1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Gender

„Lust auf Reden“: Mit ihrer neuen Kampagne will die Aids Hilfe Wien Scheu nehmen

Erstellt:

Von: Christian Kisler

Kommentare

Die Präsentation der Aids Hilfe Wien-Kampagne „Lust auf Reden“
Mit der neuen Kampagne der Aids Hilfe Wien „Lust auf Reden“ soll das Sprechen über sexuelle Gesundheit kein Tabu mehr sein. © Heinz Stephan Tesarek/Aids Hilfe Wien/APA-Fotoservice/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Wenn Partner:innen einander körperlich begegnen, gibt es auch im Jahr 2022 noch viel Unausgesprochenes. Eine neue Kampagne will das enttabuisieren.

Ein gutes, ein gelungenes Leben, zumindest eines, in dem du dich halbwegs wohlfühlst, dazu braucht es in Wahrheit doch recht viel und ist bei allen anders gewichtet: gute Freund:innen, auf die du dich verlassen kannst, einen vollen Eiskasten und genug gesunde Nahrung, ein Zuhause, in dem du gerne lebst, finanzielle Sicherheit, einen Menschen an deiner Seite, den du liebst.

Über all das haben wir auch kein Problem zu sprechen, ein Teil ist aber immer noch ein Tabu, auch im Jahr 2022: sexuelle Gesundheit. Sie ist untrennbar mit unserer körperlichen und geistigen Gesundheit verbunden. Dabei geht es einerseits um unsere Bedürfnisse, darum, was wir wollen und was nicht, was uns erfüllt und was weniger, wovon wir träumen, wovor wir Angst haben. Andererseits geht es tatsächlich um sexuell übertragbare Krankheiten, von Aids über Genitalherpes bis zu den sich derzeit auch in Europa ausbreitenden Affenpocken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht sexuelle Gesundheit seit bereits über 20 Jahren als Teil der allgemeinen Gesundheit, und trotzdem: Sie ist nach wie vor ein Tabuthema, sprechen will niemand darüber. Eine neue Kampagne der Aids Hilfe Wien mit dem Namen „Lust auf Reden. Gemeinsam für sexuelle Gesundheit“ soll das nun ändern. Immerhin ist sexuelle Gesundheit ein fundamentales Menschenrecht, sie ist letztlich untrennbar mit Wohlbefinden und Lebensqualität verbunden.

Wir trauen uns nicht, über sexuelle Gesundheit zu sprechen

 „Viel zu selten trauen wir uns über unsere sexuelle Gesundheit zu sprechen. Oft gilt es noch als Tabu, unsere Bedürfnisse, Wünsche, Probleme oder auch Ängste anderen gegenüber auszudrücken und das kann zu gesundheitlichen Belastungen führen“, erklärt Andrea Brunner, Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien, bei der Präsentation der Kampagne. Und weiter: „Sowohl, wenn es um die Prävention von Krankheiten geht oder den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen als auch generell um Wohlbefinden oder Selbstakzeptanz – sexuelle Gesundheit darf kein Tabu mehr sein.“

Zu den häufigsten Risikofaktoren, die deine sexuelle Gesundheit beeinträchtigen können, zählen nicht nur die schon erwähnten sexuell übertragbare Infektionen. Sondern auch eine Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens, etwa durch mangelndes Selbstbewusstsein oder tatsächlich durch psychische Erkrankungen, Probleme in der Beziehung, Stress im Studium oder im Beruf und selbstverständlich auch Alkohol- und Drogenkonsum - das kann deiner Performance im Bett auf Dauer ordentlich zusetzen.

So gesehen ist es nur logisch, wer die Kooperationspartner:innen der Kampagne der Aids Hilfe sind, nämlich die Österreichische und die Wiener Ärztekammer sowie das Institut für Sexualpädagogik. Gefördert wird die Präventionskampagne vom Dachverband der Sozialversicherungsträger. „Den Hausärztinnen und Hausärzten, die ihre Patientinnen und Patienten oft medizinisch ein Leben lang begleiten, kommt beim Thema sexuelle Gesundheit eine wichtige Rolle zu“, erläutert Naghme Kamaleyan-Schmied, 1. Stellvertretende Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien sowie Allgemeinmedizinern. „Sie sind Vertrauenspersonen und kennen die Gesundheitsgeschichte und Lebensumstände.“

Es gibt für die Ärztinnen und Ärzte umfangreiche Infomaterialien, auch sonst werden Broschüren und Plakate auf das Thema aufmerksam gemacht. Außerdem wird es Fortbildungen, Workshops und Gesprächsgruppen geben. Auch auf Instagram, TikTok und Facebook wird die Kampagne beworben.

Du kannst selbst zu deiner sexuellen Gesundheit beitragen

Du selbst kannst aber auch zu deiner sexuellen Gesundheit beitragen, etwa, indem du dir klarmachst, was dir selbst Lust bereitet, du die Grenzen anderer wahrnimmst und vor allem achtest. Leichter gesagt als getan, ist es, sich im eigenen Körper wohlzufühlen, egal, wie du gebaut bist - Stichwort: body positivity.

Auch Bedürfnisse und Probleme solltest du offen ansprechen, etwa wenn du etwas in der Beziehung vermisst. Sexuelle Gesundheit hängt stark mit den Grundbedürfnissen nach Nähe, Geborgenheit und Anerkennung zusammen, wie man heute weiß, nicht zu vergessen mit der Zufriedenheit in der Partner:innenschaft und ihrer Qualität.

Und nicht zuletzt geht es darum, dein Wissen über sexuell übertragbare Krankheiten zu erweitern und Hemmschwellen abzubauen, dich testen, beraten und, wenn es nötig ist, behandeln zu lassen. Dafür ist die Kampagne „Lust auf Reden. Gemeinsam für sexuelle Gesundheit“ schließlich gedacht.

In Wien entsteht übrigens das erste LGBTQIA+-Jugendzentrum.

Auch interessant

Kommentare