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Equal Pay Day: Wieso Frauen noch immer weniger verdienen als Männer

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Von: Emily Erhold

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Demonstrantinnen am Weltfrauentag mit Protestschildern.
Demonstrantinnen fordern am Weltfrauentag 2021 gleichen Lohn für gleiche Arbeit © Alexander Pohl/Action Press/APA-PictureDesk

Am 15. Februar 2022 war es wieder so weit. Frauen haben bis dahin gratis gearbeitet. Grund dafür: Frauen verdienen immer noch weniger als Männer. Diese Lücke wird oft unter dem Begriff Gender Pay Gap zusammengefasst. Doch so einfach ist es nicht.

Denn der Gender Pay Gap bezeichnet zwei unterschiedliche Phänomene.

Gender Pay Gap: Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit

Der Mann verdient das Geld, die Frau ist zu Hause beim Kind: Es ist noch gar nicht so lange her, da war dieses Szenario kein veraltetes Klischee, sondern einfach nur eine Tatsache. Doch auch im 21. Jahrhundert ist dieses Bild noch lange nicht aus der Gesellschaft verschwunden. Es verblasst nur ganz langsam, der Rahmen ist dabei aber noch der gleiche - auch wenn er mittlerweile etwas zu bröckeln begonnen hat. Der Rahmen: Das sind die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedinungen, die das traditionelle Familienbild weiterleben lassen.

Und die sind ganz schön vielfältig. Zum einen sind es noch immer Frauen, auf die Kindererziehung und unbezahlte Pflegearbeit zurückfällt - Arbeit, die nicht bezahlt wird (Einer Studie zufolge arbeiten Mütter in Deutschland im Schnitt 4,5 Stunden am Tag unbezahlt*)Aus diesen Gründen arbeiten Frauen auch öfters in Teilzeit-Jobs, was sich wiederum auf den unterschiedlichen Stundenlohn zwischen Männer und Frauen auswirkt. Außerdem sind Berufe, in denen typischerweise vor allem Frauen arbeiten, meist auch schlechter bezahlt. Auch Diskriminierung aufgrund des Geschlechts schlägt sich im Gender Pay Gap nieder.

Der Unterschied zwischen unbereinigtem und bereinigtem Gender Pay Gap

Wichtig ist aber festzuhalten, dass Gender Pay Gap nicht gleich Gender Pay Gap ist. Denn es gibt zwei verschiedene Arten, wie die Lohnschere berechnet wird. Zum einen gibt es da den unbereinigten, zum anderen den bereinigten Gender Pay Gap.

Der unbereinigte Gender Pay Gap berücksichtigt die gesellschaftlichen Strukturen, die dazu führen, dass Frauen durchschnittlich weniger verdienen. Die gesellschaftlichen Strukturen sind der oben erwähnte Rahmen unseres Bildes. Sie beinhalten die geschlechterspezifischen Unterschiede, die zu einem unterschiedlichen Durchschnittslohn von Männern und Frauen führen. Zum einen beteiligen sich Frauen noch immer öfter als Männer an unbezahlter Arbeit wie Kinderarbeit und Pflegearbeit (das wird auch Gender Care Gap genannt). Hier fließen wieder traditionelle Geschlechterrollen mit ein. Eine Studie der Statistik Austria aus dem Jahr 2018 fand etwa heraus, dass 39 Prozent der Frauen aufgrund von Kinderbetreuung beruflich zurückstecken mussten, während es bei den Männern nur fünf Prozent waren. Während Männer eher Überstunden schieben, müssen Frauen nach dem Feierabend oft noch stundenlang unbezahlte Care Arbeit leisten. Unter anderem aus diesem Grund arbeiten Frauen noch immer häufiger als Männer in Teilzeit-Jobs oder unterbrechen ihre Arbeit für längere Zeit. Hinzu kommt, dass von der Gesellschaft als „Frauenarbeit“ angesehene Berufe, also jene Branchen, wo tendenziell mehr Frauen arbeiten, niedriger bezahlt werden.

