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10 Dinge, die du Frauen gegenüber machst und die dich als „alten weißen Mann“ entlarven

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Von: Emily Erhold

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Vladimir Putin und Donald Trump.
Symbolbild: In der Politik gibt es genügend alte weiße Männer. © Itar-Tass/Zuma Wire/Imago/BuzzFeed Austria

Wir schreiben das 21. Jahrhundert. In vier Wellen haben Feminist:innen mühsam die Rechte der Frauen erkämpft. Im Alltag ist das Patriarchat aber noch fest verankert. Das zeigen immer wieder die „alten weißen Männer“.

Oft sind es nur kleine Aussagen, Gesten oder Verhaltensweisen, die Frauen gegenüber nicht mehr in Ordnung sind und es streng genommen auch nie waren. Wer folgendes tut, ist im Herzen ein „alter weißer Mann“ - unabhängig, welches Geschlecht eine Person tatsächlich hat:

1. Aus dem nichts heraus „Lach doch mal“ sagen

Es gibt zu viele Frauen, die diese Szene kennen: Wir gehen die Straße entlang, denken an nichts Böses und plötzlich fordert uns ein wildfremder Mann auf, doch bitte zu „lächeln“. „Lach doch mal“, „mit einem Lächeln würdest du viel hübscher aussehen“, „wieso schaust denn so grantig?“: Alles Aussagen, die sich fremde Männer aus irgendeinem Grund selbst erlauben, wenn sie einer fremden Frau auf der Straße begegnen.

Das Ganze mag nicht so schlimm klingen. Jeder, der sich jetzt ein bisschen ertappt fühlt, denkt sich vielleicht: „Man muss ja nicht alles so ernst nehmen.“ Das Problem ist aber, dass die meisten dieser Männer nur Frauen zum Lächeln auffordern. Auf einen fremden Mann zuzugehen und zu fragen „Wieso schaust du denn so ernst?“ würde sich keiner von ihnen trauen. Denn dieses von der Gesellschaft erwartete Lächeln bezieht sich überwiegend auf das weibliche Geschlecht. Immerhin sind Frauen dazu da, um nett zu lächeln, lieb zu nicken und jedem cis Mann den Tag zu versüßen, oder?

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2. Einer Frau, die ihre Meinung sagt, mit den Worten „sei nicht so kratzbürstig“ antworten

Und weil viele Männer oft unterbewusst von Frauen erwarten, im öffentlichen Raum als Dekoelement aufzutreten, sind sie es auch nicht gewohnt, wenn ihnen eine als Frau gelesene Person widerspricht oder ihren Unmut über eine Situation kundtut. Weibliche Führungskräfte gelten oft entweder als zu streng oder nicht durchsetzungsfähig. Die Forschung zeigt: Sowohl Frauen als auch Männer verbinden Eigenschaften wie „Durchsetzungskraft“ oder „Zielstrebigkeit“ mit dem männlichen Geschlecht. Frauen schreibt man historisch hingegen die Attribute „sanft“ und „liebevoll“ zu.

Eine Frau, die selbstbewusst und ohne Lächeln ihre Meinung äußert, kann also nur „kratzbürstig“ sein, oder?

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3. Eine weiblich gelesene Person fragen: „Hast du deine Tage?“

Das gleiche Prinzip wie oben erwähnt, ist auch hier der Fall: Ist eine Frau einmal schlecht gelaunt, dann gibt es für den typischen „alten weißen, Mann“ nur einen Grund: Die Periode.

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4. Einer Frau hinterherstarren

Noch viel zu oft müssen sich Frauen auf der Straße von fremden cis Männern anstarren lassen. Wer jetzt denkt, „man wird doch wohl noch schauen dürfen“: Ja, natürlich! Jeder darf im öffentlichen Raum hinschauen, wo er möchte. Zwischen Schauen und Starren liegen aber Welten und lasst euch sagen: Letzteres ist nicht nur unangenehm, sondern lässt uns im schlimmsten Fall auch bedroht fühlen.

Eine Frau darf sich im öffentlichen Raum bewegen, ohne als Objekt gesehen zu werden. Denn eindeutige Blicke sind nicht nur ein unschuldiger Ausdruck von Sexualität. In einer Gesellschaft, in der Frauen aufgrund ihres Geschlechts historisch gesehen immer wieder auf ihren Körper reduziert wurden, ist dreistes Hinterherstarren leider noch immer auch Ausdruck von Unterdrückung - sorry an alle, die schon die Gegenargumente in ihren Kopf notiert haben. Sollten sich die Machtstrukturen irgendwann einmal ändern, nehmen wir einen „unschuldigen Blick“ vielleicht auch nicht mehr so ernst.

