1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Gender

Johanna Dohnal: Die Begründerin zeitgenössischer österreichischer Frauenpolitik im Porträt

Erstellt:

Von: Natascha Berger

Kommentare

Johanna Dohnal im Wiener Volkstheater.
Johanna Dohnal gilt als erste Frauenministerin Österreichs als eine Ikone des Feminismus. © Skata/Imago

Johanna Dohnal war die erste Frauenministerin in Österreich und gilt bis heute als Ikone der Frauenbewegung im Land. Alle Infos über die SPÖ-Politikerin.

Johanna Dohnal hat das Leben, wie Frauen es in Österreich heute kennen, maßgeblich mitgestaltet. Die verstorbene SPÖ-Politikerin setzte sich als Feministin aktiv für Frauenrechte ein und blieb hartnäckig, auch wenn die Gegenseite dies auch war. Durch ihre Frauenpolitik setzte sie unter anderem die Straffreiheit für Abtreibungen, den Ausbau von Kinderbetreuung und den Schutz für Frauen vor Gewalt auf die politische Agenda.

Johanna Dohnal: Privatleben der österreichischen Feministin

Johanna Aloisia Dohnal wurde am 14. Februar 1939 als Johanna Dietz in Wien geboren. Sie wuchs im 14. Bezirk bei ihrer Großmutter auf. Da ihre Eltern nicht verheiratet waren, war nicht ihre Mutter, sondern das Jugendamt, ihr Vormund. Nach der Hauptschule begann die spätere Politikerin ihre Ausbildung zum „Industriekaufmann“ (so die Bezeichnung damals), eine höhere Schulbildung konnte sie sich nicht leisten. Im Jahr 1956 heiratete sie Franz Dohnal, unter dessen Namen sie auch in der Politik bekannt wurde. Johanna Dohnal kehrte kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes wieder zurück zur Arbeit, nach dem zweiten Kind wurde ihr jedoch gekündigt. Erst 1969 wurde die Frauenrechtlerin wieder richtig angestellt. Die Wienerin und Franz Dohnal ließen sich 1976 nach 19 Jahren Ehe scheiden.

Nach ihrem Rückzug aus der Politik lebte Johanna Dohnal ab 1981 mit der SPÖ-Gemeinderätin Annemarie Aufreiter zusammen. Knapp 20 Jahre später gingen die beiden eine eingetragene Partnerschaft ein, nachdem das entsprechende Gesetz dafür kurz vorher in Kraft getreten war.

Johanna Dohnal verstarb am 20. Februar 2010 im Alter von 71 Jahren an Folgen von länger andauernden Herzproblemen. Sie ist auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet.

Politische Laufbahn von Johanna Dohnal: Von der Bezirksrätin zur Frauenministerin

Bereits im Alter von 16 Jahren wurde Johanna Dietz Mitglied der SPÖ, einige Jahre und zwei Kinder später wird sie als Johanna Dohnal Bezirksrätin in Penzing. 1971 wurde die Frauenrechtlerin zur Vorsitzenden der Penzinger Sozialistinnen gewählt. Danach arbeitete die Wienerin sieben Jahre lang in der Parteizentrale der SPÖ als Wiener Landesfrausekretärin. Während dieser Zeit ist sie auch als Abgeordnete im Wiener Gemeinderat und Landtag tätig. Zudem ist Johanna Dohnal Mitgründerin des Vereins „Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder“, der später das erste Frauenhaus in Wien aufbaute.

Auf Goodwill warten wir lange. Die Frauen haben immer nur das erreicht, was sie sich selbst erkämpft haben.

Johanna Dohnal

1979 schaffte Bruno Kreisky, der ehemalige Bundeskanzler Österreichs, vier neue Staatssekretariate, zwei davon für Frauenfragen. Damit löste der SPÖ-Politiker nicht nur eine Schockwelle innerhalb seiner Partei aus, sondern löste die Frauenpolitik erstmals aus der Familienpolitik und erkannte diese somit als eigenständigen Bereich der Politik an. Johanna Dohnal wurde Staatssekretär (Staatssekretärin wurde sie erst neun Jahre später) und setzte sich neben Frauenrechten stark für Friedens-, Bildungs- und Entwicklungspolitik ein. 1987 wird sie zudem Bundesvorsitzende der SPÖ-Frauen und stellvertretende Parteivorsitzende.

Unter dem Bundeskanzler Franz Vranitzky wurde Johanna Dohnal 1990 Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und damit die erste Frauenministerin Österreichs. 1995 endete Johanna Dohnals Tätigkeit in der Regierung, noch im selben Jahr zog sie sich aus der Berufspolitik zurück und kandidierte auch in ihrem weiteren Leben für kein politisches Amt mehr.

Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine „weibliche Zukunft“. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.

Johanna Dahl

Johanna Dohnal als Begründerin zeitgenössischer Frauenpolitik: Ihre Errungenschaften für Österreich

In ihrer Zeit bei der SPÖ hat Johanna Dohnal die Frauenpolitik in Österreich geprägt und viele wichtige Gesetze und Regelungen mit auf den Weg gebracht - obwohl sie immer wieder auf Widerstand gestoßen ist. Hier eine Übersicht einiger Errungenschaften, die Johanna Dohnal angetrieben hat:

Auch nach ihrer Zeit als aktive Politikerin, hörte die Arbeit für Johanna Dohnal nicht auf: Sie arbeitete mit NGOs, Frauenorganisationen und Gewerkschaften zusammen, um den Kampf für die Gleichstellung Frauen weiter voranzutreiben. 2008 erschien zudem ihr Buch „Innensichten österreichischer Frauenpolitiken“, indem sie über die Frauenpolitik in Österreich und die Reformen der 1970er Jahre schreibt.

Auch interessant

Kommentare