1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Gender

Armut, sexuelle Gewalt, Abtreibungsverbote: Hälfte aller Schwangerschaften sind ungewollt

Erstellt:

Von: Emily Erhold

Kommentare

Bildmontage: Demonstrant:innen und Frau bei Gynäkologin.
Etwa 121 Millionen ungewollte Schwangerschaften gibt es pro Jahr. © aal.photo/YAY Images/Imago

Laut einem neuen UNO-Bericht gibt es pro Jahr 121 Millionen ungewollte Schwangerschaften. 60 Prozent davon werden abgetrieben - die Hälfte unter unsicheren Bedingungen.

Hauptursachen für ungewollte Schwangerschaften seien laut dem UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) die Benachteiligung von Frauen, Armut, sexuelle Gewalt sowie mangelnder Zugang zu Verhütungsmitteln und Abtreibung. Auch in Österreich gibt es hier Verbesserungsbedarf.

Konflikte erhöhen die Zahl ungewollter Schwangerschaften

Der Bericht des UNFPA bezieht sich auf Daten des Guttmacher-Instituts, die in 150 Ländern zwischen 2015 und 2019 erhoben wurde. Die Autor:innen des Berichts warnen zudem, dass Konflikte wie etwa der Ukraine-Krieg die Zahl ungewollter Schwangerschaften in die Höhe treibe. Denn während Krisen würde sexuelle Gewalt zunehmen und der Zugang zu Verhütungsmittel eingeschränkt sein. So berichtete die UNFPA-Direktorin Natalia Kanem bei der Vorstellung des Berichts von Fällen schwangerer Frauen in der Ukraine, die „wussten, dass sie ernährungstechnisch nicht in der Lage sein würden, ihre Schwangerschaft durchzuhalten“. Laut mehreren Studien erleben über 20 Prozent der aus ihrem Heimatland vertriebenen Frauen weltweit sexuelle Gewalt. Doch laut Kanem sei die Dunkelziffer vermutlich wesentlich höher, doch das soziale Stigma, das mit Gewalt verbunden sei, drücke die offiziellen Zahlen nach unten.

In Zukunft könnte sich die Zahl der ungewollten Schwangerschaften weiter erhöhen. Kanem schätzt, dass allein der Konflikt in Afghanistan bis 2025 voraussichtlich zu 4,8 Millionen ungewollten Schwangerschaften führen wird. Die Corona-Krise hatte beriets im ersten Jahr der Pandemie zu nahezu 1,4 Millionen nicht gewollten Schwangerschaften geführt.

Unsichere Abtreibung, kein Zugang zu Verhütungsmitteln

„Sexuelle und reproduktive Rechte sind grundlegende Menschenrechte, die von Regierungen und Gesetzen geschützt, geachtet und zugänglich gemacht werden müssen“, erklärte Petra Bayr, Mitglied der überparteilichen Österreichischen Parlamentarischen Gruppe für Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte und SPÖ-Sprecherin für globale Entwicklung, bei einer Pressekonferenz am 30. März. Laut dem UNFPA-Bericht müssten jeden Jahr sieben Millionen Frauen weltweit nach unsicheren Abtreibungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diese seien auch eine der Hauptgründe für den Tod von Müttern. „Jeder Frau weltweit steht die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper, unabhängig von Alter oder Herkunft, zu. Dafür braucht es die Gleichstellung der Geschlechter in jeglicher Hinsicht, umfassenden Schutz vor Gewalt aller Art und die nötige gesundheitliche Versorgung sowie Absicherung“, forderte Eva-Maria Holzleitner, ebenfalls Mitglied der Parlamentarischen Gruppe für Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und SPÖ-Sprecherin für Frauen, Kinder und Jugend.

Die SPÖ-Sprecherinnen forderten auch für Österreich den flächendeckenden und kostenfreien Zugang zu Verhütungsmitteln. Zudem sollte die sexuelle Bildung von Kindern und Jugendlichen verbessert werden. Der Zugang zu Verhütungsmitteln wie Kondome, Pille, Spirale etc. ist auch für viele Österreicher:innen schwer und vor allem viel zu teuer. Abtreibungen sind für viele Frauen daher der letzte Ausweg. Österreich ist aber das einzige Land in West-Europa, in dem Frauen Schwangerschaftsabbrüche selbst bezahlen müssen. Zudem müssen vor allem Frauen in ländlichen Regionen noch immer große Hürden überwinden, wenn sie abtreiben möchten. In Wien, Graz, Salzburg und Linz gibt es zwar mehrere spezialisierte Ambulatorien und einige öffentliche Krankenhäuser, die Abbrüche durchführen, in Vorarlberg und Tirol sind sie aber beispielsweise jeweils nur in einer gynäkologischen Praxis möglich. 

Jahrzehntelang forderten Frauenorganisationen und Gesundheitsexpert:innen, dass etwa die „Abtreibungspille“ Mifegyne auch von niedergelassenen Gynäkolog:innen abgegeben werden darf. Wie viele Ärzt:innen aber tatsächlich von dieser neuen Rechtslage Gebrauch machen, ist schwer zu sagen. Daten gibt es dazu keine.

Auch interessant

Kommentare