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In Israel können gleichgeschlechtliche Paare nun durch Leihmutterschaft Eltern werden - in Österreich nicht

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Von: Emily Erhold

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Bildmontage: Schwules Paar kuschelt und Leihmutter greift sich auf den Babybauch.
In Israel können schwule Paare jetzt auch mithilfe einer Leihmutter Eltern werden. © Cavan Images/photothek/Imago/BuzzFeed Austria

In Israel können bald auch gleichgeschlechtliche Paare und Singles mithilfe einer Leihmutter Eltern werden. In Österreich ist die Leihmutterschaft komplett verboten.

Der israelische Gesundheitsminister Nitzan Horowitz kündigte die Gesetzesänderung mit den Worten „Heute schreiben wir Geschichte“ an.

In a Nutshell

Leihmutterschaft für schwule Paare und Singles

Am 11. Jänner tritt die Gesetzesänderung in Israel in Kraft. Ab dann können auch homosexuelle Paare und Singles durch Leihmutterschaft Eltern werden. Bis jetzt war das nur für heterosexuelle Paare möglich. Schwule Männer fuhren daher oft ins Ausland, um ihr Kind von einer Leihmutter austragen zu lassen. Das war nicht nur kompliziert, die betroffenen Paare mussten auch viel Geld ausgeben.

„Es ist ein historischer Tag für den Kampf von LGBTQ+ In Israel, für den langen Kampf um Gleichheit für jeden Menschen und ein historischer Tag für die ganze israelische Gesellschaft“, kommentierte der offen schwule Gesundheitsminister Nitzan Horowitz das neue Gesetz. Die israelische Regierung kommt mit dieser Reform übrigens einer Entscheidung des israelischen höchsten Gerichts nach. Denn dieses hatte letztes Jahr festgestellt, dass die bisherige Regelung zur Leihmutterschaft ein Verstoß der Menschenrechte sei.

In Israel hat sich in den letzten Jahren viel getan, wenn es um die Rechte von homosexuellen Paaren geht. Seit letztem Jahr sind schwule Männer beim Blutspenden gleichgestellt. Trotzdem können gleichgeschlechtliche Paare noch immer nicht heiraten.

Leihmütter müssen auch geschützt werden

Horowitz, der mit seinem Lebensgefährten in Tel Aviv wohnt, erklärte, dass die neue Regelung zu Leihmutterschaft „den Traum vieler“ erfüllen werde, „eine eigene Familie zu gründen“. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass man darauf achten werde, die Rechte der Leihmütter zu schützen. Paare oder Singles müssen auch künftig einen offiziellen Antrag stellen. Über die Einigung der künftigen Eltern und der Leihmutter entscheidet schließlich ein Komitee.

Die Leihmutterschaft an sich wird von vielen Seiten kritisiert. Dabei geht es vor allem um ethische Fragen in Bezug auf das Kind und die austragende Frau. In Österreich ist die Leihmutterschaft komplett verboten. Auch die Homosexuelleninitiative HOSI steht der Form kritisch gegenüber. In ihrem Forderungsprogramm schreibt die Initiative:

Bei der Frage der Leihmutterschaft stehen einander der Kinderwunsch von schwulen Männern und die Notwendigkeit des Schutzes von Frauen vor Ausbeutung gegenüber. Angesichts der wirtschaftlichen Ungleichheiten zwischen Arm und Reich sowie zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern sehen wir die Gefahr, dass die wirtschaftliche Situation von Frauen ausgenutzt wird und sie in manchen Regionen der Welt sogar dazu gezwungen werden. Vor diesem Hintergrund lehnen wir Leihmutterschaft ab.“

Homosexuelle Initiative Wien, HOSI

Wie homosexuelle Paare in Österreich eine Familie gründen können

2014 erklärte der Österreichische Verfassungsgerichtshof, dass auch gleichgeschlechtliche Paare mit Kinder Familien sind. Deshalb müsste das österreichische Gesetz auch ermöglichen, dass homosexuellen Frauen die Fortpflanzung mittels Samenspende ermöglichen. Diese Entscheidung war die weltweit erste, mit der ein Höchstgericht den Ausschluss lesbischer Paare von der künstlichen Befruchtung als Menschenrechtsverletzung anerkannte. Das entsprechende Gesetz trat 2015 in Kraft.

Für schwule Männer ist es in Österreich aber weitaus schwieriger, ein eigenes Kind zu bekommen, da die Leihmutterschaft hierzulande verboten ist. Seit 2016 können schwule und lesbische Paare allerdings Kinder adoptieren. Zuvor war die sogenannte Fremdkind-Adoption in Österreich für gleichgeschlechtliche Paare verboten. Es war ab 2013 lediglich möglich, das leibliche Kind des Partners oder der Partnerin in Form einer Stiefkind-Adoption zu adoptieren.

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