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Die Podcasterin „Investorella“ erklärt dir, wie du dein Geld am Besten investierst

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Von: Helena Dimmel

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Larissa Kravitz / Sparschwein
Larissa Kravitz weiß, wie man Geld richtig investiert. © Avi Kravitz/Imago/YAY Images/BuzzFeed Austria

„Investorella“ ist ein feministischer Podcast aus Österreich über nachhaltiges Investment. Wir haben mit der Gründerin Larissa Kravitz darüber gesprochen, wie man als junger Erwachsener oder Einsteiger:in am Arbeitsmarkt mit wenig Geld trotzdem gut investieren kann.

Immer öfter höre ich im Freundes- und Bekanntenkreis von jungen Frauen, die gerne investieren möchten, aber eigentlich nicht wissen, wie. „Vielleicht investier‘ ich einen Tausender in Bitcoin“, hat mir erst letztens wieder eine Freundin schulterzuckend erzählt. Crypto-Currencies inkl. NFTs, Immo-Crowdfunding, und der zuletzt stark gestiegene Goldpreis sind in aller Munde - wie aber investiert man richtig? Wo fängt man an damit? Und warum ist es so wichtig, dass wir unsere finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen?

Wie investiert man am Besten, und wo fängt man an?

Wer könnte diese Frage besser beantworten als die Investment-Expertin Larissa Kravitz, ihres Zeichens Gründerin des Podcasts „Investorella“, den viele sicher schon aus der Werbung in den Öffis kennen. Die Finanzmathematikerin und ehemalige Aktienhändlerin besitzt nicht nur ein Vermögensberatungs-Unternehmen, sondern hat sich mit „Investorella“ der Mission verschrieben, die finanzielle Autonomie von Frauen durch Bildung zu stärken. Der Podcast soll Wissen vermitteln, nicht aber als Anlageberatung dienen. Derzeit ist er auf Apple Podcasts und Spotify verfügbar. Im Interview erklärt uns die Podcasterin die Basics des Investierens.

Frau Kravitz, warum ist es so wichtig, dass Frauen das Investieren lernen?

Zum einen sind Investments eine wahnsinnig spannende Angelegenheit, denn man bekommt eine lebenslange Weiterbildung gratis dazu. Wenn man sich mit der Materie beschäftigt, mit Unternehmen oder auch mit Fonds, lernt man plötzlich auch etwas über verschiedenste Nationen, deren Politik, Wirtschaftsgeschichte, Marktdynamiken und so weiter. Man lernt unglaublich viel dazu. Ich habe mich zum Beispiel einmal für ein Investment mit dem Paarungsverhalten von Lachsen beschäftigt (lacht). Zweitens ist das Investieren gerade für Frauen wichtig, weil es ihnen Unabhängigkeit ermöglicht. Einerseits von einem Partner oder einer Partnerin, aber auch vom Staat, von unserem Sozialsystem. Viele der Teilnehmerinnen meiner Investment-Workshops melden sich auch an, weil ihre Mütter in Pension gehen und geschockt sind, wenn die monatliche Altersrente gerade einmal 500 Euro beträgt. Diese Mütter sprechen mit ihren Töchtern und sagen “Hey, als ich so alt war wie du, habe ich das nicht gewusst. Du musst etwas tun. Ich will nicht, dass du so endest wie ich”.

Ist diese Pensions-Problematik denn auch für Millennials und Gen Zs relevant?

Wenn wir uns das aktuelle Pensionssystem genauer anschauen, ist eines klar: Auch wenn man sein ganzes Leben lang gewissenhaft einzahlt, wird die Pension nicht so üppig ausfallen, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Das zeigen alle Prognosen. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung haben junge Menschen eigentlich keine andere Wahl, als selbstständig zu investieren und so für die Pension vorzusorgen. Wirkliche Reformen im Pensionssystem wird es nicht geben und der prozentuale Anteil an ältere Personen wird immer größer. Ich kenne zahlreiche Politiker:innen aus verschiedenen Fraktionen, und alle sagen mir das gleiche: Wer das Pensions-Problem angeht, ist politisch tot. Ich habe also ehrlich gesagt null Hoffnung, dass sich da für junge Menschen etwas ändert.

Wie fängt man jetzt also als junger Mensch konkret am besten mit dem Investieren an?

Mein erster Tipp: Viele junge Menschen, die studieren oder Teilzeitjobs haben, können vielleicht nicht regelmäßig Geld zur Seite legen. In diesem Fall sollte man sein Konsumverhalten überdenken. Die Durchschnitts-Single-Frau unter 60 gibt laut Statistik Austria rund zehn Prozent ihres Einkommens für Beauty und Mode aus. Rechnen wir da einmal mit 200 Euro. Man kann sich überlegen, diesen Konsum auf die Hälfte reduzieren - und 100 Euro pro Monat zu investieren. Da gehen sich bereits zwei ETFs zu je 50 Euro pro Monat aus. [Anm.: Exchange Traded Fund, kurz ETF, ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Börsen-Index, abbildet. Im Kern vereinen ETFs die Vorteile von Aktien und Fonds in einem Produkt.]

