1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Gender

Barbie kuschelt mit Jesus: In Wien gibt es endlich ein queeres Museum

Erstellt:

Von: Emily Erhold

Kommentare

Die Ausstellung „something queer in your neighborhood“ von Alfred Rottensteiner
„Es gibt einen bestimmten Irritationsmoment in der Kunst, den ich auch bemerke, wenn ich mich als queere Person durch mein Umfeld bewege“, schreibt Alfred Rottensteiner zu seiner Ausstellung. © Emily Erhold/Queer Museum Vienna

Zwei Jahre hat die Initiative Queer Museum Vienna daran gearbeitet, endlich mehr Raum für die LGBTQIA+-Community zu schaffen. Bis Juni wird dieser Raum vom Volkskundemuseum zur Verfügung gestellt.

Bis 6. Februar wird dort die Ausstellung „If there ist something weird in your neighborhood“ von Alfred Rottensteiner gezeigt.

Wien hat ein queeres Museum gebraucht

Das Volkskundemuseum ist ein Museum, wie es jede:r Wiener:in kennt. Traditionelle und volkstümliche Stücke werden hier regelmäßig ausgestellt. Genau deswegen passt es auch so gut, dass am 11. Jänner 2022 das Queer Museum in den ersten Stock des barocken Gebäudes gezogen ist. Denn auch die queere Community hat eine lange Tradition. „Menschen, die jenseits der binären, heterosexuellen Matrix existieren, gab es schon immer. Natürlich haben sie sich vor einigen Jahren noch nicht queer genannt, weil es den Begriff einfach noch nicht gab“, erklärt Florian Aschka, Mitinitiator des Queer Museums.

Umso verblüffender ist es, dass eine Weltstadt wie Wien bisher noch kein eigenes Museum für queere Kultur hatte. Genau diese Lücke wollten Florian und seine Kolleg:innen schließen, als sie vor zwei Jahren damit begannen, das Queer Museum Vienna auf die Beine zu stellen. „Wir wollen sozusagen auch mit am Tisch sitzen. Queere Menschen brauchen auch Repräsentation“, so Florian Aschka.

Seit Jänner gibt es nun endlich einen eigenen Raum für queere Kunst. Das Queer Museum ist ein Wandermuseum und wird noch bis Juni zwei Räume im Volkskundemuseum bespielen. Die Eröffnungsausstellung von Alfred Rottensteiner, kuratiert vom Duo „The DODO Project“, verwandelt diese Räume in ein Kinderzimmer und eine Gartenlandschaft. Wer mit dem Lastenlift in den ersten Stock hochfährt, wird mit dem Schriftzug „Boo!“ begrüßt. Eine Anlehnung an die Serie „Ghostbusters“, genauso wie der Titel der Ausstellung „If there is something weird in your neighborhood“.

Boo!

„Boo!“ steht aber auch für den Irritationsmoment, den queere Menschen oft noch immer für andere im Alltag darstellen. Gleich hinter dem Schriftzug verhüllt ein schriller Tüllvorhang einen Schaukasten. Darin sind klassische Spielzeuge und Figuren zu sehen - Ausstellungsstücke aus der Sammlung des Volkskundemuseums. Alfred Rottensteiner hat sie neu angeordnet. So kuschelt etwa die Barbie mit Jesus im Bett - eine überspitzte Darstellung der traditionellen Familie. Die Arbeit nennt der Künstler auch „Changing Room; i kill myself again and again and again and again and again...“. „Das ist natürlich sehr tragisch und radikal, wenn wir daran denken, dass es vielen Menschen so geht, wenn sie keinen Platz in der Gesellschaft finden“, erklärt die Co-Kuratorin Daniela Hahn.

Der verhüllte Schaukasten zeigt aber auch persönliche Parallelen zur Kindheit von Alfred Rottesteiner auf. „Als Kind hat Rottensteiner auch mit Barbie-Puppen gespielt. Bei einem Geburtstagsfest hat er diese Spielsachen dann verdeckt, damit seine Mitschüler:innen nicht sehen, dass ein Bub in der Volksschule mit Barbies spielt. Die Kinder haben sie aber trotzdem entdeckt und ihn am nächsten Tag damit aufgezogen“, erzählt Daniela Hahn. Im zweiten Raum der Ausstellung fungieren die schrillen Tüllvorhänge als Superheld:innen-Capes. „Sie repräsentieren die queeren Superheld:innen, die die Gesellschaft aufrütteln und damit einen Schritt weiter voranbringen“, erklärt die Kuratorin.

Tüllvorhänge aus der Ausstellung „If there is something weird in your neighborhood“.
Die Tüllvorhänge als Capes für die queeren Superheld:innen der Gesellschaft. © Emily Erhold/Queer Museum Vienna

Mehr als nur ein Museum

Das Queer Museum ist aber mehr als nur ein Ort, der Kunst aus der LGBTQIA+-Community ausstellt. „Wir wollen einerseits in die Community reinwirken, sie bestärken und Wissen über ihre eigene Identität und reiche Kulturszene geben. Andererseits wollen wir auch nach außen wirken und beispielsweise Veranstaltungen oder Workshops für Schulen anbieten“, erklärt Florian Aschka. So soll es Ende April eine Diskussionsrunde zum Thema „Queer Roma“ geben. Generell sieht die Initiative Wien auch als „Gateway in den Osten“. Während die Regierungen in Polen und Ungarn immer strengere Anti-LGBTQIA+-Gesetze verabschieden, wollen Florian und seine Kolleg:innen hier ein Zeichen setzen und auch aktiv auf queere Künstler:innen aus diesen Ländern zugehen.

Das Queer Museum Vienna schafft also Platz für die queere Community - etwas, was es in Österreich, aber auch in anderen Ländern viel öfters geben müsste, wie Florian Aschka findet: „Ein bunter Zebrastreifen ist zwar eine nette Geste, aber es müssen noch viel konkretere Dinge passieren. Die queere Community braucht einfach viel mehr Räumlichkeiten, die ihr zur Verfügung stehen und, in denen sich die Menschen treffen und austauschen können.“

LGBTQIA+-Filme und Serien, die viel mehr Bekanntheit verdient haben, findest du hier.

Auch interessant

Kommentare