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„Ich will nicht mehr leben“: Frauen sprechen erstmals über sexuelle Gewalt im Ukraine-Krieg

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Von: Sophie Marie Unger

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Die Direktorin von UN Women Sima Bahous und Frauen und Kinder auf der Flucht in der Ukraine
Berichte über sexuelle Gewalt im Ukraine-Krieg nehmen zu. Nun will die UNO Untersuchungen einleiten. © APA Picturedesk

Berichte über sexuelle Gewalt gegenüber Frauen im Ukraine-Krieg nehmen zu. Nun will die UNO unabhängige Untersuchungen einleiten.

Bereits vor rund einem Monat kam Amnesty International in einer Recherche zu dem Schluss, dass besonders ukrainische Frauen und Kinder nicht ausreichend geschützt seien. Nun häufen sich konkrete Berichte über Vergewaltigungen und auch Morde an Frauen in der Ukraine. Laut Zeug:innen sind es zahlreiche russische Soldaten und Söldner, die in zurückeroberten ukrainischen Gebieten Frauen und Kinder verschleppen, vergewaltigen und sogar töten.

Ukrainische Aktivistin als Zeugin vor dem UN-Sicherheitsrat

Zum ersten Mal seit der russischen Invasion sprach eine zugeschaltete ukrainische Aktivistin vor dem UN-Sicherheitsrat über die Lage der Frauen im Land. Kateryna Cherepakha berichtete davon, dass Gewalt und Vergewaltigung von den russischen Invasoren als Waffe eingesetzt werde. Im Visier der russischen Soldaten seien besonders Aktivistinnen, Journalistinnen und Funktionsträgerinnen. „Eine Kindergartenleiterin wurde von den Besatzern wegen ihres Berufs ermordet. Sie sagten: ‚Du sollst keine Nazis erziehen.‘“ Aber auch viele andere Frauen werden verschleppt, vergewaltigt und getötet.

Frau aus Cherson erzählt von Vergewaltigung

In einem Interview mit Euronews erzählt eine Betroffene aus der ukrainischen Seehafenstadt Cherson von den Gräueltaten, die sie miterleben musste. Sie beschuldigt zwei russische Soldaten, sie stundenlang vergewaltigt zu haben, nachdem sie ihr aus einem Geschäft gefolgt waren. „Ich hatte nicht einmal Zeit, zu Hause anzukommen, ich hatte keine Zeit. Sie traten hinter mir durch die Tür. Ich hatte keine Zeit, zu meinem Telefon zu greifen, ich hatte keine Zeit, wofür auch immer.“ Sie drohten ihr dabei mit einem Maschinengewehr. „Es war eklig. Sehr eklig. Ich will nicht mehr leben.“

UNO will Berichte unabhängig überprüfen

Jene schrecklichen Erfahrung haben UN-Vertreter:innen nun veranlasst, offiziell unabhängige Untersuchungen zu fordern. „Diese Berichte müssen von unabhängiger Seite untersucht werden, im Interesse von Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht. Die Kombination von Massenvertreibungen mit starker Präsenz von Soldaten und Söldnern und der Brutalität gegen ukrainische Zivilist:innen lässt alle Alarmglocken läuten“, sagt UN-Women-Chefin Sima Bahous. Sie selbst war vor Ort und fordert: „Dieser Krieg muss aufhören. Jetzt.“

 Internationale Strafgerichtshof will Ermittlungen

Der Generalstaatsanwalt der Ukraine, der Internationale Strafgerichtshof IStGH und die litauische Regierung haben ebenfalls angekündigt, nach den Berichten über sexuelle Gewalt Ermittlungen und forensische Untersuchungen einzuleiten. Vergewaltigung gilt als Kriegsverbrechen und als Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht - den Frauen muss ausreichend Schutz geboten und die Anschuldigungen ernst genommen werden.

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