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„Nicht erwachsen genug“: US-Gericht verbietet 16-Jähriger Schwangerschaftsabbruch

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5. August 2022: Eine Aktivistin für Abtreibungsrechte in Indianapolis, Indiana, Vereinigte Staaten.
5. August 2022: Eine Aktivistin für Abtreibungsrechte in Indianapolis, Indiana, Vereinigte Staaten. © IMAGO/ZUMA Wire

In den USA wird einer schwangeren 16-jährigen ein Schwangerschaftsabbruch verboten, da sie nicht erwachsen genug sei „um zu entscheiden, ob sie ihre Schwangerschaft abbrechen will“.

Eine schwangere und „elternlose“ 16-Jährige könnte gezwungen werden, gegen ihren Willen ein Kind zu bekommen, nachdem ein Gericht in Florida entschieden hatte, dass sie nicht „reif“ genug sei, um sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden.

„Das Gericht befand ..., dass [die Jugendliche] nicht durch eindeutige und überzeugende Beweise nachgewiesen hat, dass sie reif genug sei, um zu entscheiden, ihre Schwangerschaft abzubrechen", heißt es in dem am Montag verkündeten Urteil, das die Entscheidung eines Bezirksrichters bestätigte.

Petition von schwangerer Minderjährigen: „Nicht bereit, ein Baby zu bekommen.“

Dem Urteil zufolge hatte die Jugendliche beantragt, ein Gesetz in Florida zu umgehen, das die Zustimmung eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten vorschreibt, um als Minderjährige einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. In ihrer Petition, die in dem Urteil beschrieben wird, schrieb die Teenagerin, dass sie „nicht bereit sei, ein Baby zu bekommen“ und dass der Vater nicht in der Lage sei, sie zu unterstützen.

Sie habe keine Arbeit und strebe mithilfe eines „Programms zur Unterstützung junger Frauen, die in ihrem Leben ein Trauma erlebt haben“, einen Schulabschluss an. Das Trauma sei auf den kürzlichen Tod eines Freundes zurückzuführen. Das Mädchen sei „elternlos“, so die Entscheidung, und „lebt bei einem Verwandten, hat aber einen ernannten Vormund“. In ihrer Petition erklärte das Mädchen, dass ihr Vormund mit dem, was sie tun wolle, einverstanden sei.

Gericht verbietet Abtreibung: Schriftliche Verzichtserklärung ihres Vormunds verlangt

Ein Schwangerschaftsabbruch wäre ihr erlaubt worden, wenn ihr Vormund eine schriftliche Verzichtserklärung abgegeben hätte, heißt es in dem Urteil, obwohl Einzelheiten darüber, warum sie ihren Vormund nicht einbezogen hat, in der Entscheidung des Gerichts nicht genannt wurden. Die 16-Jährige kreuzte „unerklärlicherweise“ ein Kästchen auf ihrem Antrag an, in dem sie auf die Bereitstellung eines Anwalts verzichtete, wurde aber zu ihrer Anhörung vor dem Bezirksgericht von Escambia County von einem Sachbearbeiter und einem Anwalt begleitet.

Das Urteil des Berufungsgerichts bestätigte die Ablehnung des Antrags der Jugendlichen durch die Bezirksrichterin Jennifer Frydrychowicz, die die Teenagerin für „glaubwürdig“, „offen“ und „nicht aufdringlich“ hielt und „zeitweise zeigte, dass sie stabil und reif genug ist, um diese Entscheidung zu treffen“, wie es in einer Abschrift des Urteils des Berufungsgerichts heißt. In dem Urteil wird Frydrychowicz auch dafür gelobt, dass sie sich „um die missliche Lage der Minderjährigen sorgte“ und auf „mitfühlende Weise“ Fragen stellte.

