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Betty White war keine Feministin, aber sie war eine feministische Ikone

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Von: Emily Erhold

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Bildmontage: Fotos von Betty White.
Betty White ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Sie war nicht nur eine Verbündete der LGBTQIA+ Community, sondern auch eine feministische Ikone. © Dennis Van Tine/DPA Picture Alliance/APA-PictureDesk/ BuzzFeed Austria

Betty White war Schauspielerin, Verbündete der LGBTQIA+ Community und - obwohl sie sich selbst nie Feministin nannte - ein Vorbild für die Frauenbewegung.

Am 31. Dezember starb das letzte „Golden Girl“, das sich durch seine Filme und Serien als Großmutter der USA in die Herzen der Zuseher:innen gespielt hat.

Betty White war die Großmutter, die wir alle gerne gehabt hätten

Weiße Föhnfrisur, spitze Nase, roter Lippenstift, breites Lächeln: Das Gesicht von Betty White ist jedem bekannt. Die spätere Königin der Comedy hatte bereits Ende der 1930er- und Anfang der 1940er-Jahren kleinere Fernsehrollen. Ihr Durchbruch kam aber dann doch recht spät. Mit der Rolle der Rose Nylund in „Golden Girls“ katapultierte sie ihre Karriere aufs nächste Level. In der Serie, die 1985 erstmals ausgestrahlt wurde, geht es um vier ältere Frauen, die gemeinem in einer Wohngemeinschaft in Miami leben. Die Show war aus mehreren Gründen seiner Zeit weit voraus. Tabuthemen wie Sex im Alter, Homosexualität und AIDS wurden in der für damalige TV-Verhältnisse unüblichen Comedy-Show thematisiert.

Auch Betty White selbst war ihrer Zeit weit voraus. Sie war eine arbeitende Frau, die mehr als 80 Jahre lang im Fernsehgeschäft arbeitete. Sie war eine lustige Frau in den 1980ern, die nicht als Sexsymbol berühmt wurde. Sie war eine starke Verbündete der LGBTQIA+ Community. Und sie war für viele Feministinnen ein Vorbild, auch wenn sie selbst mit modernem Feminismus wenig zu tun hatte. Betty White war die Großmutter, die wir alle gerne gehabt hätten: staubtrocken, unheimlich lustig und vor allem nicht voreingenommen.

Die „alte Schachtel“ setzte sich für gleichgeschlechtliche Ehe ein

Vor allem in der LGBTQIA+ Szene genoss Betty White eine große Gefolgschaft. Das war der „alten Schachtel - wie sie sich selbst einmal bezeichnete - durchaus bewusst. „Schwule lieben alte Ladys“, erklärte sie sich dieses Phänomen einmal scherzhaft. Tatsächlich war sie aber auch einfach eine wichtige Verbündete für die Community. Sie sprach sich offen für gleichgeschlechtliche Ehe aus.

Wenn ein Paar schon so lange zusammen ist - und es gibt gleichgeschlechtliche Beziehungen, die stabiler sind als heterosexuelle - dann ist es doch okay, wenn es heiraten möchte.“

Betty White, 2010

In einem Interview mit der Huffington Post sagte sie 2012: „Es interessiert mich nicht, mit wem du schläfst. Mich interessiert nur, ob du ein guter Mensch bist. Ich denke, der Rest geht mich nichts an.“ Es sind trockene Aussagen wie diese, die Betty White nicht nur zur Königin der Comedy, sondern auch zur Königin der Inklusion machten.

Betty White gab Menschen eine Stimme, die keine hatten

Egal in welchem Bereich, Betty White setzte sich auf subtile Art und Weise für Gleichheit und gegen Diskriminierung ein. In den 50ern gründete sie ihre eigene Produktionsfirma. Sie war damals nur eine von zwei Frauen, die im Showbusiness nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera einen Namen für sich machte.

Ebenfalls in den 50ern startete die Schauspielerin, Produzentin und Moderatorin ihre eigene Show. Für „The Betty White Show“ engagierte sie eine Regisseurin, um im männlich dominierten Showbiz auch Frauen eine Stimme geben zu können. Frauen blieben aber nicht die einzige unterrepräsentierte Gruppe, die von Betty White ins Rampenlicht gesetzt wurden. Arthur Duncan, ein junger Schwarzer Tänzer, hatte mehrere Auftritte in der Show. Dafür wurde White auch ordentlich kritisiert, doch das ließ sie ziemlich kalt. „Lebt damit“, waren ihre Worte an all jene, die sich über einen Schwarzen im Fernsehen aufregten.

Betty White versuchte ihre hart erarbeitete und erfolgreiche Karriere dafür zu nutzen, anderen Menschen eine Stimme zu geben. Und das, ohne dabei selbst als Aktivistin wie etwa Jane Fonda aufzutreten. Selbst als Feministin wollte sie sich nie bezeichnen. In ihrer Autobiografie „Here we go again“ aus dem Jahr 1995 kritisierte sie den modernen Feminismus sogar dafür, dass er kein Verständnis dafür aufbringe, wie die Situation für Frauen war, die sich im 20. Jahrhundert im Showbusiness einen Namen machten.

Ohne auf die Zehen von Feministinnen treten zu wollen, möchte ich darauf hinweisen, dass dies eine andere Zeit und ein anderer Ort war, und man kann die heutigen Werte nicht auf die Welt vor über 40 Jahren münzen.“

Betty White, „Here We Go Again“, 1995

Betty White hatte einfach eine Vagina

Auch wenn es oftmals so wirkte, als hätte Betty White Männer lieber als Frauen, war sie trotzdem ein feministisches Vorbild. Ihre Serien „Golden Girls“ und „Hot in Cleveland“ hatten einen starken, weiblichen Cast. Ihre Rolle als Gastmoderatorin bei „Saturday Night Life“ brachte ihr nicht nur einen Emmy ein, sondern präsentierte erstmals auch eine Vielzahl an Sketches, in der Frauen im Fokus standen.

Alleine ihre 80-jährige Karriere, die Ende der 1930er-Jahre gestartet war, reicht aus, um für viele Feministinnen ein Vorbild zu sein. Kurz gesagt, die Frau hatte einfach Eier, obwohl ihr dieser Ausdruck vielleicht gar nicht gefallen würde. Vielleicht ist es passender zu sagen, dass Betty White eben einfach eine richtige Vagina hatte. Denn in ihrem 2011 erschienen Buch, schrieb sie:

Warum sagen die Leute ‚lass dir ein paar Eier wachsen‘? Eier sind schwach und empfindlich. Wenn du taff sein willst, lass dir eine Vagina wachsen. Diese Dinger können was einstecken.“

Betty White, „If You Ask Me“, 2011

Die Schauspielerin, die selbst keine leiblichen Kinder hatte, war nicht nur die Großmutter der USA, sie war auch die Großmutter der Inklusion. Die Großmutter, die viele junge Menschen aus der LGBTQIA+ Community gerne gehabt hätten und die Großmutter, die feministisch war, ohne feministisch zu sein. Sie verstarb im Alter von 99 Jahren, nur 18 Tage vor ihrem 100. Geburtstag.

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