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Alles, was du über den Equal Pension Day wissen musst

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Pensionsversicherungsanstalt Wien PV
Frauen erhalten noch immer weniger Pension. © Willfried Gredler-Oxenbauer/APA Picturedesk

Der Equal Pension Day macht Jahr für Jahr auf die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen aufmerksam. In Österreich fiel er vergangenes Jahr auf den 1. August.

In Österreich bezogen Frauen im Jahr 2021 eine wesentlich geringere Rente als Männer ‒ statistisch gesehen ganze 851,00 Euro monatlich weniger. Diese Differenz lässt sich auf ein deutlich geringeres monatliches Erwerbseinkommen und daraus resultierende geringere Beitragszahlungen an die Pensionskasse zurückführen.

Hinzu kommt, dass jede zweite Frau in Österreich aufgrund der Doppelbelastung von Beruf und Familie ohnehin nur in Teilzeit arbeitet, wodurch sich die Beiträge noch einmal erheblich reduzieren. Zudem leisten Frauen mit Haushalt, Kindererziehung und/oder der Pflege von Angehörigen einen Großteil an unbezahlter Arbeit, sodass ganze Beitragsmonate bzw. ganze Beitragsjahre wegfallen.

Geschichte des Equal Pension Day

Erstmals ausgerufen wurde der Equal Pension Day im Jahr 2015 durch den Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes. Seither machten Jahr für Jahr die Frauenbeauftragten in den Städten mit Straßenaktionen, Flyern und Broschüren auf die ungerechte Gender-Pension-Gap aufmerksam. Langfristiges Ziel des Aktionstages ist die endgültige Schließung der Rentenlücke zwischen Mann und Frau. Ein Ziel, das nach Berechnung des Momentum Instituts bei gleichbleibender Entwicklung vermutlich erst im Jahr 2128 realisiert werden kann.

Was wird am Equal Pension Day gemacht?

Der Equal Pension Day gilt als Aktionstag, der mit öffentlichkeitswirksamen Beiträgen darauf hinweisen möchte, dass das österreichische Rentensystem noch weit von einer Gleichstellung zwischen Mann und Frau entfernt ist. Im Jahr 2021 fiel der Equal Pension Day auf den 1. August. An diesem Tag hatten österreichische Männer bereits so viel an Rente erhalten, wie Frauen erst zum Jahresende erhalten würden. Dies bedeutete um 41,6 Prozent niedrigere Pensionsbezüge gegenüber männlichen Pensionären. Allerdings galt dieser Prozentsatz bezogen auf ganz Österreich.

Starke Unterschiede innerhalb der Bundesländer

Innerhalb der einzelnen Bundesländer fand der Equal Pension Day an verschiedenen Tagen statt und verwies noch einmal auf gravierende Unterschiede in den Pensionsbezügen:

Wie stark die regionalen Unterschiede sind, zeigte der Vergleich zwischen Wien und Vorarlberg besonders deutlich. Denn während Wien als einziges Bundesland seinen Equal Pension Day im September beging, erhielten Frauen in Vorarlberg sogar nur rund die Hälfte der männlichen Rentenbezüge ausbezahlt.

Anforderungen an die Politik

Weniger Beitragsjahre, Erwerbsunterbrechungen und Arbeit in schlecht bezahlten Branchen bedeuten für viele Frauen ein Leben in Altersarmut. Um Pensionen von Frauen und Männern in Zukunft anzugleichen, müssen Einkommensgerechtigkeit und Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie verbessert werden. Hierzu gehört, dass bezahlte „frauentypische Arbeit“ aufgewertet wird und dass unbezahlte Haus- und Betreuungsarbeit nicht allein auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden darf. Zudem können berufstätige Mütter nur dann einer geregelten Tätigkeit nachgehen, wenn ein angemessenes Angebot an Kinderbetreuung vorhanden ist und die Arbeitszeiten flexibel gestaltet werden können.

Die Politik fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit und schlägt konkret automatisches Pensionssplitting vor, wobei der arbeitende/die arbeitende Partner:in die Hälfte seiner Pensionsansprüche an denjenigen/diejenige Partner:in abtritt, der die Kinder erzieht. Auch eine Stärkung der Finanzkompetenz junger Mädchen und Frauen sowie gute Verdienst- und Karrieremöglichkeiten in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) könnten sinnvolle Maßnahmen sein, um die Summe der Rentenbeiträge zu erhöhen und gleichzeitig die Differenz in der Gender-Pension-Gap zu verringern.

Von Gabi Knapp

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