Worauf sollte man besonders achten, wenn man sich einen ETF zulegt?

Wichtig beim Erwerb von ETFs ist, dass sie sowohl global, als auch branchenmäßig diversifiziert und nachhaltig sind. MSCI World ETFs haben zum Beispiel eine Nachhaltigkeits-Version, die aktuell schon zehn Prozent mehr wert ist, als die nicht nachhaltige. Das Nachhaltigkeitsthema im Allgemeinen wird uns in den nächsten Jahrzehnten ganz stark beschäftigen.

Wie sieht’s aus mit jungen Menschen, die selbst noch gar kein Einkommen haben?

Lasst euch Investments schenken, zum Geburtstag oder zu Weihnachten zum Beispiel. Bevor man jetzt die tausendste Badekugel bekommt, kann man sich auch gleich direkt ein Gold-Investment wünschen. Das geht super mit Goldmünzen oder kleineren Goldbarren. Ein Gramm kann man bereits für rund 50,60 Euro erwerben. Früher war es recht weit verbreitet, dass man Goldmünzen verschenkt hat. Ich finde, das sollte man wieder etablieren, und zwar nicht nur für Kinder, sondern auch für junge Erwachsene.

Mal angenommen, ich bekomme Bargeld geschenkt. Ist es eine gute Idee, sich um dieses Geld dann trotzdem Gold zu kaufen?

Auf jeden Fall. Das kann man entweder Online machen oder direkt im Goldgeschäft. Es gibt aber auch Goldsparpläne von Banken oder der “Münze Österreich”. Das Gute bei diesen Goldsparplänen ist, dass die Lagerung übernommen wird - man kann sich das Gold aber auch aushändigen oder versichert zuschicken lassen. Außerdem kann der Goldbarren-Kauf zu einem richtigen Shopping-Erlebnis werden: Du gehst rein in diesen wunderschönen Goldshop, alles glänzt, Securities gibt‘s auch, und große, schwere Doppeltüren, inklusive “James Bond”-Atmosphäre (lacht).

Schützen Investments unser Erspartes vor der Inflation?

Kurz gesagt bedeutet Inflation folgendes: Du kannst dir um das gleiche Geld jedes Jahr weniger kaufen. Mein beliebtester Blog-Post auf Investorella heißt “Sparbuch: Mit ‘Sicherheit’ 25% Verlust durch Inflation”. Ich habe mir dazu die Zahlen der Statistik Austria und der Österreichischen Nationalbank angesehen und folgendes Beispiel ausgerechnet: Eine Frau legt im Jahr 2000 für ihre Tochter 10.0000 Euro an. Einmal auf einem Sparkonto, einmal mit einem Portfolio, das gedrittelt ist in Aktien, Gold und Immobilien. Aus heutiger Sicht wären aus den 10.000 Euro am Sparkonto aufgrund der Inflation circa 7400 Euro geworden - was die Kaufkraft betrifft. Beim gedrittelten Portfolio hätte man rund 23.500 Euro herausbekommen. Für das Beispiel habe ich mit ein, zwei Prozent Inflation gerechnet - 2022 wird sie aber darüber liegen. Je früher man das als junger Mensch realisiert, desto früher kann man Geld beiseite legen und investieren.

Welche Trading-Anbieter empfehlen sich für Anfänger:innen?

Online-Anbieter sind günstiger. Trade Republic und BUX Zero zum Beispiel, oder Flatex. Gerad am Anfang muss man auf die Gebühren achten und da sind Banken definitiv teurer, da fressen die Gebühren im schlimmsten Fall die Performance auf. Von CFD-Brokern wie Etoro würde ich abraten, die sind in den USA sogar verboten.

Wie fängt man am besten mit so einem gedrittelten Portfolio aus Aktien, Gold & Immobilien an?

Es gibt sogar ETFs, die dieses gedrittelte Portfolio abbilden. Diese nennen sich StrategieETFs. Wenn man relativ wenig Geld hat, kann das Sinn machen, am Anfang in so etwas zu investieren. Sobald man die Möglichkeit hat, sollte man sich sein Portfolio allerdings selbst aufsetzen, da man mehr Kontrolle darüber hat.

Wie gestaltet man das Immobilien-Drittel eines guten Portfolios am besten?

