1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Gender

Mental Load: Die unfaire Arbeitsteilung in der Familie

Erstellt:

Von: Emily Erhold

Kommentare

Frau putzt Zähne und sieht aufs Handy.
Mental Load bedeutet schon beim Zähneputzen an die To-Dos zu denken. © Monkey Business 2/Shotshop/Imago

Die Gleichberechtigung der Geschlechter hat in den letzten Jahrzehnten große Sprünge gemacht. Doch während Frauen schon lange im Berufsleben angekommen sind, übernehmen die Männer relativ wenig Verantwortung im Haushalt. Auch die Corona-Krise hat gezeigt: Die Mental Load liegt bei den Frauen.

Die Mental Load bezeichnet dabei nicht die eigentlichen To-Dos, sondern die Koordinationsarbeit, also die mentale Last, die durch die Verantwortung für Haushalt und Familie entsteht.

Was ist Mental Load?

Egal, ob man alleine wohnt oder Familie hat, die alltäglichen To-Dos neben der Arbeit, sind zeitintensiv: einkaufen, kochen, putzen, Kinder betreuen, Waschmaschine reparieren und und und. Hinter diesen Leistungen steckt auch noch unsichtbare Denkarbeit - die Mental Load. Denn das Organisieren dieser Tätigkeiten ist eine zusätzliche Belastung. In einem geteilten Haushalt tragen diese Last vor allem Frauen. Das Statistische Amt der Europäischen Union hat 2018 herausgefunden, dass die Hausarbeit in Deutschland zu 73 Prozent von Frauen übernommen wird, die Kinderbetreuung sogar zu 88 Prozent. Wer die Verantwortung über diese unbezahlte Arbeit hat, muss sich auch mit der damit einhergehenden Mental Load auseinandersetzen.

Das Szenario könnte folgendermaßen aussehen. Eine Frau kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und räumt erst einmal die Küche auf, bereitet das Essen zu, bringt den Müll raus und während sie den Tisch deckt, fragt sie ihren Mann, ob er die Kinder von der Nachmittagsbetreuung abgeholt hat. Dieser antwortet verdutzt mit einer Gegenfrage: „Oh, hätte ich das machen sollen? Hast du mir das auch wirklich gesagt?“ Frauen haben in einem Großteil der Haushalte noch immer die Verantwortung über unbezahlte Arbeit, der Mann springt dann ein, wenn ihm etwas aufgetragen wird.

Die Frauen als Managerinnen im Unternehmen und im Haushalt

Historisch gesehen ist es nicht überraschend, dass Frauen noch immer standardmäßig den Haushalt organisieren, waren sie immerhin lange vom Arbeitsleben ausgeschlossen. Doch in den letzten Jahrzehnten haben Feminist:innen immer mehr Rechte der Frau erkämpft. Mittlerweile gehört das traditionelle Rollenbild vom Mann als Geldverdiener und der Frau als Mutter und Haushaltschefin schon lange der Vergangenheit an. Doch während Frauen Karriere machen und die meisten Haushalte ohne zwei Einkommen gar nicht mehr existieren könnten, hinkt die Gleichstellung der Geschlechter zu Hause etwas hinterher.

Denn nur ein geringer Anteil der Männer beteiligt sich an der unbezahlten Arbeit. Frauen können zwar Unternehmen managen, müssen aber zusätzlich weiterhin den Haushalt schupfen. Dass die klassische Rollenverteilung noch immer nicht komplett durchbrochen ist, zeigte sich auch im ersten Jahr der Corona-Pandemie deutlich: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2020 traf die zusätzliche Belastung durch Lockdowns und geschlossene Schulen vor allem Frauen. So gaben 51 Prozent der Frauen an, die Kinder beim Homeschooling zu unterstützen. Bei den Männern waren es nur 15 Prozent. Insgesamt gaben 69 Prozent der Frauen an, die generelle Hausarbeit zu erledigen. Nur 11 Prozent der Männer konnten dies von sich behaupten.

Während es also „normal“ geworden ist, dass Frauen ins Berufsleben einsteigen, ist es noch immer ebenso „normal“, dass sie sich weiterhin um alles andere kümmern. Frauen als Mädchen für alles: Das Problem liegt in den noch immer tief verwurzelten Rollenbildern und dem mangelnden Bewusstsein für unbezahlte Sorgearbeit.

Gender Care Gap: Die Lücke bei der Betreuung

Pflege von Angehörigen, Hausarbeit, Betreuung und Erziehung von Kindern: Das alles fällt unter unbezahlte Sorgearbeit. In Deutschland wenden Frauen durchschnittlich 52,4 Prozent mehr Zeit für diese unbezahlte Arbeit auf als Männer. Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern wird auch als Gender Care Gap bezeichnet. Wie groß diese Lücke in Österreich ist, lässt sich übrigens schwer sagen, da die Daten über die Verteilung unbezahlter Arbeit veraltet sind. Die Statistik Austria führte eine sogenannte Zeitverwendungssstudie bisher erst dreimal durch: 1981, 1992 und 2009. Eine Präsentation neuer Daten ist für das Frühjahr 2023 angedacht.

Auch interessant

Kommentare