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Musical-Darstellerin spricht über sexuellen Missbrauch: „Man forderte mich auf, meine Bluse aufzuknöpfen“

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Von: Sophie Marie Unger

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Gedemütigte Frau sitz in der Nacht auf einer Bushaltestelle
Immer mehr Betroffene erzählen, was sie durchlebt haben. © Unsplash

Die Regisseurin Katharina Mückstein hat die #MeToo-Debatte in Österreichs Kulturbranche neu entfacht. BuzzFeed Austria hat mit einer Betroffenen gesprochen.

Alles begann mit einem ganz normalen Herumscroll-Tag auf Instagram, als Julia (Name von Redaktion geändert) plötzlich auf einen Post ihrer Schauspielkollegin aufmerksam wurde. „Danke Katharina Mückstein - im Musical-Bereich ist es leider nicht anders“, hieß es da. Ohne den konkreten Sachverhalt zu kennen, wusste Julia in der Sekunde, worum es geht. Ihr wurde übel, danach folgten Heulkrämpfe und eine Entscheidung, die ihr Leben verändern würde. Auch sie ist Opfer von sexuellem Missbrauch und Diskriminierung im Kulturbereich und hat nach Tagen der Aufarbeitung nun mit BuzzFeed Austria exklusiv darüber gesprochen.

„Ich wollte das für den Rest meines Lebens machen“

Julia ist 27 Jahre alt und hat erst vor wenigen Jahren ihre Musical-Ausbildung abgeschlossen. „Ich stehe auf der Bühne, seitdem ich denken kann - für mich gab es immer nur die Option, Schauspielerin zu werden“, erzählt sie gegenüber BuzzFeed Austria. In der Schule kam dann noch die Freude am Singen hinzu, weshalb sie sich entschied, beides in einer Musical-Ausbildung zu verbinden. „Ich liebte es einfach, in Rollen zu schlüpfen, zu singen und Choreografien einzustudieren - in der siebten Klasse haben wir ‚Cats‘ aufgeführt und da wusste ich, dass es das ist, was ich für den Rest meines Lebens machen will.“

„Man forderte mich auf, meine Bluse aufzuknöpfen“

Anfangs war die Euphorie groß, eigenartige Kommentare von Professoren wurden einfach ignoriert. „Ich weiß gar nicht mehr, wann es begonnen hat, weil ich derart im Flow drinnen war und wissbegierig alles aufsaugte, was da so unterrichtet wurde“, erzählt die 27-Jährige. Doch irgendwann war offensichtlich, dass die Vorfälle einfach immer „inakzeptabler“ wurden. „Einmal forderte mich ein Professor in einer Probe auf, die Bluse etwas weiter aufzuknöpfen, damit ich auch wirklich von innen heraus spielen kann.“ Wie mechanisch befolgte sie die Anweisungen. „Danach hab ich das erste Mal seit Beginn der Ausbildung geheult.“

„Ich hab‘s sehr lange verdrängt“

Obwohl sie die Vorfälle ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ignorieren konnte, machte sie jahrelang - auch nach Abschluss ihrer Ausbildung - einfach weiter. „Es gab viele Situationen, in denen ich perplex und stark verängstigt war, weil man mich sexuell belästigt hatte, aber ich machte einfach weiter.“ Auch andere Kolleginnen waren betroffen, doch der Konkurrenzkampf war einfach so groß, dass man nicht darüber geredet hat. „Ich musste wirklich arge Dinge tun, um meinen Traum weiterzuleben - und andere ebenso, es war wie ein Teufelskreis und viele, darunter ich, haben es lange verdrängt.“

„Ich habe meine Musical-Karriere jetzt mal beendet“

Wie für viele andere Frauen ist es auch für Julia das erste Mal, dass sie überhaupt darüber spricht. „Als ich durch das Posting merkte, dass auch ich betroffen bin, konnte ich erst gar nichts tun, ich war wie versteinert.“ Es dauerte einige Tage, bis sie wirklich realisierte, dass ihr Unrecht angetan wurde. „Ich wusste, gar nicht mehr, was Recht und Unrecht war und lebte die letzten Jahre nochmal durch - es war wirklich eine Tortur.“ Dann beschloss Julia, dass sie so nicht weiterleben könne und ihre Musical-Karriere zumindest vorerst beenden werde. Die 27-Jährige weiß, dass es vielen Frauen so geht, auch wenn sie sich noch nicht trauen darüber zu sprechen. „Deshalb wollte ich mein Schweigen brechen.“

Katharina Mückstein stieß die Debatte an

Vor rund zwei Wochen teilte die Dozentin und Regisseurin Katharina Mückstein auf Instagram wiederholt persönliche Erfahrungen über Sexismus und Diskriminierung in der Filmbranche. Daraufhin meldeten sich zahlreiche Menschen, die Ähnliches erlebt hatten. „Es ist vielleicht manchmal nur eine abfällige Bemerkung oder ein Satz, aber der Machtmissbrauch in der Filmbranche hat System“, beschreibt Katharina Mückstein die Situation in zahlreichen Interviews.

Auch in der Sport-Szene ist Sexismus und Rassismus keine Seltenheit, wie die Formel 1 in Österreich zeigte.

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