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Eine Hebamme erzählt, warum du keine Angst haben musst, später Kinder zu kriegen

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Von: Sophie Marie Unger

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Ein Schwangerschaftsbauch
Spätschwangerschaften können sich sogar positiv aufs Kind auswirken. © Unsplash

Frauen, die Ende 20 noch keine Kinder haben, müssen sich oft in leidige Diskussionen begeben. Eine Hebamme erzählt, warum man sich keinen Stress machen sollte.

Man sitzt beim Familienessen und ahnt nichts Böses, als plötzlich die Urstrumpftante nachfragt, wann denn mit dem ersten Nachkömmling zu rechnen ist. „Der steht noch nichts ins Haus“, lautet dann oftmals die Antwort, die nicht selten schlechte Stimmung bei jeglichen Verwandten erzeugt. Noch immer werden Frauen, die in den 20ern keine komplette Familienvorplanung erstellt haben, schief angeschaut und beurteilt - auch Redakteurin Helena ist das schon ungut aufgefallen. „Tickt nicht schon die biologische Uhr?“, und: „Ist das dann nicht riskant für‘s Kind?“, sind typische Sätze, die da verlautbart werden.

Anna-Maria geht‘s genauso, sie pfeift aber drauf

Die 27-jährige Anna-Maria kennt oben geschilderte Szenen ganz gut. „Sogar meine Mama fragt in regelmäßigen Abständen, wann ich denn geplant habe, schwanger zu werden“, erzählt sie. Meistens werde sie wütend, da ihre Entscheidungen nicht ernst genommen werden. „Es ist bekannt, dass ich in Bildungskarenz gehen möchte, auch eine Weltreise steht an, deshalb sind mein Partner und ich uns einig, erst Mitte 30 ein Kind bekommen zu wollen“. Auch wenn Anna-Maria sich selbst keinen Stress macht, merkt sie, dass die Gesellschaft dies sehr wohl tut. „Einige Freundinnen haben bereits die erste Geburt hinter sich und sparen bei gemeinsamem Treffen nicht mit Kommentaren zur tickenden biologischen Uhr“. Sie nehme sich das nicht so zu Herzen und „pfeift schön langsam drauf“. Schlimm finde sie, dass sich Männer das meist nicht anhören müssen.

Hebamme: „Lasst euch nicht stressen“

Gabi ist Hebamme im Donauspital und weiß, dass sich junge Frauen heutzutage gestresst fühlen. „Ich habe viele 30 bis 35-jährige Frauen hier, die mich in der ersten Sitzung nach möglichen Risiken fragen, obwohl von den Ärzt:innen noch nicht einmal geklärt wurde, welchen Lebensstil sie führen“, erzählt sie gegenüber BuzzFeed Austria. Daran seien klar der gesellschaftliche Druck und auch wenige Ausnahmefälle, die durch die Medien stark dramatisiert werden, schuld. „Da wird von 70-jährigen Müttern berichtet, die natürlich risikoreich agieren. Dass es aber zahllose 35 bis 40-jährige Erstmütter gibt, deren Kinder kerngesund sind, wird hingegen verschwiegen“. Sie rate daher, sich nicht stressen zu lassen. „Stress ist nie eine gute Bedingung, egal ob man jetzt oder in 10 Jahren schwanger werden möchte“.

Seit den 50ern hat sich einiges geändert

Noch immer wird der Begriff Risikogebärdenden verwendet, zu denen Mütter ab 35 zählen. Der Begriff stammt aus den 1950ern und ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß. „Heutzutage sind 35-jährige Frauen jung. Nicht nur medizinisch hat sich die Lage verbessert, auch mental und psychisch sind Frauen heute auf einem ganz anderen Level als noch vor 70 Jahren“. Die medizinischen Leistungen seien so gut wie nie zuvor, auch bei der Pränataldiagnostik habe sich einiges getan, berichtet Gabi. Die Frauen sind früher unter schweren Bedingungen aufgewachsen und hatten teils mit schwerer Mangelernährung zu kämpfen, das ist ja heute nicht mehr so.

Spätschwangerschaft bringt sogar Vorteile

Laut Hebamme bringt eine spätere Schwangerschaft oft sogar Vorteile mit sich. „Ältere Frauen gehen überlegter in eine Schwangerschaft hinein“. Meist sei die Beziehung zu den Partner:innen stabiler und auch das Einkommen bereits höher, was die Rahmenbedingungen sichtlich einfacher macht. Forschende des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock haben gemeinsam mit der London School of Economics sogar herausgefunden, dass Kinder von späteren Schwangerschaften profitieren können. Dabei wurden Daten von mehr als 1,5 Millionen Frauen und Männern aus Schweden analysiert, die zwischen 1960 und 1991 geboren wurden. Es zeigte sich, dass die Kinder älterer Mütter im Schnitt größer waren, bessere Schulleistungen erzielten und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Universität besuchten als die Kinder jüngerer Mütter.

Risiken dürfen nicht eindimensional gesehen werden

Doch ab wann wird‘s nun wirklich problematisch? „Das kann man pauschal nicht mehr sagen. Ab 45 Jahren haben Erstgebärende statistisch gesehen die meisten Komplikationen, jedoch muss auch hier differenziert werden“, erklärt Gabi. Denn viele Studien würden nicht den Lebensstil der Mütter mit einbeziehen, etwa ob sie rauchen oder übergewichtig sind. Zudem hängt viel von den Umweltfaktoren ab, sprich Kinder von älteren Müttern können sogar gesünder sein als die von jüngeren - sofern die äußeren Bedingungen stimmen. Eine Schwangerschaft ist daher immer höchst individuell. „Wichtig ist, dass man Ärzt:innen und eine Hebamme hat, bei denen man sich gut aufgehoben fühlt“, rät Hebamme Gabi.

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