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73 ermordete Menschen: Neue Gedenkstätte für NS-Opfer im Burgenland

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Von: Johannes Pressler

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Aufnahme der neuen Gedenkstätte für NS-Opfer in Langental im Burgenland.
Langental im Burgenland: Die neue Gedenkstätte für die Opfer aus der NS-Zeit. © Gemeinde Großwarasdorf

In Langental im Burgenland gibt es nun eine Gedenkstätte für die dortigen Opfer des NS-Regimes. Die meisten davon waren Romnja und Roma.

Langental ist ein kleiner Ortsteil von Großwarasdorf im burgenländischen Bezirk Oberpullendorf. Am Ostermontag (18. April) wurde hier eine neue Gedenkstätte eingeweiht. Sie soll an die Opfer der NS-Diktatur im Zweiten Weltkrieg erinnern. Damit möchte die Gemeinde ein dunkles Kapitel ihrer Geschichte aufarbeiten.

Gedenkstätte für 73 ermordete NS-Opfer, burgenländischer Künstler erhielt den Auftrag

Nur rund 91 Menschen leben in Langental (Stand: 2021), die Geschichte ist hier allerdings eine äußerst prägende - besonders in Hinblick auf die Zeit von 1938 bis 1945. Mit der neuen Gedenkstätte möchte man an die Frauen, Männer und Kinder aus der Gemeinde Großwarasdorf erinnern, die dem NS-Terror zum Opfer fielen. Insgesamt 73 Menschen wurden vom NS-Regime in dieser Gegend ermordet, so steht es in den Dokumenten. Grund für die Tötungen waren entweder politischer Widerstand oder jene Menschen hätten laut den Nationalsozialist:innen wegen Erkrankungen beziehungsweise Behinderungen „kein Lebensrecht“ gehabt. 69 davon gehörten der Volksgruppe der Roma an.

In die Wege geleitet wurde das Gedenkprojekt nach einem Gemeinderatsbeschluss im Jahr 2018 auf Initiative des burgenländischen Lehrers und Politikers Joško Vlasich (Grüne). Den Auftrag für die Errichtung der Gedenkstätte erhielt der aus der Region stammende Künstler Peter Kedl. Für jedes der 73 Opfer steht nun im Langentaler Ortszentrum ein Stahl-Glaskörper mit dem Namen der oder des Betroffenen. Das Ziel von Kedl sei gewesen, einen Begegnungsplatz mit versöhnender und friedensstiftender Wirkung zu kreieren. „Es ist gut, sich zu begegnen. Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, versöhnend zu wirken“, sagte der Künstler im Juli 2021 gegenüber dem ORF.

Romnja und Roma von NS-Regime verfolgt, Gedenkstätte als Symbol des Erinnerns

Die Zeit des Nationalsozialismus war für viele Menschen geprägt von Flucht und Verfolgung. Besonders für bestimmte Teile der Bevölkerung war das so, denn laut Adolf Hitler und seiner Ideologie hätte nur die „deutsche Volksgemeinschaft“ eine Daseinsberechtigung gehabt. So wurden vom NS-Regime sechs Millionen jüdische Menschen ermordet. Auch die Bevölkerungsgruppe der Roma blieb nicht verschont. Die genaue Opferanzahl ist hier nicht bekannt, weit verbreitet als symbolische Zahl sind 500.000 Romnja und Roma, die in der NS-Dikatur getötet wurden. In der Wissenschaft wird heute meist von etwa 200.000 Opfern gesprochen, selbst wenn die Forschungsgrundlagen immer noch lückenhaft sind. Zumindest 69 von ihnen haben nun in Langental einen offiziellen Ort, an dem an sie erinnert wird.

Die Volksgruppe der Roma ist in Österreich übrigens erst seit 1993 offiziell anerkannt. Wie wichtig es generell ist, an den NS-Terror und vor allem die leidtragenden Opfer zu erinnern, sieht auch Martin Karall (ÖVP) so. Er ist Bürgermeister von Großwarasdorf. Besonders in Zeiten, wo selbst auf europäischen Boden Krieg herrscht, sei es umso wichtiger, solche Gedenkstätten wie in Langental als Symbole des Erinnerns und des Friedens hochzuhalten. Ganz wichtig sei für den Bürgermeister, Bewusstsein zu schaffen, damit man nicht vergesse, was passiert ist und wie man es in Zukunft besser machen solle.

Obwohl es mittlerweile mehr als ein dreiviertel Jahrhundert her ist, als der Zweite Weltkrieg begann, müssen wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, wie furchtbar der Holocaust durch das NS-Regime war. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner haben wir dazu mit der 92-jährigen Zeitzeugin Lucia Heilman gesprochen.

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