1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Gender

„Keiner der Kritiker hat die Eier, uns das direkt zu sagen“: Viele Snowboarderinnen fühlen sich diskriminiert

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Snowboarderinnen Claudia Riegler und Anna Gasser
Vier Mädls haben es zu den Olympischen Winterspielen in Peking geschafft. Der Weg war nicht immer leicht. © APA Picturedesk/Patrick Steiner/BuzzFeed

Österreichs Snowboarderinnen haben Bock: Daniela Ulbing holte bereits Olympiasilber. Anna Gasser und Pia Zerkhold stehen noch in den Startlöchern. Als Reaktion huscht männlichen Kollegen laut Boarderinnen nicht selten ein abwertendes Lächeln über die Lippen. Dieser versteckte Sexismus macht es den Sportlerinnen nicht leicht.

Bei den Olympischen Winterspielen in Peking zeigen derzeit vier österreichische Mädls in unterschiedlichen Snowboard-Disziplinen was sie so drauf haben. Während es Olympiasiegerin Julia Dujmovits im Parallel-Riesenslalom ins Viertelfinale schaffte, konnte Daniela Ulbing in der Disziplin sogar die Silbermedaille ergattern. Pia Zerkhold schaffte es im Snowboardcross ins Achtelfinale und Anna Gasser nimmt eine Favoritenrolle im Big Air ein. Doch der Weg zu Olympia war nicht immer der einfachste und das liegt auch am versteckten Sexismus im Snowboardsport.

Trifft man Snowboarder:innen auf der Piste oder insbesondere auf der Hütte, so hat man schon den Eindruck, man habe es mehrheitlich mit lockeren offenen Personen zutun. Doch hinter den sphärische Gläsern der Snowboardbrillen von männlichen Boardern verstecken sich manchmal auch sexistische Einstellungen. Sie sind vielleicht nicht so offenkundig wie beim Ball- oder Motorsport, aber es gibt sie.

Sexismus ist Teil der Snowboard-Profi-Bubble

Viele erfolgreiche Snowboarderinnen haben bereits Erfahrungen damit gemacht. Die 30-jährige Olympiasiegerin, Anna Gasser, schildert im Interview mit der Frauenzeitschrift WOMAN bspw., dass sie als Frau in der Szene oft belächelt wurde. „Du fährst eh gut - für ein Mädchen“, hieß es dann oft. Als Frau im Actionsport musste sie deutlich mehr geben als ihre männlichen Kollegen, um überhaupt ernst genommen zu werden.

Auch ihre deutsche Kollegin, Aline Bock, pflichten ihr da bei. „Frauen wurden einfach von der World Tour auf die Qualifying Tour zurückgeschickt, damit die Männer ihre eigenen Events bekamen. Das war nicht ok“, erzählt sie im Interview mit dem Monster Backside Magazine. Wenn‘s ums Geld geht, bekrittelt sie, dass ein Großteil des Budgets in die Männer-Sparte fließt und Frauen so nie die Chance haben, gleichberechtigt daneben zu stehen.

Film „A Land Shaped By Women“ zeigt diese Missstände auf

Das Thema lag Aline Bock so sehr am Herzen, dass sie kurzerhand entschloss, gemeinsam mit ihrer schweiz-französischen Kollegin Anne-Flore Marxer einen Film (sehr sehenswert) über die Benachteiligungen der Frauen im Snowboard-Business zu drehen. „Wir sind beide auf der World Tour mitgefahren und erlebten viele Momente, in denen Frauen benachteiligt wurden. Deswegen haben wir uns zusammengetan und realisierten gemeinsame Projekte“, so Aline zu den Beweggründen.

Neben Ungerechtigkeiten bei Events und Unregelmäßigkeiten beim Budget, standen auch Themen wie Sponsoring und die Insel Island, welche die beiden Frauen als Vorreiterin in Sachen Gleichstellung definieren, im Fokus. Sie selbst beschreiben ihren Projekt als Outdoor-Travel-Film mit positiven Aspekten wie Hoffnung und Inspiration, der für für alle gemacht ist, die sich für Gleichberechtigung einsetzen.

Sexismus beim Hobby-Snowboarden

Als Trendsportart hat sich der Snowboard-Sport relativ gleichmäßig verbreitet und Mädchen und Burschen gleichermaßen angesprochen. Doch auch beim Hobby-Boarden glauben viele männliche Rider, sie seien Frauen überlegen. Maria fährt schon lange Snowboard und erzählt uns, dass ihr vor allem am Anfang bei der Anfahrt auf die Halfpipe einige Boarder einfach vorgefahren sind. „Das fand ich ziemlich respektlos. Snowboarder können sehr oberflächlich sein, wenn es um Skills geht“, erzählt sie uns.

Auch Natalie machte als Hobby-Fahrerin und Unterstützerin der Profi-Boarderinnen einige negative Erfahrungen. Bei vielen Events stand sie in der Menge und bekam abschätzige Kommentare über die Profi-Sportlerinnen mit. „Bei einer Jib-Session habe ich gehört wie Typen aus dem Publikum meinten, dass die Mädels viel schlechter fahren würden als die Jungs und keine Show anbieten würden. Leider hatte aber keiner der Kritiker die Eier, uns das direkt zu sagen“.

Fortschritte in-the-making

Doch wie in den meisten Sportarten tut sich auch beim Boardsport einiges. Eher weniger, weil sich Sponsoren und Marken nun besonders für Gleichstellung einsetzen, sondern eher weil sich die Mädels zusammentun, Mut zeigen und selbst etwas auf die Beine stellen. „Immer mehr Mädels trauen sich in die Snowparks und ins Backcountry und es ist cool mitzuerleben, wie sie es den Jungs dann zeigen“, beschreibt Anna Gasser.

Und natürlich muss man auch zwischen Managementstrukturen und Team unterscheiden. Claudia Riegler, die bereits 28 Jahre im österreichischen Kader mit dabei ist, fühlte sich von ihren Trainern immer gleichberechtigt behandelt. „Es gab immer gleich aufgeteilte Preisgelder und der Respekt untereinander ist enorm - wir sind da wie eine große Familie und stehen den Herren nichts nach“.

Dabei entstanden in den vergangenen Jahren richtige Communities, die diesen Spirit vorangetrieben haben. Die deutsche Snowboarderin Vanessa Spremberg etwa bietet sogenannte Shred Unit Gatherings an, um die Freeski- und Snowboard Girls am Berg zu vereinen und beim Park Fahren zu unterstützen. „Von Anfängerinnen bis Profis, wie z.B. die Surreal Girls, sind hier mehr Frauen zusammen unterwegs. Das freut mich unwahrscheinlich und ich sehe noch viel Potential“, erzählt Vanessa. „Nach wie vor wäre es wünschenswert, wenn Girls und die Community in diesen Sportarten noch mehr und spezifischer gefördert würden und von Medien mehr darüber berichtet wird. Das ist unsere Mission.“ Zumindest bei Letzterem konnten wir hoffentlich ein wenig zur Umsetzung dieser Mission beitragen.

Wie es heimischen Fußballerinnen so geht, erfährt ihr hier.

Auch interessant

Kommentare