Generell würde ich jungen Menschen raten, einen Teil ihres Ersparten in “immobilienartige” Assets zu stecken. Das sind zum Beispiel Tokenisierte Immobilien, Immobilien-Fonds, aber auch Immo-Crowd-Funding (eigentlich ein Immobilien-Derivat). Die Renditen dieser immobilienartigen Assets halten nämlich mit den Immobilien-Preissteigerungen mit. Mein Eigenkapital, das ich für eine eigene Immobilie anspare, wird also nicht weniger.

Mal angenommen, ich habe bereits eine größere Summe am Sparkonto liegen und möchte jetzt investieren: Ist die gedrittelte Portfoliostrategie dann trotzdem zu empfehlen?

Portfolio-Theorie ist eine hochkomplexe Wissenschaft. Trotzdem ist das “Talmud-Prinzip”, also das vorher besprochene ein Drittel Aktien, ein Drittel Gold und ein Drittel Immobilien finanzmathematisch sinnvoll. Seit Jahrhunderten ist es immer unter den Top Ten der weltbesten Portfolio-Strategien. Je größer der Geldbetrag, desto diversifizierter sollte man sein Portfolio allerdings in den einzelnen Kategorien gestalten, also zum Beispiel Fremdwährungen, Crypto-Currencies oder ähnliches integrieren. Wenn man allerdings in einer Mietwohnung wohnt, kann man sich schon überlegen, am besten jetzt noch vor dem Sommer, vor der Gesetzesverschärfung, mit dem Ersparten eine Immobilie zu kaufen.

Im Sommer soll die von Ihnen angesprochene EU-weite Gesetzesverschärfung zur Kreditvergabe kommen - 20 Prozent Eigenkapital muss man dann aufbringen, um einen Kredit zu erhalten. Das würde es vielen erschweren, Immobilien zu erstehen. Wie bewerten Sie das?

Ab Sommer wird es tatsächlich schwieriger, denn eine hundertprozentige Kreditfinanzierung war gerade für junge Leute bis jetzt ein einfacher Weg, die erste Immobilie zu erstehen.

Sollte man sich als junger Mensch dennoch überlegen, eine Wohnung zu kaufen?

Sobald man einen Job hat, beziehungsweise ab dem Sommer mit der neuen Regelung, sobald man sich ein Portfolio aufgebaut hat, und so die 20% Eigenkapital für einen Kredit zur Verfügung hat, sollte man sich eine Eigentumswohnung anschaffen. Ich rede hier nicht von der Wohnung, die man sich wünscht. Sondern eine “MAW”, eine minimal akzeptable Wohnung, also eine Garçonnière mit 30 Quadratmetern. Wenn man das schafft, dann ist man für den Rest seines Lebens frei. Man entkommt nämlich dem Mietzyklus, dass man auf ewig eine immer höhere Miete zahlen muss. Bitte immer daran denken, einen Fixzins-Kredit aufzunehmen, nicht variabel! Die Zinsen sind ja derzeit noch recht niedrig, sie werden allerdings auch wieder ansteigen. Mit jeder Hypothekenzahlung baut man quasi Eigenkapital in dieser Wohnung auf. Wenn man in einer urbanen Region im DACH-Raum lebt, wird die Wohnung mit der Zeit immer mehr wert. Anstatt jedes Jahr mehr und mehr Miete zu zahlen, zahle ich mit der Hypothek meinen Kredit in Raten zurück, also so gesehen immer weniger, weil die Inflation das Geld entwertet und gleichzeitig der Wert meiner Wohnung steigt.

Man sollte sich also ein Portfolio aufbauen und ab einer gewissen Größe verkaufen, um mit dem daraus entstandenen Eigenkapital einen Immobilienkredit aufzunehmen - für eine kleine Wohnung, in der man selbst lebt und sich die Miete spart?

Das würde ich jungen Menschen raten. Eine Cash-Reserve braucht man natürlich auch, im Regelfall sollten das fünf Monate an Lebenserhaltungskosten sein. Je nachdem wie groß die Wohnung ist und wie viel Einkommen man zur Verfügung hat, kann man das Portfolio auch belehnen. Dann musst du es nicht verkaufen, sondern die Bank nimmt es als Sicherheit. Belehnung wäre in jedem Fall noch besser als der Verkauf. Wenn der Kredit abbezahlt ist, wird dein Portfolio dann wieder freigegeben, aber es wächst ja auch in der Zeit.

Wie geht’s dann am besten weiter, wenn man sich eine eigene Wohnung zugelegt hat?

Sobald du in die Wohnung eingezogen bist, hast du eine fixe Hypothek, die die Miete ersetzt, und fängst wieder an, ein neues Portfolio aufzubauen. Am besten wieder gedrittelt in Aktien, Gold und Immobilien-Assets, oder auch diversifizierter, mit Kryptowährungen oder Kunstgegenständen.

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