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5. Catcalling!

Meistens ist es so, dass es nicht nur beim Hinterherstarren bleibt. Catcalling, also sexuell anzügliches Rufen oder Pfeifen, gehört auch heute noch zum Alltag einer jeden Frau. „Du hast einen echt schönen Hintern“, „Du wärst viel süßer in High Heels!“, „Glaubst bist was Besseres?“: Das sind nur wenige Beispiele von Catcalls, die bei den Aktivist:innen hinter dem Instagram-Account „catcallsof.vie“ eingegangen sind. Und nein: Catcalls sind keine Komplimente.

6. Eine weiblich gelesene Person beim Einstellungsgespräch fragen, ob sie vorhat, demnächst schwanger zu werden

In Österreich ist es Arbeitgeber:innen nicht erlaubt, diese Frage zu stellen. Viele Frauen wissen: Das hält niemanden davon ab, es doch zu tun. Die Familienplanung ist vor allem, wenn es um die Karriere von Frauen geht, ein Hindernis. Wer bereits Mutter ist, hat es sogar noch schwerer. Laut einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung haben kinderlose Frauen höhere Chancen, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Bei Männern spiele der Vater-Status hingegen keine Rolle.

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7. „Du bist so ein Mädchen“ als Beleidigung verwenden

Ja, was soll ich dazu sagen. Das ist genauso wenig in Ordnung, wie „schwul“ als Beleidigung zu verwenden. Es gibt im Österreichischen so viele großartige Schimpfwörter, um einer verhassten Person zu zeigen, was ich von ihr halte. Wir schlagen vor: „Trottl“, „Wappler“, „Lulubärli“, „Gschissener“!

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8. Das Wort „Karrierefrau“ verwenden und Frauen, die keine Kinder haben wollen, verurteilen

Ebenso wenig wie uns die Familienplanung von Männern interessiert, sollte uns die Familienplanung von Frauen interessieren. „Karrierefrau“ zu sein, ist ja eigentlich etwas Positives. Viel zu oft wird das Wort leider abschätzend und verurteilend benutzt. Vor allem, wenn es darum geht, dass die betroffene Person, alleine lebt und keine Kinder hat. „Sie ist halt so eine Karrierefrau“, würde der stereotypische weiße Mann mit rollenden Augen sagen.

Und wo ist der „Karrieremann“? Achso, den gibt es nicht. Wieso extra ein Wort für ein Phänomen erfinden, das gar kein Phänomen ist, richtig?

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9. Frauen, die zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern, verurteilen

Komischerweise werden Frauen nicht nur verurteilt, wenn sie sich dazu entscheiden, keine Kinder zu bekommen. Seitdem Frauen auch eigene Karrieren haben können, werden sie auch dann kritisiert, wenn sie sich aktiv dazu entscheiden, zu Hause zu bleiben und sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern. Recht machen können sie es heutzutage niemanden mehr. Die moderne Frau muss nicht nur die Knödel kochen, sie muss sie auch verdienen und am besten auch die Küche aufräumen.

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10. Als Frau glauben, andere Frauen müssen ebenso hart für ihren Erfolg arbeiten wie du und sich auch in der „Männerwelt“ behaupten

Eine Frau entlarvt sich dann als „weißer Mann“, wenn sie bereits Erfolg hat, es aber keiner anderen Frau gönnt. Meistens äußert sich das darin, dass sie in ihrem Leben allen strukturellen Hindernissen zum Trotz Erfolg hatte. Statt aber ihren Nachfolgerinnen das Leben etwas zu vereinfachen, ist sie lieber auch nur eine weitere Spielerin auf dem patriarchalen Spielbrett und legt ihnen Steine in den Weg. Immerhin hat sie ja auch kämpfen müssen.

In den letzten 100 Jahren hat sich in Bezug auf Frauenrechte viel getan. Doch während es rechtlich schon lange möglich ist, dass Frauen eigene Karrieren haben, ist es aufgrund der alteingesessenen Strukturen in vielen Branchen noch immer schwer, Fuß zu fassen. In den Medien werden diese Bereiche oft als „Männerwelten“ bezeichnet.

Frauen, die es in diesen Branchen bis in Führungspositionen geschafft haben, werden gerne wie ein taffes Einhorn behandelt - die Managerin: ein Fabelwesen, das es nur aus Erzählungen gibt und dem jede:r nur einmal im Leben begegnet. Hat sie es erst einmal geschafft, heißt das aber noch lange nicht, dass die sogenannte gläserne Decke durchbrochen ist. Den sie ist nur einer von vielen Tropfen, die das Fass hoffentlich irgendwann füllen werden.

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