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Frauenquote: Geschichte, Gründe und Umsetzung in Österreich

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Von: Natascha Berger

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Die Frauenquote soll Frauen nicht nur Chancengleichheit in der Arbeitswelt einräumen, sondern auch patriarchale Strukturen aufbrechen. In Österreich wird sie bisher nur teils umgesetzt.

Die Frauenquote ist wohl eine der meist diskutiertesten Themen, wenn es um Frauen in Politik und Arbeitswelt geht. Obwohl als weiblich gelesene Personen die Hälfte der Bevölkerung bilden, sind sie in vielen Branchen und vor allem in Führungspositionen und Vorständen noch immer unterrepräsentiert. Um das zu ändern, fordern viele Menschen eine gesetzliche oder interne Frauenquote. Das bedeutet: Eine geschlechtsbezogene Quotenregelung, wenn es um die Besetzung von Stellen oder Ausschüssen geht.

Frauenquote in der Arbeitswelt? So argumentieren Befürworter:innen

Um eine Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen, braucht es vor allem eins: Chancengleichheit. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist in der Arbeitswelt alles andere als ein Ding der Vergangenheit. Denn, obwohl Frauen den gleichen Zugang zu Ausbildung haben wie Männer, sind Führungspositionen immer noch zum Großteil männlich besetzt. Alleine in den 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs beträgt der Anteil der Geschäftsführerinnen nur neun Prozent.

Demonstranten mit Plakat The Future Is Equal auf dem Internationalen Frauentag unter dem Motto Feiern Streiken Weiterkaempfen am 8. Maerz in Berlin.
Um Chancengleichheit zu schaffen und patriarchale Strukturen aufzubrechen, fordern viele Menschen eine Frauenquote. © IMAGO / IPON

Das soll sich durch die Frauenquote ändern. Eines der wichtigsten Argumente für die Frauenquote ist, dass die Vergangenheit zeigt: Ohne Verpflichtung ändert sich nicht wirklich etwas. Die aktuelle fast männliche Führungselite sieht meist keinen Grund, etwas an den Strukturen zu ändern, wenn es keinen Zwang gibt. So erklärt sich unter anderem, wieso auch 2021 nur 14 der derzeit 192 Vorstandsmitglieder in Österreichs börsennotierten Unternehmen weiblich sind.

Effizientere und familienfreundliche Unternehmen: Gründe für Frauen in Spitzenpositionen

In vielen Führungspositionen sitzen Männer - und die stellen nach dem Prinzip der größten Gleichheit auch wieder Männer ein. Die Frauenquote könnte laut Befürworter:innen also eine höhere Chancengleichheit schaffen und die patriarchalen Strukturen in Unternehmen aufheben. Befürworter:innen argumentieren außerdem, dass eine Frauenquote für mehr Gerechtigkeit sorgt. Für viele Frauen kommt eine Führungsposition wegen Kindern nicht infrage. Eine Frauenquote würde Unternehmen zwingen, der Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Kindeswunschs ein Ende zu setzen und familienfreundliche Unternehmen zu fördern.

Zudem belegen mehrere Studien, dass gemischte Führungsteams effizienter und kreativer sind und zu einer Verbesserung der Unternehmensstruktur beitragen. Das wiederrum wirkt sich positiv auf das Wirtschaftswachstum aus.

„Beseitung der Diskriminerung der Frau“: Die Geschichte der Frauenquote

Die Frauenquote geht auf das „Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ (CEDAW) zurück. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen zu Frauenrechten wurde 1979 von der UN-Generalversammlung verabschiedet und trat zwei Jahre später in Kraft. Das Ziel: „Mit allen geeigneten Mitteln unverzüglich eine Politik zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau zu verfolgen.“ Im Jahr 1990 setzte sich die UN-Frauenstatuskommission erstmals ein konkretes Ziel. Ein Frauenanteil von 30 Prozent in Regierungen, Parteien, Gewerkschaften und anderen repräsentativen Gruppen sollte bis 1995 erreicht werden.

Seitdem erfolgte die Umsetzung der Frauenquote in unterschiedlichen Bereichen, wie etwa der Politik oder der Wirtschaft und zu unterschiedlichen Bedingungen. Während einige Unternehmen in Österreich und auch Deutschland die Frauenquote aus Eigeninitiative eingeführt haben, werden auch gesetzliche Quotenregelungen diskutiert. Da auch heute Frauen in den meisten Unternehmen immer noch unterrepräsentiert sind, ist die Debatte der Frauenquote auch 40 Jahre nach der Frauenrechtskonvention noch brandaktuell.

Frauenquote in Österreich: Gesetzliche Regelungen für Wirtschaft und Politik

Die Grundlagen für eine Frauenquote in Österreich ist im Bundes-Verfassungsgesetz festgeschrieben:

Maßnahmen zur Förderung der faktischen Gleichstellung von Frauen und Männern insbesondere durch Beseitigung tatsächlich bestehender Ungleichheiten sind zulässig.

Bundes-Verfassungsgesetz Österreich, Artikel 7(2)

Gesetzlich verankert war in Österreich bis 2017 nur eine Quotenregelung im öffentlichen Dienst. Diese wurde bereits 1993 eingeführt und liegt seit 2012 bei 50 Prozent. Seit 2018 ist noch eine weitere gesetzliche Frauenquote hinzukommen: Der Österreichische Nationalrat beschloss, dass in börsennotierten Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigen unter bestimmten Bedingungen ein Prozent-Frauenanteil von 30 Prozent in den Gremien erreicht werden soll. Seit Einführung der Frauenquote gibt es zwar 44 Aufsichtsrätinnen mehr, doch fast ein Viertel der betroffenen börsennotierten Unternehmen erfüllt die Quote noch nicht (Stand Jänner 2021).

In der österreichischen Politik gibt es keine gesetzliche Frauenquote. Einige Parteien haben sich für eine interne Quotenregelung entschieden und profitieren davon seit 2019: Wenn der Frauenanteil mindestens 40 Prozent beträgt, gibt es einen Bonus von drei Prozent. In der Bundesregierung, im Nationalrat und auf Länderebene sind Frauen in Österreich unterrepräsentiert. Vor allem in den Gemeinden: Im April 2021 hatten nur 9,5 Prozent der Gemeinden eine Bürgermeisterin.

So stehen Kritiker:innen zur gesetzlichen Frauenquote

Die Frauenquote ist ein viel diskutiertes Thema. Viele Kritiker:innen führen an, dass eine Frauenquote zur Benachteiligung von Männern führe und zugleich diskriminierend für Frauen sei, weil davon ausgegangen wird, dass diese es nicht ohne Gesetze in Führungspositionen schaffen könnten. Auch wird angeführt, dass es nicht genügend qualifizierte Frauen gäbe und dass man somit unterqualifizierte Frauen in Führungspositionen einstellen müsse.

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