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Die erste Richterin am pakistanischen Obersten Gericht stieß auf viel Widerstand

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Von: Emily Erhold

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Der oberste Gerichtshof in Pakistan.
Das Oberste Gericht in Pakistan hat nun endlich auch eine Richterin © Xinhua/Imago

Ayesha Malik heißt die erste Frau am Obersten Gericht von Pakistan. Ihre Ernennung zur Richterin ist ein Meilenstein, der nicht jedem gefällt.

Ihre neuen Kollegen drohten sogar damit, zu streiken.

In a Nutshell

Ayesha Malik: Ernennung mit Hindernissen

Sie ist 55 Jahre alt und hat bereits eine beachtliche Karriere als Richterin hinter sich. Nun schaffte Ayesha Malik etwas, was noch keiner Frau vor ihr möglich war: Sie wurde zur Richterin am Obersten Gericht in Pakistan ernannt. Mit offenen Armen wurde sie in diesem Amt aber nicht empfangen. Ein großer Teil ihrer neuen Kollegen war gegen ihre Ernennung. Einige drohten sogar mit Streiks, sollte sie tatsächlich das Amt einer Oberstern Richterin bekleiden.

Im September 2021 lehnte der Justizausschuss die Ernennung von Malik eigentlich ab, nachdem vier von acht Mitgliedern gegen sie gestimmt hatten. Als Grund für die Ablehnung gab man damals ihr zu geringes Dienstalter an. Doch damit war die Sache nicht gegessen. Die Organisation „Women in Law Pakistan“ setzte sich für die Ernennung Maliks zur Obersten Richterin ein. Die Justizkommission schlug sie ein zweites Mal vor. Jetzt konnte sich die Richterin mit fünf von diesmal neun Stimmen ganz knapp durchsetzen.

Viele Richter und Anwälte kritisieren dieses Vorgehen. Aber nicht aufgrund ihres Geschlechts, wie sie selbst sagen, sondern weil Malik nicht genug Seniorität hätte. Ihre Ernennung würde den sogenannten Dienstranglisten widersprechen, nach denen man in Pakistan normalerweise die Richter des Obersten Gerichts ernenne. Die „Women in Law“-Initiative weist diese Kritik aber zurück. Die Vorstellung, dass nur die dienstältesten Richter:innen ernannt werden müssten, sei laut der Organisation ein Mythos. Dennoch haben mehrere Anwälte im Land bereits angekündigt, Verhandlungen, die von Malik geleitet werden, zu boykottieren.

Malik erklärte Jungfräulichkeitstests als rechtswidrig

Es ist nicht das erste Mal, dass Ayesha Malik für Schlagzeilen sorgt. Anfang letzten Jahres erließ sie ein wegweisendes Urteil, dass Jungferntests nach Vergewaltigungen für verfassungswidrig erklärte. Konkret ging es um den „Zweifingertest“ in der pakistanischen Provinz Punjab. Mit dieser „Untersuchung“ wurde nach einer Vergewaltigung mit dem Einführen von zwei Fingern ermittelt, wie sexuell aktiv das Opfer sei. Das floss teilweise in die Beurteilung von Fällen ein. Malik urteilte 2021, dass dieses Vorgehen „keinen forensischen Wert“ habe, auf gut Deutsch also für das Gericht absolut unnötig sei.

Es gab auch Freude über die erste Frau am Obersten Gericht

Es gab aber auch genügend Stimmen, die sich positiv über die Ernennung Maliks, die sich seit Jahren für Frauenrechte einsetzt, freuten. Die Abgeordnete der Regierungspartei Aliya Hamza Malik etwa nannte den Meilenstein sogar „historisch“. Viele pakistanische Aktivist:innen und Politiker:innen nannten die Berufung der ersten Obersten Richterin einen Fortschritt für Frauenrechte. „Auf dass wir die gläserne Decke durchbrechen“, schrieb die Politikern Maleeka Bokhari auf Twitter.

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