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7 Gründe, warum das Festnetztelefon nicht verschwinden sollte

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Von: Felicitas Breschendorf

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Eine Frau, die telefoniert. Telefonierst du auch noch über das Festnetz?
Retro oder Comeback? Telefonierst du noch über Festnetz? © Westend61/ Imago

Große Tasten, kleiner Bildschirm: Kommt das Telefon zurück? Junge Menschen telefonieren laut einer Umfrage wieder öfter übers Festnetz.

Mit einem Handy wird ein Festnetztelefon überflüssig – könnte man meinen. Fakt ist, immer mehr junge Menschen telefonieren wieder über Festnetz. Nach einer neuen Umfrage des Medieunternehmens Verivox greifen in diesem Jahr 70 Prozent der 18 bis 29-Jährigen zum Telefon. Das sind immerhin zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Eigentlich nicht überraschend von der Gen Z, die gerade die Trends der 200er zurückbringt. Aber auch die Millennials, von denen sich viele lieber einen Hund statt ein Kind wünschen, hängen wieder häufiger am fest installierten Hörer. 44 Prozent der jungen Menschen telefonieren laut der Umfrage sogar mehrmals die Woche per Festnetztelefon.

Warum telefonieren so viele junge Menschen wieder mit einem Festnetztelefon? Ich bin 1996 geboren, gehöre also zur Generation Z. Ich kenne das stationäre Telefon noch aus meiner Jugend. Meine Eltern hatten eines im Haus. Ich hatte aber zusätzlich sogar eins in meinem Zimmer, damit meine Eltern ihres auch noch verwenden konnten, wenn ich stundenlang mit Freundinnen telefoniert habe. Mein Telefon hatte eine Wahlscheibe, was schon damals ziemlich retro war. Und ich muss sagen: Ich vermisse das Oldschool-Telefonieren.

Hier sind 7 Gründe, warum ich gerne an das Festnetztelefon zurückdenke – und warum es sich lohnt, dem klobigen Gerät auch im Jahr 2022 eine Chance zu geben:

1. Der Klingelton

„Ring, ring, ring.“ Erinnerst du dich auch noch an dieses Geräusch, das durchs ganze Haus schallt? Ein Telefon klingelt lauter und eindringlicher als ein Handy – vor allem aber nostalgischer. Wenn ich diese eine bestimmte Melodie höre, muss ich deshalb immer an mein Elternhaus denken: wie ich schnell die Treppen runtergerannt bin, um pünktlich dranzugehen. Ein Telefon hat man ja nicht immer neben sich wie ein Handy, nach dem man in der Regel nur seinen Arm etwas recken muss.

Löst dieser typische Klingelton nostalgische Erinnerungen bei dir aus?

Oder bist du in einem von den Haushalten groß geworden, die ein klassisches Stück auf Lager hatten? „Für Elise“ von Beethoven beispielsweise.

2. Der Anrufbeantworter

„Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Ton.“ Den Satz hört man heutzutage selten, oder? Am besten waren aber die ganz persönlich gesprochenen Anrufbeantworter: „Hallo, hier ist Familie Meyer, Marco, Lena, Lisa und Lukas. Wir sind leider gerade nicht da. Hinterlasst uns doch einfach eine Nachricht, dann rufen wir später zurück. Danke!“

Oder der Moment, wenn man nach Hause kam und sich die vielen Nachrichten anhören musste. Besonders, wenn man gerade aus dem Urlaub zurückkam, konnte das ganz schön lange dauern. „Ja, hier ist Kathi, ich rufe nur an wegen eurer Katze. Also die hat während ihr weg wart auf euren Teppich gepinkelt. Aber sonst alles gut. Meld dich doch mal, wenn ihr wieder da seid!“

3. Die Verbindung ist stabiler

Jeder weiß, wie schlecht die mobile Datennutzung in Deutschland manchmal funktioniert. Oft gibt es keinen Empfang. Manche Dörfer in meiner Heimat im Schwarzwald sind so große Funklöcher, dass man auf WhatsApp quasi verzichten muss.

