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Studie zeigt: Mädchen halten sich für weniger talentiert als Buben - das hat Konsequenzen

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Von: Emily Erhold

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Bildmontage: Schüler:innen in einem Klassenzimmer und Lebenslauf.
Mädchen sind weniger von ihrem eigenen Talent überzeugt als Buben. © Westend61/Panthermedia/Imago/BuzzFeed Austria

Eine neu veröffentlichte Auswertung der PISA-Studie von 2018 zeigt, dass Mädchen weniger Vertrauen in ihr eigenes Talent haben als Buben. Das mangelnde Selbstvertrauen hat Konsequenzen.

PISA (Programme for International Student Assessment) ist eine Studie zu Schulleistungen in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Sie wird alle drei Jahre in den meisten Mitgliedstaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) durchgeführt. 2018 gab es die Letzte. Jene, die für das Jahr 2021 geplant war, wurde aufgrund der Coronapandemie um ein Jahr verschoben.

Auswertungen der 2018 durchgeführten Studie haben nun ergeben, dass 15-jährige Mädchen durchschnittlich weniger an ihre eigenen Talente glauben als gleichaltrige Buben. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin “Science Advances“ zuerst veröffentlicht.

Je leistungsstärker die Schüler:innen, desto größer ist der Unterschied beim Selbstbewusstsein

Geschlechterunterschiede gibt es noch immer viele. Der Gender Pay Gap zeigt die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Der Gender Health Gap zeigt, dass Frauen oft auch bei der medizinischen Betreuung benachteiligt sind. Und dann gibt es auch noch den Confidence Gap, der die Geschlechterunterschiede in Sachen Selbstbewusstsein beschreibt.

Dass diese Lücke bereits bei Schüler:innen besteht, hat nun die aktuelle Auswertung der 2018 durchgeführten PISA-Studie aufgezeigt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Unterschied bei Aspekten wie Talentglaube, Selbstbewusstsein und Wettbewerbsfähigkeit umso größer ist, je leistungsstärker die Schüler:innen sind. Gute Schüler halten sich also öfters für talentiert, als gute Schülerinnen.

Diese Selbsteinschätzung hat Konsequenzen. „Der Glaube, dass sie weniger talentiert sind als Jungen, kann das Selbstvertrauen von Mädchen beeinträchtigen und dazu führen, dass sie sich selbst schützen und daher herausfordernde Situationen und Chancen vermeiden“, erklären Clotilde Napp von der Universität Paris-Dauphine und Thomas Breda von der Paris School of Economics - die Autor:innen der Studie.

Auch der Entwicklungsstatus des Landes spielt eine Rolle

Die Ergebnisse haben außerdem gezeigt, dass auch der Entwicklungsstatus des jeweiligen Landes eine Rolle beim Confidence Gap der Schüler:innen spielt. So ist Saudi Arabien beispielsweise das einzige Land, in dem Mädchen stärker an die eigenen Talente glauben als Buben. Den Grund dafür sehen die Wissenschafter:innen darin, dass in wohlhabenderen Ländern der Individualismus stärker ausgeprägt sei und Selbstverwirklichung sowie Selbstdarstellung hier eine größere Bedeutung spielen würden.

Stereotype bei den Talenten führen zu weniger Selbstbewusstsein bei Mädchen

Dass Mädchen generell weniger Vertrauen in sich haben, führen die Autor:innen auf - wie soll es auch anders sein - Stereotype und Klischees zurück. Buben gelten in vielen Bereichen wie beispielsweise in Mathematik als kompetenter im Vergleich zu Mädchen. Frühere Studien haben gezeigt, dass die Erwartungshaltung der Gesellschaft zwischen den Geschlechtern unterscheidet. Eltern halten ihre Söhne beispielsweise für talentierter.

Untersuchungen zeigen auch, dass Buben und Mädchen im Volksschulalter einen erwachsenen Mann darstellen, wenn sie eine intelligente Person zeichnen sollen. Dieses Dilemma zeigt etwa die Journalistin Caroline Criado-Perez in ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ auf.

Die Konsequenzen

Das geringere Selbstbewusstsein von Mädchen hat auch Konsequenzen auf ihr späteres Berufsleben. Ein Bericht des PC- und Druckherstellers Hewlett-Packard beispielsweise, dass sich männliche Mitarbeiter eher für eine Beförderung bewerben. Und das machen sie schon dann, wenn sie 60 Prozent der Anforderungen erfüllen. Frauen machen das aber erst, sobald sich alle Qualifikationen mit den gestellten Anforderungen decken.

Auch die Lohnerwartungen von Mädchen und Buben unterscheiden sich. Der Wirtschaftswissenschafter Armin Falk und ein Forscherteam aus Bonn, München und Amsterdam haben in einer Studie herausgefunden, dass Mädchen von vornherein eine geringere Erwartung an ihr späteres Einkommen haben. „Schon als Teenager rechnen sich Mädchen für ihre spätere berufliche Laufbahn ein deutlich geringeres Gehalt aus als Jungen“, erklärt der Wissenschafter in einer Aussendung. Die Lohnerwartung ist unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistung.

Ein Experiment unserer Leser:innen hat gezeigt, wie unterschiedlich Frauen und Männer beim Bewerbungsprozess behandelt werden.

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