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Es ist 2022 und die Geschlechterunterschiede am Arbeitsmarkt haben sich seit den 90ern kaum verbessert

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Von: Emily Erhold

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Zwei Männer diskutieren im Büro, während eine Frau telefoniert.
Seit den 90er-Jahren hat gab es nur wenig Fortschritt, wenn es um Einkommensgleichheit geht. © Addictive Stock/Imago

Wir scheinen die Basics der Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht zu haben. Der Weltungleichheitsbericht 2022 zeigt wieder einmal, wie langsam wir sind.

Er zeigt, dass nur etwa ein Drittel des weltweiten Arbeitseinkommens von Frauen erwirtschaftet wird. Dieser Anteil hat sich in den letzten 32 Jahren kaum verändert. Auch ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen noch immer zu hoch ist.

Der Frauenanteil am weltweiten Einkommen hat sich seit 1990 kaum verändert

Laut dem Weltungleichheitsbericht 2022 sind wir zu langsam, wenn es um die Einkommensgleichheit von Geschlechtern geht. Der Bericht hat den Frauenanteil am weltweiten Einkommen berechnet. Weniger als 35 Prozent des Geldes kommt hier von Frauen. Im Jahr 1990 lag der Anteil bei 30 Prozent. Wirklich viel hat sich die letzten 32 Jahre also nicht getan. Und das, obwohl Frauen in vielen Ländern der Welt einen höheren Bildungsabschluss haben als Männer.

„In einer geschlechtergerechten Welt würden Frauen 50 Prozent des gesamten Arbeitseinkommens verdienen“, heißt es in dem Bericht. Wenn es so weiter geht, haben wir dieses Ziel vielleicht aber erst in 100 Jahren erreicht. Übrigens ist der Frauenanteil in keinem Teil der Welt wirklich stark angestiegen. In Nordamerika wuchs die Zahl zwischen 1990 und 2020 von 34 auf lediglich 28 Prozent. Auch in Westeuropa sieht es nicht anders aus. In Russland blieb der Frauenanteil am Arbeitseinkommen ziemlich konstant von etwas unter 40 auf etwas über 40 Prozent. In China ist er sogar gesunken.

Frauen arbeiten nicht weniger

Schauen wir uns den Gender Pay Gap (Unterschied zwischen dem Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern) in den einzelnen Ländern an, ist es keine Überraschung, dass Frauen nur einen kleinen Beitrag zum weltweiten Gesamteinkommen beitragen können. In Österreich liegt dieser beispielsweise bei 18,5 Prozent. So viel verdienen Frauen weniger als Männer. Wer jetzt glaubt, der Grund für diese Ungleichheit ist die Tatsache, dass Frauen einfach weniger arbeiten, liegt falsch. So einfach ist es nämlich nicht.

Frauen arbeiten nämlich teilweise sogar mehr als Männer. Das Problem: Sie leisten sogenannte unbezahlte Care-Arbeit, betreuen also Kinder, den Haushalt und pflegebedürftige Familienmitglieder. Das schränkt ihre Möglichkeiten am Arbeitsmarkt ein. Der Weltungleichheitsbericht zeigt aber auch auf, dass die verschiedenen Arten von Arbeit unterschiedliche bewertet werden. Jobs, in denen typischerweise Frauen arbeiten, werden oft schlechter entlohnt. Außerdem haben Frauen oft auch weniger Chancen als Männer, die Karriereleiter hochzuklettern. 2016 stellte übrigens auch die Unternehmensberatung McKinsey fest, dass mehr Frauen als Männer in Gesundheits- und Pharmaunternehmen einsteigen. Befördert werden aber mehr Männer.

Es gibt noch viel zu tun: Lohntransparenz ist ein wichtiger Schritt

Ein vor Kurzem veröffentlichter Bericht der OECD zeigt außerdem, dass Frauen für eine gleichwertige Vollzeitarbeit um 13 Prozent weniger Lohn bekommen als Männer. Die Studie zählt auch Maßnahmen auf, die diesen Unterschied verringern könnten. Besonders vielversprechend: Lohntransparenz. Soll heißen: Gehälter sollen offen gelegt werden. So wird nicht nur das Problem selbst, sondern auch das Ausmaß des Problems sichtbar - ein wichtiger Schritt hin zur Einkommensgerechtigkeit.

Es ist also 2022. Wir haben 5G-Internet, Mark Zuckerberg stellte vor Kurzem sein Metaverse vor und es gibt Fernseher zum Lecken. Und trotzdem gibt es noch so viel zu tun, bis wir endlich in einer Zukunft ankommen, in der es auch wirklich leiwand ist, zu leben.

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