Ein großes Problem ist die Handy-Nutzung innerhalb der Wohnung. „Noch mehr Menschen als im Vorjahr telefonieren über stationäre Anschlüsse, weil das Handynetz zu Hause unzureichend ist.“, sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox gegenüber dem Unternehmen. 38 Prozent der jungen Menschen entscheiden sich deshalb für das Festnetztelefon.

4. Es ist günstiger

Den Telefonanschluss hat man nicht nur automatisch zu Hause. Telefonieren in den eigenen vier Wänden ist auch günstiger als über das Handy. Bei Aldi Talk zahlt zum Beispiel bei jedem Telefonat elf Cent pro Minute (wenn man keinen Handyvertrag hat). Wenn man stundenlang telefoniert, kann es also ganz schön teuer werden. Wären die Preise für mobiles Internet niedriger, würden laut der Umfrage deshalb 41 Prozent der jungen Nutzer:innen auf einen Festnetzanschluss verzichten.

5. Es ist verdammt praktisch, denn der Anschluss ist bei deinem Internetvertrag dabei

Meine Kollegin befindet sich mit ihrem Alter zwischen Millenial und Gen Z. Im Gegensatz zu mir hat sie aber ein Festnetztelefon. Nicht bei ihren Eltern zu Hause etwa, sondern in ihrer eigenen Wohnung. Als Grund dafür nennt sie, dass der Festnetzanschluss automatisch bei ihrem Internetvertrag dabei war. „Das ist sehr praktisch“, hat sie mir erklärt. Sie schließt sich damit den Gen Z der Verivox-Studie an. Dass der Anschluss ohne weitere Kosten dabei ist, trifft nämlich auf die meisten Internetverträge in Deutschland zu. 55 Prozent der Befragten entscheiden sich deswegen für das Telefon.

Bei den Millenials geht die Meinung in eine Richtung. 19 Prozent seien davon genervt, dass der Telefonanschluss weiter beim Internetvertrag dabei sind, heißt es bei Verivox. Sie wollen einen reinen Internetanschluss ohne Telefoniermöglichkeit. Stattdessen wünschen sie sich, dass endlich auf „schnelles und stabiles Internet“ wertgelegt werde, so Theumer.

6. Telefonieren ist das bessere SMS-Schreiben

Das viele Tippen auf dem Handy ziemlich nervig. Das trifft besonders auf Gespräche zu, bei denen man etwas Größeres zu besprechen: Zum Beispiel, wenn man von einem Erlebnis erzählen will oder einen Streit klären muss. Na klar, kann man auch über das Handy machen. Es fühlt sich aber anders an, als mit einem Telefon. Allein die ovale Form des Hörers, der sich perfekt in die Handfläche schmiegt. Bei der Umfrage bevorzugen sogar 63 Prozent der jungen Menschen das klassische Telefonieren mit Hörer in der Hand.

Telefonieren über das Festnetz hat zudem einen besonderen Charme. „Man nimmt sich richtig Zeit für die Telefonate“, hat mir meine Kollegin erzählt, die über Festnetz hauptsächlich mit ihren Eltern telefoniert. „Ich finde es ein schönes Gefühl, auf dem Festnetz angerufen zu werden. So nach dem Motto: Da denkt jemand an dich.“ Auf dem Handy sei man ja sowieso immer „online“. „Da ist es nichts Besonderes mehr.“

7. Festnetznummern auswendig kennen

Warst du einmal in der Situation, in der du dein Handy verloren hast und jemanden erreichen musstest? Man kann sich ja einfach ein Handy von jemand anderem leihen. Aber naja, wie war nochmal ihre oder seine Nummer? „Weißt du die auswendig?“ Handynummern sind ja auch viel länger als beim klassischen Telefon. Sieht schlecht aus. In der Umfrage von Verivox ist jetzt herausgekommen, dass durch den neuen Festnetz-Hype wieder mehr junge Menschen (77 Prozent) ihre Telefonnummer auswendig kennen als im Vorjahr (65 Prozent).

Es kann auch zu anderen Problemen führen, dass viele heutzutage ihre eigene Handynummer nicht kennen. Zum Beispiel kann es sein, dass man beim Amt ist und sie dringend angeben muss, gerade aber sein Handy nicht parat hat. Wir empfehlen deshalb: Mehr Festnetz für alle!

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