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Gerade in Krisenzeiten sollten wir über Gleichberechtigung sprechen

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Von: Emily Erhold

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Freiwillige mit Waffen bei einer Übung in Kiew.
Freiwillige bei einer Übung in Kiew. Auch Zivilistinnen greifen zur Waffe. © ZUMA Wire/Imago

In Krisenzeiten scheint es wichtigeres zu geben, als über Gleichberechtigung zu sprechen. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, alte Geschlechterrollen zu hinterfragen. Meine 2Cents dazu:

Der von Russland geführte Angriffskrieg in der Ukraine führt zu Millionen an Geflüchteten. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder sowie ältere Menschen. Wehrfähige Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht mehr verlassen. Sie müssen bleiben und ihr Land verteidigen. Männer, die mit Waffen kämpfen und Frauen, die Kinder und ältere Menschen in Sicherheit bringen. Der Krieg verstärkt alte Geschlechterrollen. Das wird zumindest in den Medien gerne diskutiert. Vor Kurzem erklärte die Historikerin Claudia Kraft im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass das im Ukraine-Krieg nur bedingt wahr sei. „Es ist unglaublich mutig und selbstständig, sich auf die Flucht zu begeben, deswegen ist das nur auf den ersten Blick ein ‚traditionelles Frauenbild‘“, so die Historikerin.

Zudem würden auch viele Ukrainerinnen im Land bleiben und mitkämpfen. In der ukrainischen Armee dienen 15 Prozent Frauen. Auch Zivilistinnen nehmen die Waffen in die Hand oder bauen Molotow-Cocktails. Der Mann, der im Krieg kämpft und die Frau, die sich um die Kinder kümmert: Ganz so ist es nicht mehr. Trotzdem ist es gerade in Krisenzeiten wichtig, über Geschlechterrollen und Gleichberechtigung zu sprechen. Denn schwierige Zeiten zeigen, wie wichtig die Gleichstellung der Geschlechter ist.

Zunahme von Gewalt

Untersuchungen zeigen, dass bewaffnete Konflikte die Zunahme von Gewalt gegen Frauen begünstigen. So können etwa Kriegstraumata bei Soldaten zu verstärkter Gewalt gegen Frauen und Kinder führen. Auf der Flucht sind Frauen vermehrt dem Risiko sexualisierter Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.

Auch andere Krisen führen zu einem Anstieg an Gewalt und der Zementierung alter Geschlechterrollen. Während der Corona-Pandemie meldeten sich nach den Lockdowns in den Jahren 2020 und 2021 deutlich mehr Opfer häuslicher Gewalt bei der Hilfsorganisation „Weißer Ring“ als zuvor. Studien zeigen auch, dass die Geschlechtergerechtigkeit unter der Pandemie leidet. Es sind vor allem die Frauen, die sich wieder vermehrt um den Haushalt kümmern. Auch Homeschooling während der Lockdowns wurde zum Großteil von den Müttern übernommen. Die Schließung von Kindergärten aufgrund von Clustern und corona-bedingten Ausfällen belastete vor allem Frauen. Laut einer Studie der Uni Wien und dem Meinungsforschungsinstitut Sora verbrachten während der Corona-Krise 63 Prozent der Mütter mit Vollzeitjob mehr Zeit mit Kinderbetreuung. Bei den Vätern waren es nur halb so viele. 

Gleichberechtigung der Geschlechter muss vorangetrieben werden

Krisen offenbaren bestehende Ungleichheiten und bedrohen sogar Fortschritte, die es bisher in Sachen Gleichberechtigung gab. Deswegen ist es gerade jetzt besonders wichtig, alte Gesellschaftsstrukturen zu hinterfragen, Frauen in Entscheidungspositionen zu heben und über Gender Equality zu sprechen - auch wenn es in Anbetracht von Pandemien und Kriegen noch so nischig und nebensächlich wirken mag. Denn die Ungleichbehandlung der Geschlechter zieht sich durch alle Bereiche unseres Lebens, auch - und vor allem - in Krisenzeiten.

Diese 6 Organisationen unterstützen gerade ukrainische Frauen.

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