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Das Hockurinal soll mehr Gleichberechtigung auf öffentlichen WCs bringen

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Von: Sophie Marie Unger

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Das Missoir ist ein Hockurinal für Frauen und in Deutschland vorhanden
Das „Missoir“ ist ein Hockurinal für Frauen - für ein gerechteres Pinkeln. © Instagram

Als Frau ist der Gang zur Toilette nicht immer das schnellste Unterfangen. Vor allem bei Events müssen sich Frauen auf lange Schlagen einstellen. Mit dem „Missoir“ soll das bald Geschichte sein.

Wer kennt‘s nicht: Obwohl man zu Hause oder bei der Vorglühlocation eh nochmal das stille Örtchen aufgesucht hat, hat die weibliche Blase im Club dann oft doch kein Erbarmen. Von einem Fuß auf den anderen hüpfend bewegen wir uns dann in Richtung Toiletten. Nicht selten wartet eine lange Schlange und natürlich läuft ein Typ lachend an uns vorbei, denn der kann chillig gleich mal aufs Pissoire gehen. Danke für nix. Das könnte sich mit dem sogenannten „Missoir“ bald ändern.

Was ist ein „Missoir“?

Das „Missoir“ ist das erste Hockurinal für Frauen. Es besteht aus einem Abfluss (ähnlich wie bei einer Dusche), einem Spritzschutz, zwei Halterungen, einem Fach für das Klopapier und einem Behälter für Desinfektionsmittel. Und das Beste dran: Es wird weder Wasser noch Chemie verwendet und verschwendet. Außerdem ist die Toilette geruchlos. Und was ist die Mission? Die oben beschrieben Situation zeigt, dass dieses Grundbedürfnis bei Frauen und Männern oft nicht gleichberechtigt gestillt wird. Mit dem „Missoir“ soll das Pinkeln gerechter werden.

Wer steht dahinter?

Eine One Woman Show. Erfinderin ist die in Berlin lebende Lena Olvedi. Sie selbst hat die ungute Situation, für‘s Pinkeln lange anstehen zu müssen, oft genug erlebt. In einem Berliner Club hatte sie es dann satt. „Ich fragte mich: Warum haben Männer eigentlich zwei Optionen und ich nicht?“, sagte Olvedi. Daraufhin entwarf sie kurzerhand das erste Urinal für Frauen. Sie recherchierte dafür ausführlich, um Frauen das Pinkeln so angenehm wie möglich zu gestalten.

„Für uns Frauen ist die Hocke aus anatomischer Sicht die natürlichste Haltung dafür. Deshalb ist „Missoir“ ein Hockurinal, das in den Boden eingelassen ist“, erzählt sie in Hinblick auf das Design. 2018 testete sie ihr allererstes Urinal für Frauen auf einem Festival und bekam durchwegs positive Rückmeldungen. Grund genug, um 2019 ein Patent für das „Missoir“ anzumelden.

Welche Herausforderung gibt es?

Die Konstruktion an sich ist einwandfrei. Dabei gibt es übrigens auch mehrere Varianten: drei Urinierplätze, die nebeneinander im Boden angebracht sind und nur durch Halterungen getrennt sind - sprich, man pinkelt nebeneinander. Und das fest eingebaute Modell, welches man in einer Kabine vorfindet. Problematisch war und ist da eher die Vervielfältigung. Denn das Toiletten-Game wird ganz klar von Männern dominiert.

Bei der Suche nach einer Installateurin, einer Herstellerin oder einem Investor wurde sie von einigen schräg angeschaut, auch abwertende Kommentare musste Olvedi hinnehmen. Sie ließ unter anderem in Mails ihren Vornamen weg, um nicht nur aufgrund ihres Geschlechts eine Absage zu erhalten. Trotz der Pandemie gelang es ihr aber, mehrere fixe und mobile „Missoirs“ in Berlin zu installieren. Die Reaktionen sind derweil durchwegs extrem positiv. Auch für Österreich wäre das wünschenswert.

Warum ist Pinkeln zurzeit noch immer ungerecht?

„Es kann nicht sein, dass sich bei den Citytoiletten wie zum Beispiel in Berlin Stehpinkler kostenfrei erleichtern können, während alle anderen 50 Cent zahlen müssen“, sagt Olvedi. Das Grundbedürfnis solle für jede Person gleichermaßen befriedigt werden können, meint sie. „Ich will damit etwas bewegen und verändern“, sagt Olvedi. Ihr Ziel: Überall wo es Pissoirs gibt, soll es künftig auch Missoirs geben.

Was hat das Missoir mit Nachhaltigkeit zutun?

Für Olvedi war von Vorherein klar, dass ihre „Missoirs“ unbedingt nachhaltig sein müssen, deshalb kommt ihre Konstruktion ohne Chemie und Wasser aus. Zudem kooperiert Olvedi mit Anbieter:innen, die klimaneutrale Toiletten herstellen. Beim Klopapier achtet sie darauf, dass es ökologisch ist und nur als Einzelabnahme zur Verfügung steht.

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