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In Teilzeit-Jobs arbeiten vor allem Frauen: Im Alter gehen sie deswegen oft leer aus

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Von: Emily Erhold

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Bildmontage: Verkäuferin hinter der Theke einer Bäckerei und eine Frau, die ihr Geld zählt und aufteilt.
Frauen müssen mit durchschnittlich 41 Prozent weniger Pension auskommen als Männer. © Shotshop/bonn-sequenz/Imago/BuzzFeed Austria

Noch immer arbeiten vorwiegend Frauen in Teilzeit-Jobs. Auch in der Pension bedeutet das weniger Geld. Altersarmut betrifft vor allem die weibliche Bevölkerung.

Arbeitsminister Martin Kocher löste diese Woche einen heftigen Shitstorm auf Twitter aus. Hintergrund war seine Aussage zur Bekämpfung des Arbeitskräfteproblems in einem Interview mit dem „Standard“. Frauen, die Teilzeit angestellt sind, müssten nur „ein paar Stunden mehr“ arbeiten, so der Minister. Der schlecht formulierte Sager bringt aber ein großes österreichischen Problem auf den Punkt: Teilzeit ist hierzulande überwiegend weiblich. Das ist nicht nur schlecht für die Entwicklung am Arbeitsmarkt, sondern vor allem auch für die betroffenen Frauen.

Frauen stecken in der Teilzeit-Falle

47,3 Prozent der berufstätigen Frauen arbeiteten 2020 in Teilzeit. Bei den Männern waren es nur 10,7 Prozent. Ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern, der sich nicht nur auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, sondern vor allem auf das Leben der betroffenen Frauen auswirkt.

Es gibt verschiedene Gründe, warum vor allem Frauen Teilzeit-Jobs nachgehen. Oft gibt es einfach nicht den passenden Vollzeit-Job für Frauen. Auch der Wunsch nach weniger Arbeit und mehr Freizeit ist bei Frauen wie bei Männern ein Thema. Der Unterschied zwischen den Gehältern spielt aber eine viel wichtigere Rolle. Frauen verdienen durchschnittlich noch immer weniger als Männer (Gender Pay Gap).

Das fließt wiederum in die Entscheidung mit ein, wer zu Hause bei den Kindern bleibt oder wer im Ernstfall Angehörige pflegt. Diese unbezahlte Care-Arbeit übernehmen - Überraschung - vor allem Frauen. Die Betreuungspflichten sind dann ein weiterer Grund, wieso Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen. Hier braucht es in Österreich vor allem mehr Kinderbetreuungsplätze, um Frauen aus der Teilzeit-Falle zu holen.

Frauen bekommen im Alter weniger Geld: Der Gender Pension Gap

Die Teilzeit-Beschäftigung von Frauen führt zu einem anderen Problem, das wir in Österreich haben. Die Lücke zwischen den Pensionen von Männern und Frauen ist extrem groß. In Österreich beträgt dieser sogenannte Gender Pension Gap 41 Prozent. Wer Teilzeit arbeitet, zahlt eben weniger in die Pensionskasse ein.

Natürlich ist das nur einer von vielen weiteren Gründen, wieso Frauen im Alter oft leer ausgehen. Frauen arbeiten beispielsweise auch vorwiegend in Jobs, die zwar wichtig, aber schlecht bezahlt sind. Das zeigt sich vor allem in der Pandemie: In acht von elf systemrelevanten Berufen gibt es einen höheren Frauenanteil. „Jobs etwa im Pflegebereich werden in Form von Entlohnung nur wenig wertgeschätzt. Hier ist es wichtig, dass diese Tätigkeiten aufgewertet werden“, erklärt uns die Politikwissenschafterin Stefanie Wöhl, die zu Diversität und Gendergerechtigkeit forscht.

Bekommt eine Frau ein Kind, muss sie ihren Job unterbrechen. Manche Mütter entscheiden sich zudem freiwillig dazu, zu Hause bei den Kindern zu bleiben und gar nicht mehr arbeiten zu gehen. Unbezahlte Arbeit wie Kinderbetreuung oder die Betreuung von Pflegenden fließen kaum in die Pensionshöhe mit ein.

Frauen sind stärker von Altersarmut betroffen

Möglichkeiten, die Pensionen auszugleichen, gibt es bereits. In der Pensionsversicherung können sich Eltern bis zu vier Jahre als Kindererziehungszeiten anrechnen lassen. Außerdem gibt es die Möglichkeit des Pensionssplittings, bei dem der erwerbstätige Elternteil 50 Prozent seiner Pensionskontogutschrift für die ersten sieben Jahre dem Elternteil, der sich vorwiegend um die Kinder gekümmert hat, übertragen lassen kann. Trotzdem muss noch mehr getan werden. Denn noch immer sind mehr Frauen als Männer von Altersarmut betroffen.

2020 gab es laut Statistik Austria insgesamt 216.000 Menschen über 65, die von akuter Armut betroffen waren. Davon waren 145.000 weiblich. Expert:innen fordern deshalb immer wieder, dass die unbezahlte Arbeit noch stärker in die Pensionsberechnung einfließen muss. Bei der Teilzeit-Arbeit muss ebenfalls angesetzt werden. Der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen wäre hier ein erster Ansatz. Außerdem braucht es eine Aufwertung von Berufen, in denen vorwiegend Frauen arbeiten.

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