1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Gender

2021 haben in Österreich wieder mehr gleichgeschlechtliche Paare geheiratet

Erstellt:

Von: Emily Erhold

Kommentare

Zwei Frauen im Brautkleid, die Händchen halten.
Vor allem lesbische Paare trauten sich 2021 mehr. © Laura Grier/Robertharding/APA-PictureDesk

Erst am 1. Jänner 2019 wurde das Ehe-Verbot für homosexuelle Paare in Österreich aufgehoben. 2021 gab es insgesamt 623 gleichgeschlechtliche Eheschließungen.

Das ist ein leichter Anstieg zum Vorjahr.

In a Nutshell

Frauen heirateten 2021 öfters als Männer

Insgesamt 40.195 Paare gaben sich 2021 in Österreich das Ja-Wort. 623 Pärchen waren entweder zwei Männer oder zwei Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil gleichgeschlechtlicher Ehen etwas gestiegen. 2020 waren es 612 homosexuelle Paare, die den Bund fürs Leben eingegangen sind. Der Anstieg liegt vor allem daran, dass es mehr Eheschließungen zwischen zwei Frauen gegeben hat. Insgesamt gab es 362 Hochzeiten zwischen lesbischen Paaren - 23 mehr als 2020. Die Männer trauten sich im letzten Jahr hingegen weniger. Nur 261 schwule Pärchen gaben sich das Ja-Wort - 12 weniger als noch 2020.

Männerpaare scheinen sich lieber verpartnern zu wollen. 103 gleichgeschlechtliche Paare gingen eine sogenannt eingetragene Partnerschaft ein. 62 Prozent davon waren schwule Pärchen. Die eingetragene Partnerschaft war 2010 für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt worden. Dieses Rechtsinstitut ist der Ehe fast gleichgestellt, unterscheidet sich aber in ein paar wenigen Details. So wird die eingetragene Partnerschaft beispielsweise vor der Bezirksverwaltungsbehörde und nicht vor dem Standesamt geschlossen. Anders als etwa in Deutschland wurde diese Form der Verpartnerung mit der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe nicht aufgehoben. Außerdem können auch heterosexuelle Paare eine eingetragene Partnerschaft eingehen.

Erst seit dem 1. Jänner 2019 dürfen Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Österreich heiraten. Bereits im Oktober 2017 hatte der Verfassungsgerichtshof, der das höchste Gericht des Landes ist, überprüft, ob das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe mit unserer Verfassung überhaupt vereinbar ist. Im Dezember 2017 fiel die Entscheidung, dass die Ehe ab 2019 auch homosexuellen Paaren offenstehe. Im ersten Jahr nach der Aufhebung des Ehe-Verbots gab es insgesamt 990 gleichgeschlechtliche Eheschließungen.

Weiter Weg bis zur kompletten Gleichstellung

Mitglieder der LGBTQI-Community und ihre Beziehungen werden in Österreich noch immer nicht völlig gleichgestellt. Zwar sind laut der österreichischen Verfassung alle Bürger:innen gleich, trotzdem sind queere Menschen in gewissen Bereichen noch immer Diskriminierung ausgesetzt. Das zeigte zuletzt etwa das „Anti-Homo-Haus“ in Niederösterreich. Der Beherbergungsbetrieb in der Wachau will homosexuelle Menschen nicht in seinen Apartments übernachten lassen. Eine Gesetzeslücke macht diese Form der Diskriminierung möglich, wie Rechtsexperte Dr. Martin Klemm vor Kurzem im Interview mit BuzzFeed Austria erklärte. Queere Menschen können noch immer beim Zugang zu Dienstleistungen und Gütern diskriminiert werden. Entsprechende Angebote im Privatbereich sind nämlich vom Gleichbehandlungsgesetz ausgenommen.

Die grüne Abgeordnete Ewa Ernst-Dziedzic hatte deshalb gefordert, an einer Gesetzesänderung zu arbeiten. Wie die Politikerin aber im Interview mit Ö1 erklärte, würden sich unterschiedliche Lobbygruppen, beispielsweise auf wirtschaftlicher und religiöser Ebene, gegen eine solche Änderung stemmen. Auch der LGBTQI-Sprecher der SPÖ, Mario Lindner, forderte explizit ein Diskriminierungsverbot aufgrund sexueller Orientierung. Ein solches sei aber bisher an dem Widerstand der ÖVP gescheitert.

Keine kirchliche Trauung für katholische gleichgeschlechtliche Paare

Auch gleichgeschlechtliche Paare, die katholischen Glaubens sind, werden noch immer diskriminiert. Denn eine kirchliche Trauung ist für sie nicht möglich. Erst im September 2021 schloss Papst Franziskus einmal mehr die gleichgeschlechtliche Ehe in der katholischen Kirche aus. Diese Einstellung führt auch innerkirchlich immer wieder zu Konflikten und für viele Bischöfe und Priester ist etwa auch die ablehnende Haltung des Vatikans gegenüber der Segnung homosexueller Paare unverständlich.

Dennoch zeigte zuletzt auch die Initiative #OutInChurch mit welchen Einschränkungen homosexuelle und andere queere Personen innerhalb der katholischen Kirche zu kämpfen haben. 125 Mitarbeitende katholischer Institutionen in Deutschland outeten sich in einer großangelegten Aktion und forderten eine Änderung des Kirchenrechts.

Auch interessant

Kommentare