All diese Faktoren fließen in die Berechnung des unbereinigten Gender Pay Gaps. Dieser Betrug in Österreich 2020 übrigens 18,5. Frauen verdienten in diesem Jahr also um 18,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ist deutlich über dem Durchschnitt in der gesamten Europäischen Union. Denn innerhalb der EU beträgt die Lücke 14,1 Prozent.

Doch diese ganzen strukturellen Unterschiede zwischen Männer und Frauen können nicht den ganzen Umfang der Lohnlücke erklären. Der kleine Rest, der sich dadurch nicht erklären lässt, ist der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap. Rechnet man also Faktoren wie Berufswahl, Arbeitsumfang (Teilzeit oder Vollzeit) oder den Anteil unbezahlten Arbeit heraus, bleibt trotzdem noch ein Lohnunterschied zurück. Laut Eurostat lag dieser in Österreich im Jahr 2014 bei 9,4 Prozent. Warum dieser Rest bleibt, lässt sich nicht so leicht erklären.

Direkte Diskriminierung der Geschlechter kann natürlich einer der Gründe sein. Eine Studie aus dem Jahr 2012 zeigt, dass geschlechterspezifische Diskriminierung noch immer Teil unserer Gesellschaft ist. Im Zuge einer Studie der amerikanischen Yale Universität hat man zwei fast identische Lebensläufe an Hochschulprofessor:innen verteilt, um vermeintlich potenzielle Laborleiter:innen einzustellen. Der einzige Unterschied: Die Vornamen. Eine Gruppe an Professor:innen bekam den Lebenslauf, auf dem der Name Jennifer stand, die andere bekam den vermeintlichen Lebenslauf von John. Obwohl die Dokumente exakt gleich waren, wurde John ein höherer Lohn angeboten.

Ob Diskriminierung tatsächlich einen Teil des bereinigten Gender Pay Gaps erklärt, ist nicht mit Zahlen belegt. Auch, was die anderen Faktoren sein könnten, ist nur schwer zu erklären. Tatsache ist aber, dass Frauen im Jahr 2014 in Österreich noch immer um 9,4 Prozent weniger verdient haben als Männer - und das bei gleicher Tätigkeit.

Gender Pay Gap: Lösungsansätze

Um die Lücke in Österreich zu schließen, fordern etwa die Grünen mehr Lohntransparenz. Die Frauensprecherin der Partei, Meri Diskosi, will etwa verpflichtende Einkommensberichte für Unternehmen ab 35 Mitarbeiter:innen, die von über den Betriebsrat für alle zugänglich gemacht würden. Die SPÖ-Frauenvorsitzende, Eva-Maria Holzleitner, fordert mehr Ganztagsplätze in Kinderbetreuungseinrichtungen.

Zusätzlich werden von Expert:innen auch immer wieder Lösungen wie die Aufwertung typischer „Frauenarbeit“, also soziale Arbeit oder Gesundheits- und Pflegearbeit vorgeschlagen oder die Einführung von Geschlechterquoten auf Führungsebene.

Das Problem der Einkommenslücke lässt sich dennoch immer wieder auf das traditionelle Geschlechterbild zurückführen. Erst, wenn dieser komplett verblasst, die ungleichen Rahmenbedingungen zur Gänze abgebröckelt sind, kann es eine Chance geben, die Kluft endgültig zu schließen. Und dieses Vorhaben ist nicht nur für die Gleichstellung der Geschlechter wichtig, sondern auch wirtschaftlich relevant. Denn der Gender Pay Gap ist nicht nur Symptom einer ungleichen Gesellschaft, er spielt ihr auch gleichzeitig in die Karten. Verdienen die Männer im Schnitt mehr als die Frauen, ist es nur logisch, dass sich viele Familien nicht leisten können, das traditionelle Familienbild von Hausfrau und arbeitenden Mann zu durchbrechen.

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