„Die Jugendliche hatte Google-Recherchen durchgeführt und eine Broschüre gelesen (die sie und ein Familienmitglied bei ihrem Besuch in einer medizinischen Klinik erhalten hatten), um sich über ihre medizinischen Möglichkeiten und deren Folgen zu informieren“, heißt es im Urteil des Berufungsgerichts. „Das Gericht stellt fest, dass die Minderjährige anerkennt, dass sie für die emotionale, körperliche oder finanzielle Verantwortung, die mit der Erziehung eines Kindes verbunden ist, nicht bereit ist, und dass sie berechtigte Bedenken hat, ob sie in der Lage ist, ein Kind zu erziehen“.

Passend dazu: Diese junge Frau hat auf TikTok eine Diskussion über Frauen, die kinderlos bleiben wollen, eröffnet und offen über ihre Sterilisation gesprochen.

Antrag auf Abtreibung von 16-jähriger Jugendlichen abgelehnt: „Sehr knappe Entscheidung.“

Frydrychowicz lehnte den Antrag des Teenagers schließlich ab, sagte aber, dass das Gericht die Entscheidung „zu einem späteren Zeitpunkt“ noch einmal überdenken könne, da es sich um eine „sehr knappe Entscheidung“ handele.

„Wenn man zwischen den Zeilen liest, scheint es, dass das Gericht der Minderjährigen, die aufgrund des Todes eines Freundes unter besonderem Stress stand, zusätzliche Zeit geben wollte, um ein besseres Verständnis für die Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs zu entwickeln“, heißt es in der Entscheidung.

Da eine Abtreibung in Florida jedoch nur bis zur 15. Schwangerschaftswoche legal ist, könnte diese „zusätzliche Zeit“ bereits abgelaufen sein – die Jugendliche war zum Zeitpunkt der Anhörung vor dem Bezirksgericht bereits in der 10. Schwangerschaftswoche. In Ohio sind Schwangerschaftsabbrüche sogar ab der sechsten Schwangerschaftswoche verboten.

Schwangerschaftsabbruch bei Minderjährigen in den USA: Eltern müssen in die Entscheidung miteingebunden werden.

Nach Angaben des Guttmacher Institute ist Florida einer von 36 Bundesstaaten, in denen ein oder beide Elternteile eines Minderjährigen an der Entscheidung über eine Abtreibung beteiligt werden müssen.

Die meisten Minderjährigen beziehen ihre Eltern mit ein, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen – sie dazu zu zwingen, kann sie jedoch in große Gefahr bringen, so auch diese fragwürdige Erziehungsmethode, die Versagensängste fördert. Laut der gemeinnützigen Sexualaufklärungsorganisation Advocates for Youth hat ein Fünftel der schwangeren Minderjährigen „körperliche Misshandlung durch einen Elternteil oder eine andere Betreuungsperson erlebt“, und 30 Prozent derjenigen, die nicht mit einem Elternteil über ihre Abtreibung sprechen, gaben an, dass sie „Gewalt oder den Zwang, das Haus zu verlassen, befürchteten“.

Restriktiven Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch haben bereits Auswirkungen auf Teenager:innen

Mehr als die Hälfte der Schwangerschaften von Minderjährigen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren enden mit einem Abbruch so die Daten des US-Gesundheitsministeriums. Da jedoch die Aufhebung des Urteils Roe v. Wade nach Berichten der New York Times, den Weg für Abtreibungsverbote in einer wachsenden Zahl von US-Bundesstaaten freimacht, könnten sich immer mehr Amerikaner:innen gezwungen sehen, ungewollte - oder sogar gefährliche - Schwangerschaften auszutragen. Viele sehen nun in der Sterilisation einen Ausweg aus diesem Dilemma.

Diese restriktiven Gesetze haben bereits Auswirkungen auf Kinder und Teenager:innen. Im Juni musste eine 10-Jährige, die nach einer Vergewaltigung schwanger wurde, für eine Abtreibung von Ohio nach Indiana reisen. Auch Gesetze zu Homo-Ehen und Verhütung könnten gefährdet sein.

Autorin ist Julia Reinstein. Dieser Artikel erschien am 16. August 2022 zunächst auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Aranza Maier.

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