katarischen Veranstalter.

Klaveness schreckte nicht davor zurück, eines der heikelsten Problemfelder der FIFA anzusprechen. Die Rede ist von den Menschenrechtsverletzungen, die beim Bau der Fußballstadien in Katar stattgefunden haben sollen. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sollen seit 2010, als in dem Land im Mittleren Osten die WM vergeben wurde, rund 15.000 Gastarbeiter ums Leben gekommen sein. „Die verletzten Gastarbeiter oder die Familien derjenigen, die bei der Vorbereitung der Weltmeisterschaft ums Leben gekommen sind, müssen versorgt werden“, sagte Klaveness und forderte alle, auch die FIFA, auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, „um wirklich einen Wandel herbeizuführen“.

Schon im letzten Jahr, bevor die WM-Qualifikationsspiele abgeschlossen wurden und Norwegen sich dafür nicht qualifizieren konnte, wurde im skandinavischen Verband ernsthaft über einen Boykott diskutiert. Darüber wurde in Norwegen sogar abgestimmt, am Ende entschied man sich aber doch „für den Dialog und den Druck durch die FIFA als besten Weg, um notwendige Veränderungen herbeizuführen“, wie Verbandschef Klaveness erklärte.

Klaveness: „Kein Platz für Führungspersönlichkeiten, die kein Frauenspiel ausrichten können“

Ein weiterer Punkt auf der Agenda von Lise Klaveness war die Forderung für mehr Gleichberechtigung im Fußball. Die norwegische Verbandschefin forderte mehr Sicherheit und Respekt für LGBTQAI+-Personen. Zudem gäbe es keinen „Platz für Führungspersönlichkeiten, die kein Frauenspiel ausrichten können“. Dabei bezieht sich die Norwegerin auf das vor wenigen Tagen absolvierte Match zwischen dem Iran und Libanon, wo es iranischen Frauen trotz gültiger Eintrittskarten nicht erlaubt war, ins Stadion zu kommen. Proteste vor dem Stadion wurden Medienberichten zufolge mit Pfefferspray aufgelöst. Nun wird über einen möglichen Ausschluss der iranischen Herren-Nationalmannschaft bei der WM diskutiert.

Abschließend wandte sich Klaveness nochmals direkt an FIFA-Präsident Infantino und den gesamten Kongress: „Ich werde oft gefragt, wie es ist, in einer Männerwelt zu arbeiten. Ich antworte immer: Ich tue es nicht. Ich arbeite nicht in einer Männerwelt. Der Fußball gehört allen Mädchen und Buben auf der Welt.“ Ihre Rede erhielt übrigens kaum Applaus, Infantino regierte nur mit einem verschmitzten Lächeln. Um wirkliche Veränderung zu erreichen, wird es also wohl nicht der letzte Aufruf dieser Art gewesen sein müssen.

Schon seit den Olympischen Winterspielen in China zeigt sich deutlich, wie eng verstrickt Sport und Politik sind. Auch jetzt bei der Herren-Fußball-WM ab November in Katar sehen wir wieder: Sport und Politik kann man nicht einfach trennen.

Auch interessant

Kommentare