„Ich hatte Angst mich zu blamieren“: Nur wenige Frauen machen bei der Millionenshow mit

Die Millionenshow und die Bewerber und Bewerberinnen und Armin Assinger.
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Die Millionenshow kämpft mit der geringen Frauenquote.
  • Sophie Marie Unger
    VonSophie Marie Unger
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Wo bleiben denn nur die Frauen? Diese Frage stellt sich zurzeit die ORF-Erfolgssendung Millionenshow. Eine Ex-Bewerberin und Moderator Armin Assinger suchen nach Antworten.

Erst Anfang des Jahres feierte die legändere Quizsendung ihre tausendste Ausgabe. In den 22 Jahren wurden 27.173 Fragen gestellt. Insgesamt waren fast 8.200 Kandidat:innen in den Auswahlrunden mit dabei und mehr als 2.200 verließen das Studio mit einem Gewinn. Fünf der insgesamt neun Millionen-Gewinner:innen waren weiblich. Und das obwohl verhältnismäßig viel weniger Frauen als Männer bei der Show mitmachen. Doch warum ist das so?

Moderator Armin Assinger sucht nach Gründen

Durchschnittlich bewerben sich nur 26 Prozent Frauen und 74 Prozent Männer für die Millionenshow. Das ist eindeutig kein ausgeglichenes Verhältnis und spricht eigentlich nicht so ganz für die weltoffene, lustige Quizshow. Auch Armin Assinger macht sich diesbezüglich Sorgen. In einem Interview mit dem Magazin „Woman“ versuchte er aufgrund seiner Erfahrung, mögliche Gründe zu nennen. „Ich kann es mir eigentlich nicht erklären, aber ich nehme an, dass der einen oder anderen potenziellen Kandidatin vielleicht ein bisschen Mut und Selbstvertrauen fehlen, um sich anzumelden“, meint er. Damit spricht er ein Thema an, dass sich auch in der österreichischen Berufswelt deutlich abzeichnet und teils auf den Confidence Gap zurückzuführen ist.

Confidence Gap könnte schuld sein

Der „Confidence Gap“ beschreibt die Geschlechterunterschiede in Sachen Selbstbewusstsein. Frauen haben aufgrund ihrer Sozialisierung und der jahrzehntelangen patriarchalen Strukturen - die noch immer nicht beseitigt sind - ein geringeres Selbstbewusstsein. Das bestätigt etwa die US-Studie „Self-Esteem Gender Gap More Pronounced in Western Countries“, welche rund eine Million Frauen und Männer in zahlreichen Ländern der Welt hinsichtlich ihres Selbstbewusstseins befragte. Und auch hierzulande scheint dieses Phänomen keine Seltenheit. Das zeigten zuletzt auch neue Studien rund um die österreichische Start-up Szene, in der - teils aufgrund des mangelnden Selbstbewusstseins - noch immer viel weniger Frauen als Männer vertreten sind.

Doch dafür gibt es überhaupt keinen Grund. Das bestätigt auch eine Studie der Cornell Universität. Die Mehrheit der untersuchten 5.000 Männer überschätze ihre Fähigkeiten und ihre Leistung, während der Großteil der 5.000 teilnehmenden Frauen beides unterschätzte. Auch in der Millionenshow-Geschichte liegen die Frauen in der Hitliste der Millionengewinne vorn. Zudem schaffen die Kandidatinnen, die letztendlich im Studio Platz nehmen, leichter den Sprung in die Mitte.

„Ich hatte Angst mich zu blamieren“

Die Ex-Millionenshow-Bewerberin Bettina bestätigt, dass es auch bei ihr Selbstzweifel gab. „Es brauchte insgesamt sechs Anläufe, bis ich endlich zum Hörer griff und mich für die Show anmeldete“, beschrieb sie ihr Zögern. „Irgendwie hatte ich Angst mich zu blamieren - da schauen ja doch einige Menschen zu und da will man ja auch nicht der ärgste Depp sein, wenn man was nicht weiß“. Freund:innen überredeten die 30-Jährige dann doch irgendwie beim Telefon-Casting mitzumachen. „Die Fragen hab ich dann tatsächlich fast alle richtig beantworten können, sodass ich zur Aufzeichnung eingeladen wurde, dort aber nicht in die Mitte kam“, erzählt sie. Bereuen tut sie ihre Teilnahme auf keinen Fall. „Es war eine wirklich coole Erfahrung - ich würde es allen empfehlen, vor allem Frauen sollten sich nicht einschüchtern lassen“.

Unterschiede zwischen Kandidaten und Kandidatinnen

Quizmaster Armin Assinger merkte auch an, dass es während der Show einige Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Kandidat:innen gibt. „Pauschal kann ich das nicht beurteilen. Mir kommt allerdings vor, dass Männer eher auf den Geldgewinn fokussiert sind, mehr rechnen und kalkulieren. Frauen gehen offener an die Sache heran und freuen sich einfach, ihr Wissen unter Beweis stellen zu können“, erzählt er. Dabei erinnert er sich an eine Kandidatin, die überhaupt nicht bemerkte, wie weit sie denn schon gekommen war. „Sie war so im Tunnel, dass sie Gefühle für Raum und Zeit und vor allem den Gedanken ans Geld verloren hatte“, so Assinger.

Wandel vollzieht sich langsam aber doch

Bereits 2018 forderte Armin Assinger Frauen auf, sich drüber zu trauen. Bei der Aufzeichnung der ersten Sendungen nach der Sommerpause wandte sich Armin Assinger direkt an die Frauen: „Ihr müsst herkommen! Ich bin auf eurer Seite. Daher mein Appell: Meldet euch an“, so Assinger in die Kameras des TV-Studios in Köln-Hürth, wo der ORF im Zwei-Wochen-Rhythmus an einem Tag drei Quiz-Ausgaben abwickelt. Damals lag der Anteil der Bewerberinnen überhaupt nur bei 15 Prozent, was bedeutet, dass die Bewerberinnen-Zahl in einem Zeitraum von vier Jahren um elf Prozent gestiegen ist. Das ist gut, da geht aber noch mehr.

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