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Skandal: Fynn Kliemann ließ Masken in Asien statt in Europa produzieren - minderwertige Modelle für Geflüchtete

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Von: Jana Stäbener

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Fynn Kliemann und Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale.
Fynn Kliemann soll 100.000 fehlerhafte Masken an Flüchtlinge verschenkt haben – wissentlich. © Hauke-Christian Dittrich/dpa, Screenshot ZDF Magazin YouTube (Collage)

Dieser Text erschien zuerst am 4. Mai 2022.

Jan Böhmermanns „ZDF Magazin“ deckt auf, dass Influencer Fynn Kliemann nicht nur beim Standort seiner Textilproduktion log – er verschenkte auch minderwertige Masken an Geflüchtete.

„Ups, aus Versehen Video vorab veröffentlicht“: Mit dieser Beschreibung veröffentlichte das ZDF Magazin Royale in der Nacht auf den 6. Mai die Sendung, die eigentlich immer erst am Freitagabend ausgestrahlt wird. Damit schlägt das ZDF den Unternehmer und Musiker Fynn Kliemann mit seinen eigenen Waffen. Der 34-Jährige hatte vier Tage zuvor die Konfrontation des ZDF [Anm. d. Red.: Konfrontationen werden den betroffenen Personen einer Investigativ-Recherche vor Veröffentlichung geschickt] öffentlich gemacht und in einem 27-minütigen Instagram-Video darauf reagiert. Er sei ein Fan von „transparenten Gesprächen“, sagt er in dem Statement (siehe unten). Er wolle deswegen alle Fragen der ZDF-Redaktion „per Video“ beantworten.

Fynn Kliemann´s Masken: Vor vier Tagen teilte er ein Statement, um ZDF Magazin zu verhindern

Von seinen Fans wurde er laut Übermedien für diese „Transparenz“ gefeiert. „Genial, wie offen“ er sich äußere, schreiben manche unter dem Video-Post vom 2. Mai 2022. Dabei sei es gar nicht so transparent, bewertet Übermedien, ein Magazin, das sich mit Journalismus beschäftigt. Er verhalte sich „feige“ und hätte sich der Berichterstattung stellen müssen, heißt es im Artikel über sein Statement. Günter Bartsch vom Netzwerks Recherche sagt, dass Kliemann mit seinem Post dem von ihm angeblich so geschätzten investigativen Journalismus schade. Das Ziel seiner Veröffentlichung sei gewesen, den Beitrag des ZDF zu verhindern, was nicht wirklich im Sinne der Meinungsfreiheit sein könne.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemandem bewusst war (außer dem ZDF Magazin): Der Musiker und erfolgreiche Allround-Unternehmer hatte wirklich „Dreck am Stecken“ und wollte vermutlich deswegen eine Ausstrahlung des ZDF Magazin Royale verhindern. Das ZDF Magazin reagiert auf sein Video-Statement also damit, dass es die Sendung schon vorab auf YouTube veröffentlicht. Unter dem Video schreibt es: „Fynn “fimbim” Kliemann, Everybody´s Darling. [Wie kann er] der Gesellschaft etwas zurückgeben? Klare Sache, mit schützenden Corona-Masken ne schnelle Mark verdienen. Super fair trade und natürlich made in Europe. Oder steht da was anderes auf dem Lieferschein?“

100.000 „falsche Masken“ an Flüchtlingscamps verschenkt – Böhmermann deckt auf

In der etwa 28-minütigen Sendung deckt das Redaktions-Team um Jan Böhmermann auf, dass Fynn Kliemann und sein Geschäftspartner Tom Illbruck mit der Textil-Firma „Global Tactics“ nicht, wie behauptet, in Europa produzieren, sondern in Bangladesch und Vietnam. Weil die Kund:innen und Abnehmer das nicht wissen sollen, habe er nach Angaben des ZDF Magazins sogar geordert, die Pakete anders beschriften zu lassen.

Außerdem hatten Kliemann und sein Geschäftspartner 100.000 „falsche Masken“ an Flüchtlingscamps in Samos (Griechenland) und Bihac (Bosnien) gespendet. Als Beweis dafür zeigt Böhmermann Chatverläufe und Sprachnachrichten von Tom Illbruck und Fynn Kliemann. „Krise kann schon geil sein“, schreibt Kliemann in einer Nachricht. Mit diesem Zitat teilt Jan Böhmermann das Video Donnerstagnacht auf Twitter. „Musste ein wenig flunkern“, schreibt er in einem zweiten Tweet. „Unsere Sendung ist jetzt schon online.“

Fynn Kliemann´s Masken: Twitter-User:innen sind entsetzt

Auf Twitter trendet der Hashtag #fynnkliemann mittlerweile. User:innen sind entsetzt, dass ein Unternehmer, der angeblich so viel Wert auf Gleichheit und „Transparenz“ legt, offen diskriminierend handelt. „Wenn dir die Entsorgung mangelhafter Masken zu teuer ist und du sie deshalb an Geflüchtetenlager spendest. Unglaublich“, schreibt ein:e User:in (siehe unten).

Andere Nutzer:innen nehmen die Sache, obwohl sie so ernst ist, mit Humor: Dieser User fragt sich, wie Fynn Kliemanns morgen nun nach der Vorab-Veröffentlichung des ZDF Magazins aussehen könnte und postet ein entsprechendes Meme von einem „Kliemannsland“ in Flammen [Anm. der Red.: Das Kliemannsland ist eine Art Kreativprojekt und eine Mischung aus Freizeitpark und Feriensiedlung. Er wird von Kliemann als „bester, freister Staat der Welt“ bezeichnet].

Ein User stellt zur Recherche von Böhmermann eine wichtige Frage, die auch wir von BuzzFeed News bisher nicht beantworten können: Wer hat die Chatverläufe und Informationen eigentlich geleakt?

Thomas Spitzer, Comedian und Podcaster, schreibt: „Ich finde, Jan Böhmermann und Fynn Kliemann sollten ihre Differenzen im Ring klären.“ Er spielt damit darauf an, dass die beiden sich eigentlich immer gut verstanden hatten. Hazel Brugger (verheiratet mit Spitzer) schreibt dazu: „Ich will das moderieren“.

Diese:r User:in bemitleidet vor allem die Personen, die sich einen Songtext von Fynn Kliemann tätowieren haben lassen...

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